Gaza-Abkommen: Friedenserklärung unterzeichnet – Emotionales Wiedersehen der freigelassenen Geiseln mit ihren Familien

Yosef-Haim Ohana (M) trifft seine Familie nach seiner Freilassung aus der Gefangenschaft der islamistischen Terrororganisation Hamas.
-/IDF/AP/dpa- Erste Geiseln nach 738 Tagen durch Waffenstillstand zwischen Israel und Hamas freigelassen.
- 20 Geiseln sollen heute folgen, darunter vier Deutsch-Israelis, Treffen mit Angehörigen geplant.
- Israel lässt 2.000 Palästinenser frei, darunter Häftlinge mit lebenslanger Strafe.
- Trump erklärt den Krieg für beendet, Netanjahu sieht noch große Sicherheitsrisiken.
- Gazastreifen leidet unter Zerstörung, Israel erlaubt mehr Hilfslieferungen und Reparaturen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die 20 aus der Gewalt der islamistischen Hamas in die Freiheit zurückgekehrten Geiseln werden zunächst in Krankenhäusern untersucht und von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Kurze Videos der israelischen Armee lassen die Menschen in Israel aber an den hochemotionalen Wiedersehen teilhaben. Jubelnd, schluchzend, schreiend liegen sich Familienangehörige in den Armen, wie auf den Bildern zu sehen ist. „Mein Gott, mein Gott, mein Gott“, ruft die Mutter einer ehemaligen Geisel immer wieder, während sie sich an ihren freigelassenen Sohn klammert.
Die auch in Online-Medien verbreiteten Bilder und Videosequenzen zeigen etwa Omri Miran, der zum ersten Mal seit zwei Jahren mit seinen beiden kleinen Töchtern spielt oder in Gefangenschaft getrennte Brüder, die sich wieder in den Arm nehmen können. Der auf einen Rollstuhl angewiesene Vater von Bar Kupershtein steht mit der Unterstützung von Helfern sogar auf, um seinen Sohn stehend umarmen zu können.
Auch der nun freigelassene Avinatan Or und seine Freundin Noa Argamani konnen sich endlich wieder umarmen. Beide waren am 7. Oktober 2023 auf dem Nova Musikfestival getrennt voneinander in den Gazastreifen verschleppt worden. Argamani gehörte zu der Gruppe von Geiseln, die im Juni 2024 von der israelischen Armee im Gazastreifen befreit werden konnte.
Israels Militär geht nicht davon aus, dass die Hamas auch alle 28 toten Geiseln heute - und damit innerhalb der im Rahmen der Waffenruhe vereinbarten 72-Stunden-Frist - übergeben kann.
Auf dem „Platz der Geiseln“ im Zentrum der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv brach am Morgen nach Berichten über die Übergabe der ersten Geiseln an das IKRK unter Tausenden dort versammelten Menschen Jubel aus.
Friedenserklärung bei Nahost-Gipfeltreffen unterzeichnet
Vertreter der USA, Ägyptens, Katars und der Türkei haben eine gemeinsame Friedenserklärung für den Gazastreifen unterzeichnet. In dem am Montag bei einem Nahost-Gipfeltreffen im ägyptischen Scharm el-Scheich unterzeichneten Dokument erklären sich die vier Länder zu Garantiemächten einer Vereinbarung, mit der der Gaza-Krieg beendet werden soll. US-Präsident Donald Trump zeigte sich bei der Unterzeichnungszeremonie zuversichtlich, dass die Erklärung „Bestand haben“ werde.
Laut Trump werden in dem unterzeichneten Dokument „Regeln und Vorschriften“ zum weiteren Vorgehen auf dem Weg zur Beendigung des vor zwei Jahren begonnenen Krieges zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen festgelegt. Der US-Präsident sprach von einem „unglaublichen Tag für die Welt und den Nahen Osten“.
Waffenruhe: Israelische Armee zieht sich zurück
Am Freitag war im Rahmen eines von US-Präsident Donald Trump initiierten Friedensplans eine Waffenruhe im Gaza-Krieg in Kraft getreten. Israel soll im Gegenzug für die Übergabe der Geiseln rund 2.000 palästinensische Häftlinge freilassen. Darunter sind bis zu 250, die zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt wurden.
Die israelische Armee hatte sich mit Beginn der Waffenruhe auf eine vereinbarte Linie zurückgezogen. Die Armee hat aber immer noch die Kontrolle über etwa die Hälfte des von Israel abgeriegelten Küstenstreifens. Die Geiseln wurden unter grausamen Bedingungen festgehalten. Zuvor freigelassene Geiseln hatten von Folter und schweren Misshandlungen berichtet. In von Terrororganisationen veröffentlichten Videos waren stark abgemagerte Geiseln zu sehen.
Vier tote Geiseln übergeben
An Nachmittag übergab die Hamas dem Roten Kreuz zwei Särge mit den sterblichen Überresten toter Geiseln übergeben. Das teilte die israelische Armee mit. Den Informationen zufolge soll es noch heute noch eine weitere Übergabe der Särge zweier toter Geiseln geben. Die Terrororganisation veröffentlichte auf Telegram die Namen von vier Menschen, deren sterbliche Überreste im Rahmen eines Deals übergeben werden sollten. Darunter war auch ein Student aus Nepal.
