Wirecard-Skandal: Flüchtiger Jan Marsalek soll in Moskau leben

Ein Fahndungsaufruf nach Jan Marsalek, Ex-Vertriebsvorstand des 2020 kollabierten Dax-Konzerns Wirecard.
picture alliance/dpa Daniel BockwoldtDer ehemalige Wirecard-Vorstand Jan Marsalek ist nach Jahren auf der Flucht offenbar in Moskau enttarnt worden. Ein Rechercheverbund um Spiegel, ZDF und die russische Plattform The Insider will den Ex-Manager in der Nähe der FSB-Zentrale identifiziert haben.
Wer ist Jan Marsalek?
Jan Marsalek, geboren 1979 in Österreich, galt lange als Shootingstar des Dax-Konzerns Wirecard. Seit 2000 war er im Unternehmen tätig, ab 2010 als Vorstand mit Fokus auf das Asiengeschäft. Nach der spektakulären Insolvenz von Wirecard im Juni 2020, einem der größten Finanzskandale in der Geschichte der Bundesrepublik, tauchte Marsalek unter. Gegen ihn laufen Ermittlungen wegen Bandenbetrugs, schwerer Untreue und weiterer Wirtschaftsdelikte.
Spuren führen nach Moskau
Laut den Recherchen halten sich Marsalek seit Jahren in Russland auf. Journalisten wollen ihn nun in Moskau aufgespürt haben – teils mit Fotos, die ihn in Anzug und Krawatte beim Betreten der FSB-Zentrale an der Lubjanka zeigen. Zwischen Januar und November 2024 sei sein Mobiltelefon 304-mal in der Nähe des Gebäudes erfasst worden.
Arbeit für den russischen Geheimdienst
Quellen in Moskau sollen bestätigt haben, dass der ehemalige Wirecard-Vorstand für den russischen Inlandsgeheimdienst FSB tätig sei. Dafür spricht auch, dass er unter einer Scheinidentität mit russischem Pass auftrete – als „Alexander Michaelowitsch Nelidov“. Zudem deuten Datenanalysen auf Reisen in die Ostukraine und nach Mariupol hin, also in russisch besetzte Kriegsgebiete.
Leben im Verborgenen
Die Recherchen legen nahe, dass Marsalek sich nicht allein in Moskau bewegt. Häufig sei er in Begleitung der 41-jährigen Übersetzerin Tatiana Spiridonova gesehen worden, mit der er regelmäßig Zeit in ihrem Apartment im Stadtzentrum verbringe.
International gesucht – aber sicher in Russland?
Seit seinem Verschwinden im Jahr 2020 wird Marsalek per internationalem Haftbefehl gesucht. Der Weg führte ihn offenbar über Belarus nach Russland, wo er seither Schutz durch staatliche Stellen genießt. Für westliche Behörden bleibt die Auslieferung des mutmaßlichen Milliardenbetrügers deshalb nahezu aussichtslos.

