Italien Italien: Aufmarsch in „Auschwitzland“-T-Shirt

Predappio / Bettina Gabbe 30.10.2018

Italienische Neofaschisten haben den Jahrestag der Machtübernahme von Benito Mussolini mit einem Aufmarsch in dessen Geburtsort Predappio in der Nähe von Rimini gefeiert. Eine Teilnehmerin trug dabei ein den Holocaust verharmlosendes T-Shirt mit dem Schriftzug „Auschwitzland“. Der Aufdruck, der  an eine Werbung für einen Vergnügungspark im Stil von Disneyland  erinnerte, sorgt in Italien für Empörung.

Der Senator Francesco Laforgia von der oppositionellen Partei „Links und gleich“ forderte Innenminister Matteo Salvini auf, zu klären, ob der Fall unter das das Verbot der Verherrlichung des Faschismus falle. Der Schriftzug auf ihrem T-Shirt sei nur „schwarzer Humor“, erklärte dagegen die Trägerin Selene Ticchi. Sie hatte im vergangenen Jahr in der kleinen Gemeinde Budrio vergeblich für eine neofaschistische Splitterpartei als Bürgermeisterin kandidiert.

Der Partisanenverband ANPI forderte bei der Feier zum gleichzeitigen Jahrestag der Befreiung Predapppios vom Faschismus ein Verbot derartiger T-Shirts. „Man  scherzt nicht mit  Millionen Toten“, betonte der regionaler ANPI-Vertreter Miro Gori.

Edda Negri Mussolini, Enkelin von Benito Mussolini, hatte am Wochenende vor der Familienkrypta rund 2000 Neofaschisten erwartet, die zum Jahrestag des Marschs auf Rom von 1922 angereist waren. „Das hier sind ganz normale Leute, die Schlange stehen, um meiner Familie die Ehre zu erweisen“, sagte sie. Mit Ideologie habe deren Gebaren nichts zu tun. Viele Teilnehmer kauften anschließend in den Souvenirläden des Ortes Andenken mit Symbolen des Faschismus und Nationalsozialismus ein.

Junge Männer hatten sich bei dem Aufmarsch mit für den italienischen Faschismus typischen Schwarzhemden oder in T-Shirts mit der Aufschrift „Ehre dem Duce“ gezeigt. Eine Mutter steckte ihren kleinen Sohn sogar in die Uniform der früheren faschistischen Jugendorganisation Balilla. Anders als bei früheren Demonstrationen bekundeten einige Teilnehmer auch, sich von Italiens Regierung vertreten zu fühlen. Vize-Regierungschef Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Lega erntet mit ausländerfeindlichen Parolen und der Schließung von Häfen für Migranten offenbar Sympathien unter Neofaschisten. Er bedient sich überdies gern Mussolinis Motto „Viel Feind, viel Ehr“.

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