Für Präsident Donald Trump handelte es sich um die letzte Chance vor der US-Wahl, im direkten TV-Duell mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden verlorenen Boden wiedergutzumachen. Durchaus überraschend war der Präsident für seine Verhältnisse sachlich und diszipliniert. Zwar fehlte es nicht an Tatsachenverzerrungen. Etwa, dass seine Regierung im Kampf gegen die Corona-Pandemie zwei Millionen Leben gerettet oder Biden dreieinhalb Millionen Dollar von Moskau erhalten habe. Beides umso gewagtere Behauptungen, wenn man bedenkt, wie lange Trump seinen Kenntnisstand über die Gefahren des Virus verschwieg und dass ausgerechnet er es ist, der seine Steuererklärungen geheim hält.

In normalen Zeiten geben die TV-Debatten selten den Ausschlag

Endlich traten diesmal aber jene faktischen Differenzen in den Vordergrund, zwischen denen sich die Wähler entscheiden müssen. Trump zeichnete Biden als Sozialisten, der Steuern erhöhen, das Gesundheitssystem verstaatlichen, der Wirtschaft mit Aufsichtsregeln Fesseln anlegen und fossile Energieträger abschaffen will. Biden zog seinerseits eine nüchterne Bilanz der Trump Ära. Der Präsident habe das Land tief gespalten, mit seinem Schmusekurs gegenüber autoritären Regimes die nationale Sicherheit aufs Spiel gesetzt und mit der Verharmlosung der Pandemie Menschenleben auf dem Gewissen.
Es kann sein, dass der Auftritt Trump dennoch hilft, weil bei ihm die Latte so niedrig liegt, dass er diesmal angenehm überraschte. Gleichwohl gilt – jedenfalls in normalen Zeiten – die Faustregel, dass die Debatten in der Endabrechnung selten den Ausschlag geben.