Maradi / Elisabeth Zoll  Uhr
Hirse allein reicht nicht zur Versorgung von Kindern. Das erleben die Ärzte im Krankenhaus von Maradi Tag für Tag. Sie kämpfen um jedes Leben.

Der Ansturm wird kommen. Möglicherweise wird sich der Kinderarzt Sonley Adamou gerade in diesen Wochen an die ruhigen Tage im Frühling zurücksehnen, als in der Kinderstation des Regionalkrankenhauses in Maradi einmal nicht jedes Bett belegt war. Wochen später, wenn die Ernte des Vorjahres aufgebraucht ist und mit den ersten Regengüssen Malariamücken über Kinder und Erwachsene herfallen, weiß das Team um den Kinderernährungsspezialisten oft nicht mehr wohin mit allen Patienten. Die Betten sind dann doppelt belegt, nicht selten auch die Matten auf den Fußböden.

„Kinder groß und stark machen“ – Dieses Motto verfolgt Unicef in Niger. Dort will das Kinderhilfswerk eine Wasserleitung bauen. Die SWP möchte dabei gerne helfen – und braucht ihrerseits eure Unterstützung.

Der Klimawandel zeigt sich in Afrika zuallererst an Babys und kleinen Kindern. Derzeit leidet etwa jedes zweite Kind unter fünf Jahren (etwa zwei Millionen) an chronischer Unter- und Mangelernährung und damit an einem erhöhten Sterberisiko. Auch ohne Dürren und Überschwemmungen rangiere die Situation in Niger auf Notfallniveau, heißt es beim Kinderhilfswerk Unicef.

Viele Mütter kommen zu spät ins Krankenhaus

Viele Kleinkinder sterben an Durchfall, Lungenentzündungen oder Malaria – Krankheiten, die bei rechtzeitiger Behandlung nicht zum Tode führen müssten. Doch den Menschen in Niger fehlt oft das Wissen – und nicht selten das Geld für ein Busticket, um ein Krankenhaus oder eine Gesundheitsstation zu erreichen.

„Viele Mütter kommen viel zu spät zu uns“, sagt Adamou. So wie Halima Mussa mit ihrem zwei Monate alten Kind. Der Junge passt auf die Fläche zweier Hände. Seine Haut spannt sich um die dünnen Knochen. 1,5 Kilo wog das Kind bei seiner Geburt. Es hat noch nicht viel zugenommen. Auch die 16-jährige Mutter ist unterernährt. Wegen Entzündungen der rechten Brust kann sie ihr Kind kaum stillen. Ob der Kleine überlebt, ist ungewiss. Der zwölfmonatige Abdul Rashid im Bett nebenan hat es dagegen geschafft. Seit wenigen Tagen nimmt er Plumpynut, eine besonders nahrhafte Paste aus Erdnüssen, Öl, Zucker, Milchpulver und Vitaminen zu sich. Sie hat dem kleinen Kerl Kraft gegeben – und auch den lebensbedrohlichen Durchfall gestoppt.

Unterernährte Kinder, die oft an weiteren Erkrankungen leiden, gehören zum Alltag von Dr. Adamou. „Mütter stillen oft nicht lange genug. Stattdessen geben sie ihrem Kind viel zu früh mit Wasser angerührten Hirsebrei.“ Der bläht die kleinen Bäuche auf. Selbst als Nahrung für etwas ältere Kinder taugt er nur bedingt. Wichtige Nährstoffe fehlen. „Früher gab es auch in unserer Region Wald, Wild, Beeren und Pflanzen“, sagt Dr. Adamou. Das garantierte Abwechslung beim Essen und Vitamine.

Fruchtbare Böden fehlen

Damit ist es vielerorts vorbei. Die Rodung großer Flächen zur Brennholzgewinnung hat die Bodenerosion nicht nur in Niger befördert. Starker Wind und zum Teil auch Starkregen setzen der spärlich vorhandenen Humusschicht weiter zu. Mit den fruchtbaren Erdschichten ist vielerorts auch das Wissen über den Anbau von Gemüse und Kräutern verschwunden. Deshalb schult Unicef Freiwillige, die altes Wissen in Dörfern neu vermitteln. So wie in Guidan Bara.

Über dem offenen Feuer bereiten Helferinnen zusammen mit den Frauen des Ortes in zwei großen Töpfen Brei für Babys und Kleinkinder zu. Immer wieder wird das mit Gemüse versetzte gräuliche Mus probiert. Der Kochkurs zeigt Wirkung. „Unter- oder mangelernährte Kinder sieht man in unserem Dorf nur noch selten“, sagt Rabi Abdou Malam, die Gesundheitshelferin der Gemeinde. Noch ist es nicht überall so weit.