Zwei Millionen Menschen sollen ab Januar 2023 eine zusätzliche Möglichkeit zur Entlastung erhalten: Mit dem Wohngeld Plus wird die Berechtigung auf Unterstützung vom Staat ausgeweitet. Bisher waren nach Regierungsangaben rund 600.000 Menschen in Deutschland wohngeldberechtigt. Die Beträge, die die Bezieher erhalten, sollen sich im Durchschnitt mehr als verdoppeln. Der derzeitige Durchschnittsbeitrag steigt damit von 180 Euro pro Monat auf 370 Euro.
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Wann kommt das neue Wohngeld?

Am 1.1.2023 geht das neue Wohngeld an den Start. Allerdings wird es Wochen oder sogar Monate dauern, bis die Anträge für das neue Wohngeld dann durch sind. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen warnt bei der Umsetzung der Wohngeld-Reform vor einer Überlastung der Ämter zu Beginn des neuen Jahres. „Da droht zum Jahresanfang ein Ämter-Chaos, so dass Menschen wochen- oder sogar monatelang auf die Bearbeitung und Auszahlung warten müssten“, sagte Verbandschefin Ramona Pop der „Welt“. Als Grund nannte sie die Ausweitung des Wohngeldes und der Heizkostenzuschüsse für niedrige Einkommensgruppen.
Kurz vor Weihnachten kündigte das Bauministerium aber an, dass es ein vereinfachtes Verfahren geben soll, um schnell an das Geld zu kommen. Wie das Ministerium erklärte, kann das Wohngeld künftig grundsätzlich auch per Telefon oder formloser E-Mail beantragt werden. Mit vereinfachter Prüfung könne es auch vorläufig ausgezahlt werden. Damit können Antragsteller schon vom Geld profitieren, während der Antrag noch geprüft wird.

Wohngeld: Wer ist ab 2023 Wohngeldberechtigt?

Wohngeld bekommen aktuell Menschen mit kleinem Einkommen, die aber keinen Anspruch auf Bürgergeld haben. Im Jahr 2020 erhielten laut Statistischem Bundesamt 618.165 Haushalte Wohngeld. Das waren 1,5 Prozent aller privaten Haushalte in Deutschland, die Hauptwohnsitz sind. Mit dem Wohngeldrechner der Regierung kann man herausfinden, ob man aktuell berechtigt ist und wie viel Geld man theoretisch bekommen könnte. Wenn man Anspruch hat, muss man einen Antrag bei seiner kommunalen Wohngeldbehörde stellen.
Ob man wohngeldberechtigt ist, hängt von einer komplizierten Rechnung ab - eine einfach zu merkende Einkommensschwelle gibt es nicht. Das dürfte ein Grund sein, warum bisher lange nicht alle Haushalte, die ein Recht darauf hätten, auch Wohngeld beantragt haben. Faktoren in der Rechnung sind Einkommen, Miete, Haushaltsgröße und Wohnort. Ob man Wohngeld bekommen könnte, kann man online mit dem Wohngeld-Rechner des Ministeriums ausrechnen lassen.
Menschen, die bereits Sozialleistungen wie die Grundsicherung oder Sozialhilfe erhalten, können kein Wohngeld beantragen. Denn bei ihnen sind Unterkunftskosten schon in diesen Leistungen berücksichtigt. Hilfe beantragen können aber auch Eigentümer, die ihre Wohnung selbst nutzen. Sie können den Wohnzuschuss bekommen, wenn sie wegen eines zu geringen Einkommens laufende Kosten nicht tragen können.
Ab Januar 2023 soll der Kreis der Berechtigten erweitert werden. Rentner und Rentnerinnen sollen wohl dauerhaft Anspruch auf Wohngeld erhalten. Die Details dazu werden noch erarbeitet – es ist also noch nicht klar, wie genau die wohngeldberechtigten ab 2023 erfasst werden.

Heizkostenzuschuss für Wohngeldberechtigte: 415 Euro

Als kurzfristige Maßnahme für die Heizperiode soll zudem von September bis Dezember 2022 einmalig ein weiterer Heizkostenzuschuss an die Bezieherinnen und Bezieher von Wohngeld gezahlt werden. Danach werde der Zuschuss für die Wohngeldberechtigten dauerhaft in das Wohngeld integriert. Bisher wird die Kaltmiete bezuschusst, künftig die Warmmiete. „Er beträgt einmalig 415 Euro für einen 1-Personen-Haushalt“, so das Ergebnispapier des Koalitionsausschusses der Ampel zum dritten Entlastungspaket. 540 Euro seien es für zwei Personen; für jede weitere Person seien es zusätzliche 100 Euro.

Wohngeld soll insgesamt erhöht werden

Das Wohngeld soll sich im Zuge der vom Bund geplanten Reform im Schnitt verdoppeln. Die Anhebung werde im Jahr 2023 voraussichtlich zu einer durchschnittlichen Erhöhung um rund 190 Euro pro Monat führen, heißt es in dem Gesetzentwurf von Bundesbauministerin Klara Geywitz. Der derzeitige Durchschnittsbeitrag steige damit von 180 Euro pro Monat auf 370 Euro.