Die Jubiläumszahl 56 ist ein wenig krumm geraten. Schuld daran ist die zähe Regierungsbildung in Deutschland vergangenes Jahr, die auch die Pflege alter Freundschaften vorübergehend lähmte. Nun wird also zum 56. Jahrestag des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags ein neues Partnerschaftsabkommen unterzeichnet. Der alte Elysée-Vertrag bekommt mit dem neuen Aachener Vertrag sozusagen eine moderne Ergänzung. Es ist dabei durchaus eine freundliche Geste der Franzosen, dass sie zugestimmt haben, die Zeremonie in Deutschland auszurichten. Wobei Aix-la-Chapelle wegen der Karlspreisverleihung im vergangenen Jahr bei Präsident Emmanuel Macron ohnehin in guter Erinnerung sein dürfte.

Europapolitikern kommt es angesichts des Brexit-Chaos derzeit besonders auf die Signalwirkung an: „Deutschland und Frankreich gehen zusammen in die richtige Richtung auf dem pro-europäischen Weg und lassen sich nicht verwirren, während die Briten keine Idee mehr haben für die EU“, sagte der langjährige EU-Abgeordnete Elmar Brok dieser Zeitung.

Basis für Entscheidungen

Der 16 Seiten umfassende Vertrag soll die Basis für ganz konkrete Entscheidungen sein. Von einem „politischen Werkzeugkasten für praktische Politik“ ist in der Bundesregierung die Rede. Einige dieser Fortschrittspläne bringen die Populisten innerhalb der französischen Opposition in Wallung, etwa die Vereinbarungen zur Außen- und Sicherheitspolitik. „Die Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland als ständiges Mitglied des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen ist eine Priorität der deutsch-französischen Diplomatie“, heißt es in dem Abkommen. Das ist auch aus deutscher Sicht etwas überraschend, weil Kanzlerin Angela Merkel (CDU) noch vergangenen Sommer vorgeschlagen hatte, mittelfristig „europäische Sitze“ im UN-Sicherheitsrat zu entwickeln. Die französische Rechtsaußenpolitikerin Marine Le Pen verbreitete nun sogar die Verschwörungstheorie, der Vertrag gefährde Frankreichs Sonderstellung in der Welt, weil  Macron bereit sei, den ständigen Sitz Frankreichs im Sicherheitsrat mit Deutschland zu teilen.