Jahrelang war er der Mann im Hintergrund, jetzt ist er Gesicht und Stimme Deutschlands bei den Vereinten Nationen. Für Christoph Heusgen (63) ging mit der Entsendung als deutscher Botschafter nach New York ein Traum in Erfüllung. Dort muss er nun seinerseits Wünsche und Erwartungen erfüllen.

Deutschland hat sich viel vorgenommen für seine zweijährige Mitgliedschaft. Heusgen ist Profi genug, um zu wissen, dass sich nicht alle Ziele umsetzen lassen und die Welt nicht mit einer gewonnenen Abstimmung ein besserer Ort wird. Dass es bei der Lösung von Konflikten oft nur millimeterweise voran geht und es mitunter mehr Rückschläge als Erfolge hagelt, hat der gebürtige Düsseldorfer im Laufe seiner langen Karriere oft genug erlebt.

Die Grundlagen für seine beruflichen Erfolge legte er an Universitäten in der Schweiz, in den USA und in Frankreich. Danach trat er in den Auswärtigen Dienst ein und arbeitete um die Jahrtausendwende für den EU-Außenpolitiker Javier Solana. Dort sammelte er nicht nur Erfahrung in Krisenmanagement aller Art, sondern auch Telefonnummern und Kontakte in alle Welt.

Er bleibt fast immer gelassen

Womöglich ist es sein rheinischer  Optimismus, der dafür sorgt, dass Heusgen erstens fast immer gelassen und freundlich auftritt, und dass er sich zweitens mit einer gewissen Lust auch in  schwierigste Verwicklungen stürzt. Unerschütterlich widmete er sich – sobald es die Weltlage erlaubte – etwa seinem Steckenpferd Transnistrien. Was wie ein Name aus einem Fantasy-Spiel klingt, bezeichnet eine abtrünnige Region der Republik Moldau und einen der vielen eingefrorenen Konflikte, mit denen Russland versucht, die Ostausdehnung der EU in Schach zu halten. Diesen Knoten aufzudröseln, ist Heusgen bisher  nicht gelungen.

Zwölf Jahre lang – so lange wie keiner in dieser Funktion – hat Heusgen Kanzlerin Angela Merkel in Fragen der Außenpolitik beraten, ehe er 2017 nach New York wechselte. Leiter der Abteilung 2, lautete im Kanzleramt seine offizielle Arbeitsplatzbeschreibung. De facto aber war er, vor allem zu Beginn ihrer Amtszeit, Merkels Welterklärer – und ihr Mann für alle internationalen Konfliktfälle.