Eklat im Berliner Abgeordnetenhaus: Grüne lachen bei Rede zu getötetem Polizisten

Im Berliner Abgeordnetenhaus ist es am Donnerstag bei einer Rede zum getöteten Polizisten zu einem Eklat gekommen.
dpaIm Berliner Abgeordnetenhaus haben Zwischenrufe und Lacher von Grünen-Abgeordneten am Donnerstag für Furore und Entsetzen gesorgt. Insbesondere die Sprecherin der Fraktion für Antidiskriminierung, Tuba Bozkurt, musste sich in der Folge erklären und entschuldigte sich sowohl bei den Anwesenden als auch bei den Angehörigen des in Mannheim getöteten Polizisten Rouven L.
Dem Bericht des Tagesspiegels zufolge, der als erstes über den Zwischenfall berichtete, hielt Innensenatorin Iris Spranger (SPD) eine Rede zu dem Vorfall in Mannheim am vergangenen Freitag, bei dem ein 25-jähriger Afghane den Polizisten getötet hatte, und gedachte darin dem Verstorbenen. Auf die Frage eines Abgeordneten zu den Folgen des islamistischen Anschlags, sagte Spranger: „Der schreckliche Tod von Mannheim zeigt uns natürlich...“ - Dann rief eine Frauenstimme dazwischen: „Mannheim ist tot?“ - gefolgt von „Lachen bei den Grünen“, wie aus dem vorläufigen Plenarprotokoll hervorgeht.
Nach Zwischenrufen der Grünen: Entsetzen bei Polizei-Beamten
Darin steht auch, dass Spranger weiter sprach: „Ich würde darüber nicht lachen. Da oben sitzen Kolleginnen und Kollegen.“ Sie verwies auf Polizeibeamte, die als Zuschauer auf der Tribüne saßen. Laut dem Bericht des Tagesspiegel sollen sich diese erschrocken umgesehen haben. Laut Protokoll, hätten SPD, CDU und AfD Sprenger für ihre Reaktion applaudiert. Dem Tagesspiegel zufolge sagte Spranger weiter: „Ich hoffe, dass nicht nur Sie als Abgeordnete der Grünen-Fraktion mir da zustimmen, dass auch die Sicherheit der Sicherheitskräfte an erster Stelle steht, wenn solche Messer-Angriffe sind.“
Die Grünen-Fraktion wurde in der Folge für ihr Verhalten im Abgeordnetenhaus kritisiert. Nachdem der Fall in der Öffentlichkeit bekannt wurde, setzten die Berliner Grünen auf der Plattform X einen Tweet mit einer Entschuldigung ab, in dem es heißt: „Dieser Zwischenruf war falsch. Wir werden dies in der Fraktion aufarbeiten. So etwas wird sich nicht wiederholen. Die uneingeschränkte Anteilnahme unserer Fraktion gilt dem getöteten Polizisten Rouven L., seiner Familie und seinen Kolleg*innen.“
Grünen-Chef Nouripour: „Ein solches Verhalten ist unanständig“
Auch der Grünen-Chef Omid Nouripour meldete sich in der Folge auf X zu Wort und teilte mit: „Richtig, dass ihr das aufarbeitet. Ein solches Verhalten ist unanständig. Ich entschuldige mich im Namen meiner Partei bei den Angehörigen von Rouven L. dafür. Wenn die Familie eines Mordopfers am Grabe steht, gibt es nichts zu lachen.“
Grünen-Abgeordnete entschuldigt sich bei Angehörigen
Am späten Abend wendete sich auch Tuba Bozkurt selbst an die Öffentlichkeit und die Angehörigen des Verstorbenen: „Ich möchte für meinen Zwischenruf im Abgeordnetenhaus um Entschuldigung bitten. Er war pietätlos und unanständig und ich bereue ihn zutiefst. Die Angehörigen, Freund:innen und Kolleg:innen von Rouven L., die ich damit verletzt habe, bitte ich aufrichtig um Entschuldigung.“
Rouven L. war am vergangenen Freitag in Mannheim gestorben, nachdem er versucht hatte, einen aus Afghanistan stammenden Angreifer, zu stoppen. Der Mann verletzte mit einem Messer neben dem Polizisten noch weitere Personen. An diesem Freitag, 07. Juni, findet um 11.34 Uhr eine bundesweite Schweigeminute statt.