Das israelische Militär war bereits davon ausgegangen, dass heute nicht alle Leichen übergeben werden können. Das Abkommen zwischen Israel und der Hamas hatte eigentlich die Übergabe aller 28 vorgesehen. Die Angehörigen der Geiseln seien schockiert und bestürzt, teilte das Forum der Geiselfamilien mit und forderte die israelische Regierung und die Vermittler auf, Maßnahmen zu ergreifen, „um diese schwere Ungerechtigkeit zu korrigieren“. „Die Vermittler müssen die Bedingungen der Vereinbarung durchsetzen und sicherstellen, dass die Hamas für diesen Verstoß einen Preis zahlt.“
Hamas will weiter gegen Israel kämpfen
Die Hamas hat die Fortsetzung ihres Kampfes gegen Israel angekündigt. Die Frage der palästinensischen Häftlinge werde für das palästinensische Volk und seinen Widerstand weiterhin höchste Priorität haben, hieß es in einer Mitteilung der Hamas.
„Das palästinensische Volk wird nicht ruhen, bis der letzte Gefangene aus den Gefängnissen der neuen Nazis befreit ist und die Besatzung von unserem Land und unseren heiligen Stätten entfernt ist“, schrieb die Hamas weiter.
Die Terrororganisation Hamas lehnt die von der internationalen Gemeinschaft für die Region angestrebte Zweistaatenlösung - ein unabhängiger Staat Palästina, der friedlich Seite an Seite Israels lebt - strikt ab. Die Hamas will stattdessen Israel zerstören und auf dem gesamten Gebiet des historischen Palästina einen islamischen Staat einrichten.
Merz: „Der Krieg in Gaza ist zu Ende“
Bundeskanzler Friedrich Merz hat die ersten Schritte im Friedensprozesses zwischen Israel und der islamistischen Hamas als historisch gewürdigt. „Der 13. Oktober 2025 wird ein wichtiger Tag in den Geschichtsbüchern sein - für diese Region, aber auch für die ganze Welt. Der Krieg in Gaza ist zu Ende“, sagte der Kanzler im ägyptischen Scharm el Scheich, wo am Nachmittag eine Zeremonie zur Besiegelung der Waffenruhe nach zwei Jahren Krieg stattfinden soll. Es sei gelungen, „den Konflikt jedenfalls für heute zu beenden“.
Er hoffe, dass nun eine Phase des Friedens, des guten Miteinanders und der dauerhaften Stabilität in der Region beginne, sagte Merz. Deutschland sei bereit, seinen Betrag zu leisten - vor allem durch humanitäre Hilfe.
Trump: „Triumph für Israel und die Welt“
US-Präsident Donald Trump hat die Waffenruhe im Gazastreifen und die Freilassung der dort verbliebenen Geiseln in seiner Rede vor dem Parlament in Jerusalem als „unglaublichen Triumph für Israel und die Welt“ bezeichnet. Trump sagte am Montag in seiner Rede vor der Knesset: „Wir haben viel Hilfe bekommen, wir haben viel Hilfe von vielen Menschen bekommen, von denen man das nicht erwarten würde, und dafür möchte ich ihnen ganz herzlich danken. Es ist ein unglaublicher Triumph für Israel und die Welt, dass all diese Nationen als Partner für den Frieden zusammenarbeiten.“
Trump äußerte in diesem Zusammenhang seine Dankbarkeit insbesondere auch gegenüber arabischen und muslimischen Staaten, die sich „zusammengeschlossen“ hätten, um „die Hamas dazu zu bewegen, die Geiseln freizulassen und nach Hause zu schicken“.
Zu dem von ihm vorangetriebenen Gaza-Abkommen sagte Trump, es handle sich „nicht nur um das Ende eines Kriegs“, sondern um die „historische Morgenröte eines neuen Nahen Ostens“, und fügte hinzu: „Die Sonne geht über einem heiligen Land auf, das endlich Frieden gefunden hat.“
Unterbrochen wurde Trumps Rede kurzzeitig durch den Rauswurf eines Oppositionsabgeordneten. Der linksgerichtete Parlamentarier Ofer Cassif hatte ein Schild in die Höhe gehalten, auf dem Trump beschimpft wurde. Cassif wurde daraufhin von Saaldienern aus dem Plenum gebracht. Trump kommentierte den Vorfall kurz mit den Worten: „Tja, das war effizient.“ Dann setzte er seine Rede fort.
„Nahost-Friedenszeremonie“ in Ägypten
Trump will in Israel auch Angehörige der Geiseln treffen. Am Nachmittag will er dann zu einer „Nahost-Friedenszeremonie“ anlässlich des von ihm vermittelten Abkommens zwischen Israel und der Hamas in den ägyptischen Küstenort Scharm el Scheich weiterreisen. Dort werden mehr als 20 Staats- und Regierungschefs erwartet, unter anderem aus Europa und der arabischen Welt. Anreisenwird auch Bundeskanzler Friedrich Merz.
