Femizide in Deutschland: Gewalt an Frauen: Zwei tödliche Messerangriffe in Berlin

In Berlin-Zehlendorf wurde eine 36-jährige Frau von ihrem Ex-Mann erstrochen.
Fabian Sommer/dpaGewalt in der Partnerschaft trifft vor allem Frauen. Zwei mutmaßlichen Morde und ein Messerangriff, die sich diese Woche innerhalb nur weniger Tage in Berlin ereignet haben, sind erneut der schreckliche Beweis dafür. Zwei Frauen starben, beide vermutlich durch einen Mann.
Am Freitagabend wurde eine 28-Jährige im Ortsteil Friedrichsfelde ersten Erkenntnissen zufolge von ihrem ehemaligen Lebensgefährten erstochen – nur wenige Tage nach dem mutmaßlichen Mord an einer 36-Jährigen durch ihren Ex-Mann in Berlin-Zehlendorf. Einen weiteren Messerangriff auf eine Frau gab es am Freitag im Bezirk Reinickendorf, bei dem jedoch Schlimmeres verhindert werden konnte. Und auch in Bremen wurde eine 27 Jahre alte Frau am Freitag durch Messerstiche schwer verletzt. Tatverdächtig ist Polizeiangaben zufolge ein 31-jähriger Bekannter der Frau.
28-Jährige mit schweren Verletzungen im Hausflur gefunden
Die 28-Jährige wurde am späten Freitagabend lebensgefährlich verletzt im Hausflur eines Mehrfamilienhauses entdeckt, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten. Die Frau starb kurz darauf in einem Krankenhaus. Der 45 Jahre alte Tatverdächtige wurde festgenommen und befindet sich in Untersuchungshaft. Es wurde ein Haftbefehl erlassen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich um den ehemaligen Lebensgefährten der Frau.
Der Mann soll die 28-Jährige mit einem Messer angegriffen und mehrmals zugestochen haben. Es gebe Anzeichen von häuslicher Gewalt in der Beziehung, sagte Staatsanwalt Sebastian Büchner. Zur Nationalität konnte er zunächst keine Angaben machen. Eine Mordkommission und die Staatsanwaltschaft Berlin ermitteln.
Weiterer Fall erst vor wenigen Tagen
Erst am Mittwochabend war eine Frau auf einer Straße im Berliner Stadtteil Zehlendorf mit einem Messer getötet worden, mutmaßlich von ihrem Ex-Mann. Die 36-Jährige war Mutter von vier Kindern. Der 50 Jahre alte Mann befindet sich in Untersuchungshaft. Laut Generalstaatsanwaltschaft wurde ein Haftbefehl wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen erlassen.
Die Polizei geht nach ersten Erkenntnissen von einem sogenannten Femizid aus. Femizid bedeutet, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden – also weil sie Frauen sind. Als häufigste Form gilt die Tötung von Frauen durch Partner oder Ex-Partner.
In der Ehe habe es bereits mehrfach Fälle von häuslicher Gewalt gegen die Frau durch den Mann gegeben. Schließlich habe sich die Frau getrennt und über ein Gericht eine sogenannte Gewaltschutzverfügung und ein Annäherungsverbot erwirkt: Der Ex-Ehemann dufte sich ihr nicht nähern, sie nicht ansprechen, sondern musste einen vorgeschriebenen Abstand halten.
155 Femizide im vergangenen Jahr
Bundesfamilienministerin Lisa Paus zeigte sich entsetzt über die jüngsten Taten: „Unser Land hat ein massives Gewaltproblem gegen Frauen. Das muss aufhören“, sagte die Grünen-Politikerin. „Wir brauchen nicht nur ein Sicherheitspaket gegen terroristische Messerstecher, sondern auch für die Prävention und den Schutz von Frauen vor Gewalt.“ Sie bereite ein sogenanntes Gewalthilfegesetz vor, das allen Betroffenen einen Schutzanspruch auf Hilfe einräumen solle, sagte Paus.
Im vergangenen Jahr sind laut einer Statistik des Bundeskriminalamts 155 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner umgebracht worden - 22 mehr als im Vorjahr.
Versuchtes Tötungsdelikt
Schlimmeres verhindert werden konnte am Freitag wohl im Bezirk Reinickendorf: Ein Mann griff eine Frau in einer Wohnung mit einem Küchenmesser an und würgte sie. Polizei und Staatsanwaltschaft sprechen von einem versuchten Tötungsdelikt. Weil die Kinder der Frau Hilfe holten, konnte die Polizei eingreifen. Die 38-Jährige wurde verletzt und kam ins Krankenhaus.
Der Angreifer befindet sich nach Angaben der Berliner Generalstaatsanwaltschaft in Untersuchungshaft. Es wurde Haftbefehl wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung erlassen, wie die Behörde auf der Online-Plattform X mitteilte.
Die Frau hatte den Beschuldigten nach Angaben von Büchner vor einer Woche in die Wohnung aufgenommen. „Ob es über die Bekanntschaft hinaus eine Vorbeziehung gab, ist noch nicht bekannt.“ Beide stammen den Angaben zufolge auf Ghana.
Fußfesseln im Kampf gegen häusliche Gewalt
Im Kampf gegen häusliche Gewalt hat Hessen dieses Jahr eine Bundesratsinitiative zum Einsatz elektronischer Fußfesseln auf den Weg gebracht. Ziel ist es, die elektronische Fußfessel durch eine Änderung des Gewaltschutzgesetzes im Bundesgesetz zu verankern. Nach Angaben des hessischen Justizministers, Christian Heinz (CDU), stellen Strafverfolgungsbehörden bei ihren Ermittlungen zu Tötungsdelikten im Partnerschaftskontext immer wieder fest, dass Annäherungs- und Kontaktverbote bestanden, diese jedoch – auch wiederholt – missachtet werden.
