Attentat in den USA
: Die Schüsse auf Donald Trump und die Folgen

Auf den republikanischen US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump ist ein Attentat verübt worden. Wie es in den Vereinigten Staaten nun weitergeht.
Von
Peter DeThier
Washington
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Wahlkampf in den USA - Trump in Butler: 14.07.2024, USA, Butler: Der republikanische Präsidentschaftsbewerberund frühere US-Präsident Donald Trump wird von Agenten des US-Geheimdienstes Secret Service umringt, als ihm bei einer Wahlkampfveranstaltung von der Bühne geholfen wird. Trump wurde während des Wahlkampfes attackiert. Auf Videoaufnahmen der Veranstaltung in der Stadt Butler waren Knallgeräusche zu hören. Trump fasste sich daraufhin ans Ohr und duckte sich dann weg. Sicherheitspersonal rannte auf die Bühne und schirmte ihn ab. Foto: Gene J. Puskar/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Donald Trump wird nach dem Attentat in Butler (US-Bundesstaat Pennsylvania) von der Bühne geführt. Deutlich erkennbar: das blutige Ohr. Ein Schütze hatte bei der Wahlkampfveranstaltung mehrmals auf ihn und in die Menge seiner Anhänger gefeuert. Ein Mann starb, der Schütze würde getötet.

Gene J. Puskar/AP/dpa

In der Kleinstadt Butler, 50 Kilometer nordöstlich der Stahlmetropole Pittsburgh im Swing State Pennsylvania, hatte die Wahlveranstaltung an diesem heißen Samstagnachmittag völlig normal begonnen. Der ehemalige US-Präsident und republikanische Spitzenkandidat Donald Trump am Podium, die übliche rote Baseball-Kappe mit der Aufschrift „Make America Great Again“ auf dem Kopf. Im Hintergrund jubelnde Anhänger, die Schilder hochhalten, auf denen in Anlehnung an Trumps frühere TV-Serie „The Apprentice“ („Der Lehrling“), die Worte stehen „Joe, Du bist gefeuert!“.

Plötzlich knallt es mehrmals. Ein Notarzt im Publikum sagt anschließend, er habe geglaubt, dass es sich um Knallfrösche gehandelt hätte. Doch dann greift sich der Kandidat ans Ohr, geht in die Knie und versteckt sich hinter dem Podium. Panik im Publikum. Sicherheitskräfte des Secret Service zerren den Republikaner binnen weniger Sekunden von der Bühne. Es waren keine Knallfrösche; es war ein Attentat auf den Präsidentschaftskandidaten.

Trump ruft nach den Schüssen: „Kämpft! Kämpft! Kämpft!“

Im Getümmel sind Trumps Worte zu hören, die Agenten sollten noch warten, „bis ich meine Schuhe angezogen habe“. Dann ballt er mit blutüberströmtem Ohr die Faust und schreit seinen geschockten Anhängern zu: „Kämpft! Kämpft! Kämpft“. Bald danach bestätigen seine Berater, dass der Ex-Präsident in Sicherheit ist und keine schweren Verletzungen erlitten habe.

Bei dem Angriff sei jedoch ein Zuschauer gestorben, zwei weitere seien verletzt worden und befänden sich in einem kritischen Zustand. Bei den Opfern handelt es sich laut Polizei in Pennsylvania um erwachsene Männer. Abgefeuert hatte der Schütze die Schüsse offenbar von einem „höher gelegen Gebäude“ außerhalb des abgesperrten Rasens, auf dem die Veranstaltung stattfand.

Wahlkampf in den USA - Trump in Butler - Vor dem Vorfall: 13.07.2024, USA, Butler: Eine Menschenmenge wartet darauf, dass der republikanische Präsidentschaftsbewerber und ehemalige US-Präsident Trump spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania. Foto: Gene J. Puskar/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Ort des Geschehens: Die Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania, bevor die Schüsse fielen.