Entgegen den Angaben aus Ägypten wird der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nicht an dem internationalen Gipfeltreffen in Scharm el Scheich teilnehmen. Das teilte sein Büro mit. Netanjahu habe US-Präsident Donald Trump für eine Einladung nach Ägypten gedankt, könne aber wegen Zeitdrucks vor dem jüdischen Feiertag Simchat Tora (Freude der Tora) die Reise nicht antreten, hieß es in der Mitteilung.
Lage im Gazastreifen verzweifelt
Nach zwei Jahren Krieg ist die Lage für die Palästinenser in dem von Israel abgeriegelten Gazastreifen verzweifelt. Hunderttausende Menschen müssen sich in einer zu weiten Teilen zerstörten, vermutlich von Blindgängern übersäten Trümmerlandschaft zurechtfinden, in der sie nur durch dauerhafte Hilfe von außen überleben können.
Seit Beginn der Waffenruhe hat Israel die Einfuhr von mehr Hilfsgütern in das Gebiet erlaubt: Täglich sollen rund 600 Lastwagen einfahren. Das ist nach UN-Angaben die Mindestmenge, um die Bevölkerung zumindest mit dem Nötigsten zu versorgen. Laut israelischen Sicherheitskreisen soll etwa auch die Reparatur von Wasserleitungen, Abwassersystemen und Bäckereien möglich sein.

Palästinenser tragen Lebensmittelpakete, die von der The Gaza Humanitarian Foundation (GHF) verteilt wurden.
Omar Ashtawy/APA Images via ZUMA Press Wire/dpaStreitpunkte bleiben
Es ist jedoch nicht absehbar, ob das Abkommen zu einem längerfristigen Ende der Kämpfe in Gaza führen wird. Zwei der größten Streitpunkte bleiben die Entwaffnung der Hamas, die in Trumps Friedensplan vorgesehen ist, und der komplette Abzug von Israels Armee aus dem Gebiet. Nach einem vereinbarten Rückzug hält sie weiterhin etwa die Hälfte Gazas besetzt. Die Hamas spricht Israel zudem weiterhin das Existenzrecht ab, Netanjahu und seine rechtsextremen Regierungspartner wollen die Hamas restlos zerschlagen.
Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Palästinenserorganisationen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zum Gazastreifen verübt haben. Auf israelischer Seite wurden dabei etwa 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln nach Gaza verschleppt.
Israel reagierte darauf mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde kamen dabei bislang mehr als 67.000 Menschen ums Leben.

Menschen versammeln sich, um eine Live-Übertragung der Freilassung israelischer Geiseln aus dem Gazastreifen auf dem Platu der Geiseln zu verfolgen.
Emilio Morenatti/AP/dpaGuterres „zutiefst erleichtert“
UN-Generalsekretär António Guterres hat sich erleichtert über die Freilassung israelischer Geiseln aus dem Gazastreifen gezeigt. Er sei „zutiefst erleichtert“, dass die Betroffenen nach „immensem Leid“ ihre Freiheit zurückerlangt hätten und bald mit ihren Lieben vereint seien, schrieb er auf X.
Der UN-Chef bekräftigte zugleich seinen Appell, auch die sterblichen Überreste der getöteten Geiseln freizugeben. Er rief alle Konfliktparteien dazu auf, auf den erzielten Fortschritten aufzubauen und ihre Verpflichtungen aus der Waffenruhe einzuhalten, um „den Alptraum in Gaza zu beenden“. Die UN unterstützten alle Anstrengungen, um den Konflikt in Gaza zu beenden und das Leid der Zivilisten zu lindern.
Bundesregierung „teilt die Freude der Angehörigen“
Die Bundesregierung hat sich erleichtert über die Freilassung der letzten der von der islamistischen Hamas im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln geäußert. „Es ist eine sehr gute Nachricht, dass nach zwei langen Jahren der Krieg zu Ende ist und vor allen Dingen auch, dass nach diesen zwei langen Jahren von Angst und Schmerzen nun die letzten Geiseln in Freiheit sind“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille in Berlin. „Wir blicken in diesen Stunden mit großer Erleichterung auf die Entwicklungen in Israel und Gaza und vor allen Dingen auch auf das Schicksal der Geiseln.“
Die Bundesregierung teile die Freude der Angehörigen der freigelassenen Geiseln, unter denen auch sieben deutsche Staatsangehörige seien, sagte Hille. „Wir wünschen den befreiten Geiseln und ihren Familien viel Kraft für den Heilungsprozess ihrer physischen und psychischen Wunden.“ Zugleich seien die Gedanken der Bundesregierung bei den Familien, deren Angehörige in der Gefangenschaft der Hamas zu Tode gekommen sind. Die Familien müssten nun endlich die sterblichen Überreste in Empfang nehmen können, um in Würde Abschied zu nehmen.





























Nach zwei Jahren kehren die letzten Geiseln der Terrororganisation Hamas nach Hause zurück, in Gaza schweigen die Waffen. Das gibt Hoffnung.