Israel und Iran führen Angriffe fort
: Gegenseitige Drohungen nach massivem Raketenbeschuss in der Nacht

Nach den Angriffen Israels auf Irans Atomanlagen reagieren beide Seiten mit weiteren Angriffswellen. Während Verteidigungsminister Katz dem Iran droht, droht dieser Israels Verbündeten Frankreich, Großbritannien und den USA.
Von
AFP STATISTISCH ,
dpa
Jerusalem/Tel Aviv
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A destroyed building is pictured at a site in Tel Aviv hit by a missile fired from Iran on June 14, 2025. Israel's military said that its fighter jets were set to resume striking targets in Tehran, after announcing it had hit air defences in the Iranian capital area overnight, as Israel and Iran trade fire with such intensity for the first time following decades of enmity and conflict by proxy, with fears of a prolonged conflict engulfing the region. (Photo by JOHN WESSELS / AFP)

Ein zerstörtes Gebäude in Tel Aviv.

JOHN WESSELS/AFP
  • Iran greift Israel nach Angriffen auf Atomanlagen mit massiven Raketenangriffen an.
  • Israel ruft Bevölkerung in Schutzräume, Luftalarm in Jerusalem und Tel Aviv.
  • Feuer und Rauch über Flughafen in Teheran, Explosionen gemeldet.
  • UN-Generalsekretär fordert Deeskalation, Frieden und Diplomatie.
  • Israels Großangriff auf iranische Militärziele, hochrangige Militärs getötet.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Iran hat Israel nach Angriffen auf seine Atomanlagen und wichtige militärische Ziele mit mehreren massiven Angriffswellen überzogen. Binnen weniger Stunden ertönte in der Nacht zu Samstag landesweit mehrfach Luftalarm, darunter in Jerusalem und in Tel Aviv. Die israelische Armee rief die Bevölkerung am Samstagmorgen auf, sich in Schutzräume zu begeben und dort bis auf Weiteres zu bleiben.

Der jüngste Luftalarm sei in „mehreren Regionen Israels“ ausgelöst worden, nachdem Raketenbeschuss aus dem Iran festgestellt worden sei, teilte die israelische Armee nach dem jüngsten iranischen Raketenbeschuss am Samstag um 04.40 Uhr (Ortszeit, 03.40 Uhr MESZ) im Onlinedienst Telegram mit. Die israelische Luftwaffe war nach eigenen Angaben im Einsatz, um die Geschosse abzufangen und, „wo nötig, die Bedrohung auszuschalten“. Kurz darauf berichtete das iranische Staatsfernsehen von einer neuen Angriffswelle auf Israel.

In Israel sind infolge der iranischen Raketenangriffe Medienberichten zufolge drei Menschen ums Leben gekommen. Dutzende weitere hätten teils schwere Verletzungen erlitten, meldete die „Times of Israel“.

Iran meldet Tod weiterer Generäle

Auch Israel setzte seine Angriffe in der Nacht fort. In der iranischen Hauptstadt ist einer der beiden Flughäfen Ziel israelischer Angriffe geworden. Auf dem militärischen Teil des Flughafens Mehrabad nahe Terminal 4 kam es in der Nacht zu Explosionen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete. Ein Hangar für Kampfjets sei getroffen worden. Der Flugverkehr ist unterdessen weiter gesperrt.

Die Nachrichtenagentur wies Berichte zurück, wonach die Landebahnen des Flughafens getroffen worden seien. Mehrabad liegt im Herzen der Millionenmetropole mit über 15 Millionen Einwohnern. Er wird vor allem für Inlandsflüge genutzt und dient als Basis der Regierungsflotte. Der internationale Flughafen befindet sich rund 40 Kilometer südlich der Hauptstadt.

Der Iran hat den Tod zwei weiterer Generäle bekannt gemacht. Die Offiziere Gholamresa Mehrabi und Mehdi Rabani, zwei führende Mitglieder des Generalstabs der Streitkräfte, seien bei den israelischen Bombardierungen ums Leben gekommen, berichtete der staatliche Rundfunk. Mehrabi arbeitete demnach als stellvertretender Chef der Geheimdienstabteilung im Generalstab, Rabani war stellvertretender Operationschef. Damit erhöht sich die Zahl der bestätigten Todesopfer unter den Generälen auf insgesamt acht.

Katz droht Chamenei

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat dem Iran und seinem obersten Führer Ali Chamenei bei weiteren Angriffen auf zivile Gebiete im Land mit schweren Konsequenzen gedroht. „Falls Chamenei weiter Raketen auf die israelische Zivilbevölkerung abfeuert, wird Teheran brennen“, sagte Katz nach einer Besprechung mit dem Generalstabschef laut Mitteilung.

Katz fügte angesichts der iranischen Angriffe in der Nacht hinzu: „Der iranische Diktator macht die Bevölkerung des Irans zu Geiseln und zeigt, dass sie, vor allem die Einwohner Teherans, einen hohen Preis für den verbrecherischen Schaden zahlen werden, der den israelischen Bürgern zugefügt wurde.“

Iran droht Israels Verbündeten

Der Iran hat Israels Verbündeten mit Angriffen gedroht. Iran habe Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten offiziell über weitere Angriffe gegen Israel informiert, berichteten iranische Medien übereinstimmend. Länder, die sich an der Abwehr iranischer Angriffe beteiligten, müssten demnach selbst mit Attacken rechnen. Als mögliche Ziele werden regionale Militärstützpunkte verbündeter Staaten sowie Schiffe im Persischen Golf und Roten Meer genannt.

