Raubtiere Wolf soll in Polen Kinder gebissen haben

Eigentlich ein scheues Tier: der Wolf.
Eigentlich ein scheues Tier: der Wolf. © Foto: dpa
Przyslup / Jens Mattern 28.06.2018

In Polen soll ein Wolf zwei Kinder angefallen haben, sie liegen im Krankenhaus, meldet der Sender TVN24. Die Angriffe ereigneten sich demnach im ostpolnischen Bieszczady-Gebirge. Ein Mädchen (8) und ein Junge (10) sollen am Dienstagabend in die Beine gebissen worden sein. Die Kinder hätten sich einige hundert Meter voneinander entfernt beim Dorf Przyslup befunden. Jäger sollen das Tier mit Genehmigung des Umweltschutzministeriums erschossen haben, sagt die Polizei. Bei dem Wolf wird geprüft, ob es sich um ein gesundes Tier handelte. Bereits vor zwei Wochen sei eine Touristin von vermutlich dem gleichen Wolf gebissen worden, hieß es.

Der Fall heizt die Diskussion in Polen wieder an – soll man die Wölfe nicht endlich schießen? Landwirte und die Jägerlobby sind dafür. Das Tier ist seit 1998 geschützt. Katarzyna Sikora vom Jägerverband meint dagegen: „Wölfe sollten geschossen werden, es gibt zu viele. Sie haben die Scheu vor Menschen verloren.“

Allein in der Region um das Bieszczady-Gebirge, das an Slowakei und Ukraine grenzt, sollen knapp 700 Wölfe leben, die das Problem von freilaufenden Hunden im Wald auf ihre Art gelöst hätten. Nach Angaben des Umweltamts in Rzeszows sind diese von ihren wilden Verwandten gefressen worden. Die letzte offizielle Zahl des Umweltministeriums von 1484 Exemplaren aus dem Jahr 2015 gilt als überholt.

Nach Meinung des Tierschutzvereins WWF Polska darf der Wolf nicht geschossen werden, nur in Notwehr. „Das Tier ist geschützt, es fürchtet normaler­weise den Menschen“, so Pressesprecherin Katarzyna Karpa-Swiderek. Es gebe eine natürliche Selektion in der Natur. Der Verband will sich nun stärker mit Landwirten und Viehzüchtern auseinandersetzen, um eine Koexistenz zu ermöglichen. Am 4. Juli ist ein Treffen an der deutschen Grenze geplant.

Der polnische Staat zahlt Landwirten, die Kälber oder Schafe durch Canis lupus verloren haben, eine Entschädigung, doch die liegt unter dem Wert der Tiere. Allein im vergangenen Jahr meldeten Betroffene in der wolfreichen Region „Ermland und Masuren“ einen Schaden von 100 000 Zloty (23 000 Euro).

Monitoring ist kompliziert

Seit 2016  läuft ein Monitoring-Projekt von Wölfen und Luchsen in Polen, dessen Kosten über 690 ­000 Euro größtenteils von der EU getragen wurden. Die Anzahl der Tiere soll 2020 vorliegen. Leicht zu errechnen ist das nicht – der Wolf wandert gern. Noch vor Einführung des Schengen-Abkommens schwamm Isegrimm über Oder und Neiße auf deutsches Terrain. mat

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