14-Jähriger in U-Haft
: Verdacht auf Terror von rechts – Polizei nimmt fünf Jugendliche fest

Sie nennen sich „Letzte Verteidigungswelle“. Mutmaßliche Rechtsextremisten sollen Anschläge auf Geflüchtete geplant haben. Besonders schockieren: Die Verdächtigen sind zwischen 14 und 18 Jahre alt.
Von
dpa
Berlin
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Mutmaßliche rechte Terrorzelle: Junge Männer festgenommen: 21.05.2025, Mecklenburg-Vorpommern, Neubukow: Polizei durchsucht Räume im Gebäude "Altes Postamt". Der Generalbundesanwalt geht gegen junge Männer vor, die einer mutmaßlichen rechtsextremen Terrorzelle angehören sollen. Bei einer Polizei-Aktion gegen eine Vereinigung, die sich selbst «Letzte Verteidigungswelle» nennt, werden am frühen Morgen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Hessen fünf Verdächtige festgenommen. Sie sollen nach Angaben der Karlsruher Behörde 14 bis 18 Jahre alt sein. Foto: Bernd Wüstneck/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Polizei durchsucht am 21.5. Räume im Gebäude „Altes Postamt“ in Neubukow in Mecklenburg-Vorpommern. Die Aktion steht in Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen fünf Jugendliche, die einer rechtsextremen Terrorzelle angehört oder zumindest mit ihr sympathisiert haben sollen.

Bernd Wüstneck/dpa
  • Ermittlungen gegen rechtsextreme Terrorzelle „Letzte Verteidigungswelle“.
  • Fünf Verdächtige zwischen 14 und 18 Jahren in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Hessen festgenommen.
  • Geplante Anschläge auf Geflüchtete und politische Gegner.
  • Durchsuchungen in Sachsen und Thüringen, drei weitere Personen in Untersuchungshaft.
  • Gegründet im April 2024, Ziel: Zusammenbruch des demokratischen Systems in Deutschland.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Vorwürfe wiegen schwer, doch noch erschreckender scheint das junge Alter der Beschuldigten: Die Bundesanwaltschaft ist am frühen Mittwochmorgen in mehreren Bundesländern gegen eine mutmaßliche rechte Terrorgruppe vorgegangen. Fünf Verdächtige ließ die oberste Strafverfolgungsbehörde festnehmen. Sie sind zwischen 14 und 18 Jahre alt.

Ein erster Jugendlicher ist bereits in Untersuchungshaft. Der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof eröffnete dem 14-Jährigen einen Haftbefehl und setzte diesen in Vollzug, wie eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft mitteilte. Die vier Mitbeschuldigten sollten im weiteren Verlauf des Tages ebenfalls in Karlsruhe vorgeführt werden.

Verteidigung der „Deutschen Nation“?

Die Jugendlichen seien Mitglieder - in einem Fall Unterstützer - einer rechtsextremistischen Terrorvereinigung, die sich „Letzte Verteidigungswelle“ nennt, so der Vorwurf der Bundesanwaltschaft. Mit Brandanschlägen auf Asylbewerberheime und linke Einrichtungen wollte die Gruppe demnach das demokratische System der Bundesrepublik zum Zusammenbruch bringen. Sie verstehe sich als letzte Instanz zur Verteidigung der „Deutschen Nation“, heißt es in einer Mitteilung der Karlsruher Behörde.

An den Festnahmen und Durchsuchungen waren den Angaben zufolge mehr als 220 Polizeibeamte von Bundeskriminalamt (BKA) und Bundespolizei sowie Polizeikräfte aus Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Mittelhessen beteiligt.

Brandanschläge in Brandenburg und Thüringen

Drei brutale Anschläge und Anschlagspläne rechnet die Bundesanwaltschaft der Gruppe zu. Teils sollen sie von den jüngst Festgenommenen geplant oder begangen worden sein, teils von drei weiteren Beschuldigten, die schon in Untersuchungshaft sitzen. Es geht um einen Brandanschlag auf ein Kulturhaus in Altdöbern im Süden Brandenburgs, einen versuchten, aber erfolglosen Anschlag auf ein Asylbewerberheim in Schmölln in Thüringen und Anschlagspläne für eine Asylunterkunft im brandenburgischen Senftenberg.

Rechtsextremismus: ARCHIV - 18.01.2025, Nordrhein-Westfalen, Aachen: Ein Teilnehmer einer rechtsextremen Kundgebung trägt schwarze Springerstiefel mit weißen Schnürriemen, einem weit verbreitetem Symbol der rechten Szene. (zu dpa: «Mutmaßliche rechte Terrorzelle: Junge Männer festgenommen») Foto: Christoph Reichwein/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Springerstiefel sind bei Mitgliedern rechter Gruppierungen beliebt, wie auf diesem Archivbild, das bei einer rechtsextremen Kundgebung in Aachen entstand. (Symbolfoto)

Christoph Reichwein/dpa

Der Anschlag in Senftenberg konnte wohl dank Hinweise eines Reporterteams von „stern“/RTL verhindert werden. Im Februar hatten Ermittler in Sachsen nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Dresden eine Wohnung und eine weitere Immobilie durchsucht und dabei Sprengstoff in Form von zwei Kugelbomben, Schlagringe, Einhandmesser, Munition, Schreckschuss- und Softairwaffen gefunden. Ein 21-jähriger Deutscher wurde festgenommen. Die Recherchen des Reporterteams halfen auch bei der Aufklärung des Anschlags auf das Kulturhaus in Altdöbern.

Richter entscheidet über Untersuchungshaft

Die fünf am Mittwoch Festgenommenen wurden laut Bundesanwaltschaft in Mecklenburg-Vorpommern (Wismar und Landkreis Rostock), Brandenburg (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) und Hessen (Lahn-Dill-Kreis) gefasst. Die Polizei durchsuchte dort ebenso wie in Sachsen (Landkreis Leipzig) und Thüringen (Landkreis Altenburger Land und Ilm-Kreis) insgesamt 13 Objekte.

Alle Jugendlichen sollten noch im Laufe des Tages nach Karlsruhe gebracht und dort dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt werden. Dieser entscheidet, ob sie in Untersuchungshaft kommen. Bis auf einen sind alle Beschuldigten Minderjährige. Aufgrund ihres Alters müssen einige von ihnen mit ihren Eltern vor dem Ermittlungsrichter in Karlsruhe erscheinen.

Zeitgleich zu den Maßnahmen der Bundesanwaltschaft durchsuchten rund 100 Polizeikräfte im Zusammenhang mit Ermittlungen zu einer rechtsextremen Chatgruppe junger Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sechs Objekte in den Landkreisen Nordwestmecklenburg und Rostock. In der Gruppe sollen mehrere Menschen rechtsextreme Inhalte ausgetauscht und zu Straftaten aufgerufen haben, wie das Landeskriminalamt (LKA) mitteilte. Bei den Beschuldigten handelt es sich den Angaben zufolge mehrheitlich um Heranwachsende und vereinzelt um Jugendliche.