Eurovision Song Contest 2026
: Israels Teilnahme wird per Onlinevoting entschieden

Im November stimmt die EBU online ab, ob Israel beim ESC 2026 in Wien teilnehmen darf – nachdem mehrere Länder mit Boykott drohten.
Von
Judith Müller
Wien
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Yuval Raphael aus Israel mit dem Titel "New Day Will Rise". Im November will die EBU über eine Teilnahme Israels beim Eurovision Song Contest abstimmen lassen.

Yuval Raphael aus Israel mit dem Titel "New Day Will Rise". Im November will die EBU über eine Teilnahme Israels beim Eurovision Song Contest abstimmen lassen.

dpa/Jens Büttner

Der Eurovision Song Contest 2026 in Wien könnte zur Zerreißprobe für die Europäische Rundfunkunion (EBU) werden. Nach wochenlangen Boykott-Drohungen mehrerer Länder hat die EBU nun bekanntgegeben, dass im November per Online-Abstimmung entschieden werden soll, ob Israel im kommenden Jahr am Wettbewerb teilnehmen darf.

Politischer Druck zwingt EBU zum Handeln

In einem Schreiben an die Mitgliedssender erklärte die EBU, dass angesichts der „beispiellosen Meinungsvielfalt“ unter den Rundfunkanstalten keine einvernehmliche Lösung möglich sei. Daher setze man auf eine demokratische Abstimmung im Rahmen einer außerordentlichen Generalversammlung Anfang November.

Sechs Länder drohen mit Rückzug

Schon seit dem ESC-Finale 2025 in Basel wächst die Kritik an Israels Teilnahme. Irland, Slowenien, Spanien, Niederlande, Island und Belgien haben inzwischen angekündigt, einen Boykott des Wettbewerbs in Wien ernsthaft zu erwägen, falls Israel zugelassen wird. Besonders Spanien sorgt für Druck: Als Mitglied der Big Five gehört es zu den größten Geldgebern des ESC. Sollte sich auch Italien – wo die Debatte aktuell eskaliert – für einen Rückzug entscheiden, wäre das finanzielle Fundament des Contests bedroht.

Gastgeber Österreich für Israels Teilnahme

In Wien zeigt man sich hingegen um Vermittlung bemüht. ORF-Generaldirektor Roland Weißmann betonte, man würde Israels Teilnahme als Gastgeber ausdrücklich begrüßen. Auch Außenministerin Beate Meinl-Reisinger warnte in einem Brief an ihre europäischen Amtskollegen davor, den ESC für Sanktionen zu instrumentalisieren: „Ein Ausschluss Israels würde die Möglichkeiten für einen wichtigen Dialog zwischen Künstlern und der Bevölkerung verunmöglichen – ohne die Lage vor Ort in Israel und Gaza zu verbessern.“

Israel hofft auf Abstimmungsergebnis

Die israelische Rundfunkanstalt Kan verweist darauf, dass für einen Ausschluss eine 75-Prozent-Mehrheit nötig wäre. Gleichzeitig warnt man vor den Folgen: „Die mögliche Disqualifikation eines langjährigen und beliebten Teilnehmers wäre vor der 70. Ausgabe des ESC besonders beunruhigend und könnte weitreichende Auswirkungen auf den Wettbewerb haben.“

Publikumsfavorit trotz Jury-Kritik

Unabhängig von der politischen Debatte erfreut sich Israel beim ESC-Publikum nach wie vor großer Beliebtheit. 2025 belegte die Sängerin Yuval Raphael im Publikums-Voting Platz 1, während Jurywertungen deutlich zurückhaltender ausfielen. Schon in den vergangenen Jahren sorgte dieses Ungleichgewicht für Diskussionen und Proteste.

Im November entscheidet sich also, ob Israel beim ESC 2026 in Wien antreten darf. Angesichts der drohenden Rückzüge von sechs Ländern könnte die Abstimmung nicht nur über Israels Teilnahme, sondern auch über die Zukunft und Glaubwürdigkeit des gesamten Wettbewerbs bestimmen.