Bidens Entscheidung: Ein letzter Dienst an Land und Partei


US-Präsident Joe Biden hat angekündigt, sich nicht erneut um das Amt des Präsidenten zu bewerben. Er hat sich dem Willen seiner Partei und ihrer Unterstützer gebeugt.
LOGAN CYRUS/AFPDen richtigen Zeitpunkt zu erkennen, ist manchmal das Schwierigste in der Politik. Selbst so ein erfahrener, mit allen Wassern gewaschener Profi wie Joe Biden hat es nicht geschafft. Er, der seinen gesundheitlichen Zustand kannte, wollte trotzdem ein zweites Mal antreten und sich für das schwerste und mächtigste Amt der Welt bewerben, der Präsidentschaft der Vereinigten Staaten. Erst nach langen Monaten der Zweifel in seiner Partei und erst nachdem er sein Alter und die damit verbundenen Beeinträchtigungen nicht mehr vor der Öffentlichkeit verbergen konnte, wurde sein Zustand zu einem Thema. Das erste TV-Duell mit seinem Herausforderer Donald Trump wurde zu einem Desaster. Und selbst dann wollte Biden es nicht einsehen.
Eines Besseren besonnen
Jetzt hat sich Biden eines Besseren besonnen. Es ist ein letzter Dienst an Land und Partei. Seine Entscheidung fiel spät, die Frage lautet nun, ob sie vielleicht doch noch rechtzeitig gefallen ist. Wer immer der neue Präsidentschaftskandidat der Demokraten wird – vieles spricht für Vize-Präsidentin Kamala Harris – hat es schwer, in der verbliebenen Zeit noch genügend Momentum aufzubauen, um vor allem die Menschen in den wichtigen Swing-States zu überzeugen.
Schien das Rennen nach dem gescheiterten Attentatsversuch gegen Trump beinahe mit Sicherheit verloren, gibt es nun wieder so etwas wie den Hauch einer Chance für die Demokraten. Die Wahl ist noch nicht entschieden, die Amerikaner können ihr Schicksal in der Wahl selbst bestimmen.