Gene J. Puskar/AP/dpa

Laut US-Sendern identifizierte die US-Bundespolizei FBI den mutmaßlichen Täter als den 20-jährigen Thomas Matthew Crooks aus Bethel Park in Pennsylvania. Der Schütze sei „neutralisiert“ worden. Mehrere Augenzeugen gaben an, sie hätten ihn vor dem Attentat gesehen und die Behörden alarmiert. Die Polizei erklärte, sie habe „auf eine Reihe von Berichten über verdächtige Aktivitäten reagiert“. Zu Erkenntnissen über ein mögliches Motiv gab es keine Informationen. Das FBI und andere Sicherheitsbehörden suchen nun mit Hochdruck nach Antworten auf diese Frage.

„Sie werden im Prinzip seine Biografie unter die Lupe nehmen, sie werden rausfinden, wie in den letzten fünf bis zehn Jahren seine psychische Verfassung war, was er gemacht hat, was er vorhatte, ob er zur Schule ging“, sagte Ermittlungsexperte Steve Moore im US-Sender CNN. Sie würden auch seine Religion, seine Finanzen und seine gesamten Online-Aktivitäten und alle weiteren relevanten Aspekte seines Lebens genau unter die Lupe nehmen. Die „New York Times“ und die „Washington Post“ berichteten übereinstimmend, dass der Mann im Wählerverzeichnis als Republikaner registriert war. Es soll aber mindestens einmal auch an die Demokraten gespendet haben.

Nach dem Anschlag wächst die Angst vor weiteren Gewalttaten im Wahlkampf. Vertreter von Trumps Republikanischer Partei betonten dennoch, dass der Nominierungskonvent für die Präsidentschaftskandidatur in Milwaukee am Montag wie geplant über die Bühne gehen wird. Der Secret Service, das FBI und das für Schusswaffen zuständige Bureau of Alcohol, Tobacco and Firearms (ATF) wollen die Sicherheitsvorkehrungen allerdings massiv verstärken.

Republikaner machen Demokraten für die Gewalt verantwortlich

Die Schüsse dürften die Spannungen in den zutiefst gespaltenen USA vor der Wahl am 5. November weiter anheizen. Senator J.D. Vance, einer der Favoriten, um Trumps Kandidat für die Vizepräsidentschaft zu werden, schrieb, dass die Kampagne von US-Präsident Joe Biden „auf der Annahme beruht, Trump sei ein autoritärer Faschist, den es zu stoppen gilt; solche Worte haben direkt zu dem Anschlag geführt“.

Auch nahm die Partei das Attentat zum Anlass, um für weitere Spenden zu werben. Das wiederum schürte Spekulationen, wonach der Anschlag womöglich inszeniert worden sei. Diese Gerüchte wiesen die Sicherheitsbehörden aber kategorisch zurück. Führende Demokraten distanzierten sich von politischen Implikationen. Biden wünschte seinem Gegner prompt eine rasche Genesung und betonte, dass in den USA kein Platz für Gewalt während einer politischen Kampagne sei.

Umstrittene Tatwaffe

Ermittler haben nach dem Attentat ein halbautomatisches Gewehr vom Typ AR-15 sichergestellt. Es ist die zivile Ausführung des Militär-Sturmgewehrs M16. Anders als bei der militärischen Version ist mit dem AR-15 kein Dauerfeuer möglich.

Es kostet um die 1.000 US-Dollar und wurde immer wieder bei „mass shootings“ genutzt. Es ist daher besonders umstritten. Die AR-15-Gewehre waren einige Jahre verboten, sind aber seit 2004 wieder frei erhältlich.

Befürworter argumentieren, Millionen Amerikaner schätzten das AR-15 als Jagdgewehr, zur Selbstverteidigung oder für die Nutzung auf Schießständen.

Währenddessen beginnen die Spekulationen, inwiefern das Attentat Trump im Rennen um das Präsidentschaftsamt nutzen wird. „Was in Pennsylvania passiert ist, wird sich definitiv auf die endgültige Wahl auswirken und garantieren, dass jeder Trump-Wähler tatsächlich wählen wird“, erklärte der US-Demoskop Frank Luntz auf „X“. Bei Biden oder anderen Kandidaten sei dies nicht der Fall. „Diese Beteiligungslücke beträgt mindestens ein und bis zu zwei Prozent“, so Luntz. Die Schüsse auf Trump würden Folgen haben, die der Schütze wohl nicht beabsichtigt habe.