Die Afroamerikaner könnten bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem republikanischen Präsidenten Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden für den Ausgang der Wahl am 3. November entscheidend sein. Das hat einmal mit ihrer politischen Orientierung zu tun. Etwa neun von zehn Afroamerikanern schenken ihre Stimme normalerweise demokratischen Kandidaten. Vor allem aber hat ihre Beteiligung an dieser Wahl bereits in den Wochen vor dem offiziellen Termin neue Rekordhöhen erklommen.
Ausschlaggebend für dieses historische Engagement ist eine Tragödie, der Tod des Afroamerikaners George Floyd am 9. Juni. Er starb, nachdem ein weißer Polizist fast neun Minuten lang auf seinem Hals gekniet hatte, weil der 46-Jährige eine gefälschte Banknote benutzt haben soll.

Wähler über Einschüchterungs-Taktiken aufklären

In den darauffolgenden Monaten kam es in etlichen US-Städten zu größtenteils friedlichen Demonstrationen. Zugleich nutzten politische Aktivisten die wieder auflebende Bewegung „Black Lives Matter“ (BLM), die sechs Jahre zuvor nach der Tötung des schwarzen Teenagers Trayvon Martin  entstanden war, um neue Wähler zu mobilisieren.
So heftet das  Aktionskomitee „The Collective“ den Slogan „Building Black Political Power“ an seine Fahnen. Die Organisation will afroamerikanische Kandidatinnen und Kandidaten fördern und die Wahlbeteiligung unter Schwarzen erhöhen. Gründer Quentin James erzählt, man habe BLM-Kundgebungen im ganzen Land genutzt, um die Handynummern von Demonstranten zu sammeln. Danach schickte man den Demo-Teilnehmern Nachrichten aufs Handy mit Informationen oder auch Einladungen zu Versammlungen.  Dort klärten zum Beispiel Mitarbeiter des „Collective“  Wähler über Einschüchterungstaktiken auf, mit denen Republikaner versuchen würden, Menschen vom Urnengang abzuhalten.

Hohe Wahlbeteiligung unter Afroamerikanern ist wichtig für Joe Biden

„Keine Wahl war in unserer Geschichte wichtiger als diese“, sagt James. Das Ergebnis am 3. November werde „maßgeblichen Einfluss auf die künftige Gestaltung der Justiz haben. Darauf, ob Polizisten nach Belieben Gewalt gegen unbewaffnete Schwarze einsetzen können oder es für die Übergriffe tatsächlich strafrechtliche Konsequenzen gibt“.
Inwieweit das Engagement von Aktivisten wie James  Früchte trägt, wird sich Anfang November zeigen. Im Jahr 2012, als sich Barack Obama und der Republikaner Mitt Romney gegenüberstanden, gaben zwei Drittel aller als Wähler registrierten Afroamerikaner ihre Stimme ab. 2016 sank der Anteil auf 60 Prozent. Gelingt es aber mit den Mobilisierungskampagnen dieses Jahr die Quote auf 70 Prozent zu steigern, hätte Biden glänzende Chancen, der nächste US-Präsident zu werden.