Irans Außenministerium: Atomgespräche „sinnlos“

Irans Regierung sieht nach dem israelischen Großangriff keinen Sinn mehr in den Atomverhandlungen mit den USA. Man könne nicht behaupten, verhandeln zu wollen, und zugleich Israel gestatten, die territoriale Integrität Irans zu verletzen, sagte Außenamtssprecher Ismail Baghai laut der Nachrichtenagentur Tasnim mit Blick auf die USA.

Es sei stets Wunsch „des zionistischen Regimes“ (Israel) gewesen, den Westen in Schwierigkeiten zu bringen, sagte Baghai weiter. „Und es scheint, dass es diesmal wieder erfolgreich war, den diplomatischen Prozess zu beeinflussen.“

Seit rund zwei Monaten verhandelten Washington und Teheran über das umstrittene Atomprogramm - zuletzt jedoch ohne Fortschritte. Für Sonntag war eigentlich eine neue Gesprächsrunde angesetzt. Auch nach Ausbruch des Kriegs äußerte sich Irans Außenminister, der die Verhandlungen für Teheran führt, bislang weder mit einer Zusage noch einer Absage.

Mit Blick auf die vom Vermittler Oman verkündete Gesprächsrunde sagte Baghai laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna: „Es ist weiterhin unklar, welche Entscheidung wir diesbezüglich am Sonntag treffen werden.

Guterres fordert beide Seiten zur Deeskalation

In Teheran gingen in der Nacht Dutzende Menschen auf die Straße, um die militärische Reaktion ihres Landes zu bejubeln. Einige schwenkten Nationalflaggen und skandierten und Anti-Israel-Parolen.

Nach Angaben des iranische Botschafter bei der UNO, Amir Irawani, wurden bei dem israelischen Angriff am Freitag 78 Menschen getötet und 320 weitere verletzt. UN-Generalsekretär António Guterres forderte beide Seiten zur Deeskalation auf. „Genug der Eskalation. Es ist Zeit, aufzuhören. Frieden und Diplomatie müssen die Oberhand gewinnen“, schrieb er am späten Freitagabend im Onlinedienst X.

Auslöser der Vergeltungsangriffe

Den iranischen Vergeltungsangriffen war am Freitagmorgen ein israelischer Großangriff auf militärische Ziele im Iran vorausgegangen, darunter in der Hauptstadt Teheran, in der zentralen Provinz Isfahan sowie in anderen Teilen des Landes. Die Angriffe richteten sich nach israelischen Angaben gegen das iranische Atomprogramm, Militäranlagen sowie ranghohe Militärs und Atomwissenschaftler. Bei den Angriffen wurden unter anderen die Chefs der iranischen Armee und der mächtigen Revolutionsgarden sowie nahezu die gesamte Führungsspitze der Luftwaffe der Revolutionsgarden getötet.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach von „einem der größten Militäreinsätze“ in der Geschichte seines Landes. Er rief die Menschen im Iran in einer Videobotschaft dazu auf, sich gegen das „böse und unterdrückerische Regime“ in Teheran zu erheben.

Israel begründete seinen „Präventivschlag“ gegen den Iran mit dem weit fortgeschrittenen iranischen Atomprogramm. Geheimdienstinformationen hätten Beweise dafür geliefert, dass Teheran inzwischen „Uran auf militärisches Niveau anreichern“ und „innerhalb kurzer Zeit eine Atomwaffe“ bauen könne.

Das iranische Atomprogramm war nach Angaben aus London auch Thema eines Telefonats zwischen dem britischen Premierminister Keir Starmer und US-Präsident Donald Trump. Beide seien sich dabei über „die Bedeutung der Diplomatie und des Dialogs“ einig gewesen, teilte die Downing Street am Freitag mit. Starmer habe zudem „die große Besorgnis des Vereinigten Königreichs über die iranischen Atomprogramme“ bekräftigt.

Westliche Staaten werfen dem Iran seit Jahren vor, an Atomwaffen zu bauen. Teheran bestreitet die Vorwürfe. Ende Mai war ein Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) öffentlich geworden, wonach der Iran seinen Bestand von auf 60 Prozent angereichertem Uran in den vergangenen drei Monaten stark erhöhte. Für den Bau von Atomwaffen wird ein Anreicherungsgrad von etwa 90 Prozent benötigt.

Israel sieht sich seit Jahrzehnten vom Iran in seiner Existenz bedroht. Der Iran spricht Israel seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 das Existenzrecht ab. Im April 2024 hatte der Iran Israel erstmals direkt von seinem Staatsgebiet aus mit mehr als 300 Raketen und Drohnen attackiert. Teheran unterstützt mehrere islamistische Milizen in der Region, darunter die Hamas im Gazastreifen, die Hisbollah im Libanon und die Huthis im Jemen.