Zahlreiche Proteste gegen Festnahme
: Mehr als 400 Aktivisten von abgefangener Gaza-Flotte festgenommen

Nach dem Abfangen einer Hilfsflotte auf dem Weg zum Gazastreifen durch Israel sind israelischen Angaben zufolge mehr als 400 Aktivisten festgenommen worden.
Von
dpa/afp
Jerusalem
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Nahost-Konflikt - Global Sumud Flotilla

Israelisches Militär auf einem der Schiffe der Global Sumud Flotilla.

Uncredited/Global Sumud Flottilla/dpa
  • Israel stoppt Gaza-Hilfsflotte, über 400 Aktivisten festgenommen, darunter Greta Thunberg.
  • Proteste in vielen Städten, z. B. 15.000 in Barcelona, 10.000 in Rom, Hunderte in Dublin und Berlin.
  • Israel nennt Hilfsflotte „Provokation“, Aktivisten werfen Völkerrechtsbruch und Kriegsverbrechen vor.
  • Türkische Regierung verurteilt Einsatz, nennt ihn „Akt des Terrors“ in internationalen Gewässern.
  • Weiterer Konflikt: Israel greift Gazastreifen an, mindestens 37 Tote laut palästinensischen Angaben.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die israelische Marine hat im Mittelmeer eine propalästinensische Gruppe privater Segel- und Motorboote kurz vor dem Gazastreifen gestoppt. Spezialeinheiten enterten rund 40 Boote der Global Sumud Flotilla und nahmen insgesamt mehr als 400 Besatzungsmitglieder aus Dutzenden Ländern in Gewahrsam. Unter ihnen ist auch die schwedische Aktivistin Greta Thunberg.

Auf Videobildern war zu sehen, wie maskierte israelische Soldaten mit Schnellfeuergewehren im Anschlag vor Aktivisten stehen, die Schwimmwesten angelegt haben und ihre Hände hoch halten.

Israel setzte zugleich trotz des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur seine Angriffe im Gazastreifen fort. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben mindestens 37 Menschen getötet. Allein neun Tote habe es bei israelischem Beschuss einer Station für die Ausgabe von Lebensmitteln in Chan Junis im Süden des abgeriegelten Gebiets gegeben. Diese Angaben können derzeit nicht unabhängig überprüft werden.

Israel spricht von „Provokations-Yachten“

„Keine der Provokations-Yachten von Hamas und Sumud (Arabisch für Standhaftigkeit) war bei dem Versuch erfolgreich, in ein aktives Kampfgebiet einzudringen oder die rechtmäßige Seeblockade zu durchbrechen“, schrieb das israelische Außenministerium auf der Plattform X. Über Verletzte wurde nichts bekannt.

Aktivisten werfen Israel Verstoß gegen Völkerrecht vor

Die Trägerorganisation der Aktion warf Israel einen Bruch des Völkerrechts und Kriegsverbrechen im Gazastreifen vor. Ein „friedlicher, gewaltfreier Konvoi, der Lebensmittel, Babynahrung und Medikamente“ zum Gazastreifen bringen sollte, sei gewaltsam und illegal in internationalen Gewässern gestoppt und die Teilnehmer seien „entführt“ worden, stand in einer auf Telegram verbreiteten Mitteilung der Organisatoren. Auf X sprachen Unterstützer von „Piraterie“.

Die Aktivisten würden sich weiterhin dafür einsetzen, die als illegal bezeichnete Blockade des Gazastreifens durch Israel zu durchbrechen und den Israel vorgeworfenen Völkermord im Gazastreifen zu beenden, hieß es weiter. Israel hat bereits in der Vergangenheit bestritten, einen Genozid zu begehen.

Israel: Alle sicher und wohlauf

Israel versicherte, alle Teilnehmer der Flottille seien wohlauf und bei guter Gesundheit. „Sie sind auf dem sicheren Weg nach Israel, von wo aus sie nach Europa abgeschoben werden“, teilte das Außenministerium in Jerusalem mit. Was mit den gestoppten Booten und den Hilfsgütern an Bord geschehen würde, war zunächst unklar. Das Angebot Israels, die Hilfsgüter zu einem israelischen Hafen zu bringen und dann auf dem Landweg in den Gazastreifen hatten die Aktivisten abgelehnt.

Ein Boot wurde als ganz dicht vor dem Gazastreifen angezeigt

Zu einem Boot der Flottille, der „Mikeno“ unter der Flagge Frankreichs, gab es gegensätzliche Angaben. Ein von den Sumud-Aktivisten betriebener Schiffsortungsdienst im Internet zeigte die Position des Segelbootes nur wenige Kilometer vor der Küste des Gazastreifens an, was einige propalästinensische Aktivisten im Internet schon als erfolgreiche „Durchbrechung der Seeblockade“ bezeichneten.

Die Organisation räumte ein, dass der Kontakt zu dem Boot abgebrochen sei. Die israelische Armee wies die Angaben zur Position des Bootes zurück und sprach von einem Fehler bei der Schiffsortung, wie die Zeitung „Times of Israel“ berichtete.

Zwei Boote der Flottille drehten Richtung Norden ab und entgingen der Militäraktion. Ein viertes Boot, ein Nachzügler, befand sich noch weit entfernt vom Gazastreifen. Sollte es seinen Kurs fortsetzen, werde es ebenfalls abgefangen, warnte das Außenministerium in Jerusalem.

Türkische Regierung verurteilt Militäreinsatz gegen Flotte

Die türkische Regierung verurteilte den israelischen Militäreinsatz. „Der Angriff der israelischen Streitkräfte in internationalen Gewässern gegen die Global Sumud Flotilla, die humanitäre Hilfe zu den Menschen im Gazastreifen bringen wollte, stellt einen Akt des Terrors dar, der gegen das Völkerrecht verstößt und das Leben unschuldiger Zivilisten in Gefahr bringt“, hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums.

Proteste am Donnerstagabend

In mehreren Städten in verschiedenen Ländern protestierten am Donnerstag zahlreiche Menschen gegen das Stoppen der Hilfsflotte durch Israel. In Barcelona gingen nach Polizeiangaben rund 15.000 Menschen auf die Straße. In Dublin protestierten mehrere hundert Menschen vor dem irischen Parlament.

In Paris versammelten sich rund 1000 Menschen, in Rom gingen nach Polizeiangaben 10.000 Menschen auf die Straße. Auch in Berlin, Den Haag, Tunis, Brasília und Buenos Aires gab es nach Angaben von AFP-Reportern Proteste.

In der Flotte waren mehrere Prominente mitgereist, darunter die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, ein Enkel des südafrikanischen Ex-Präsidenten Nelson Mandela, Mandla Mandela, und die französisch-palästinensische Europaabgeordnete Rima Hassan.

Nahostkonflikt - Barcelona: 02.10.2025, Spanien, Madrid: Ein pro-palästinensischer Demonstrant schwenkt eine palästinensische Fahne während einer Demonstration in Madrid in Solidarität mit der Global Sumud Flotilla, nachdem die Schiffe von der israelischen Marine abgefangen wurden. Foto: Bernat Armangue/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein pro-palästinensischer Demonstrant schwenkt eine palästinensische Fahne während einer Demonstration in Madrid in Solidarität mit der Global Sumud Flotilla.

Bernat Armangue/AP/dpa