Wilde Flamingos in NRW: Ja, es gibt sie wirklich! Hier kann man die Exoten live sehen

Wilde Flamingos in Deutschland: Wer hätte das gedacht? In Nordrhein-Westfalen kann man sie tatsächlich in freier Natur beobachten. Wo genau das möglich ist und wieso sie überhaupt dort sind. (Symbolbild)
Doreen MatschukFlamingos in Deutschland? Das ist kein Scherz! Sie haben sich vor Jahren hier angesiedelt und leben den Sommer über in Mitteldeutschland, genauer in Nordrhein-Westfalen. Wie es dazu kam und wo man sie beobachten kann.
Flamingos in Deutschland: Ein rosa Naturwunder mitten in NRW
Bist du auch extra nach Afrika, Süd- und Mittelamerika oder Asien gereist, um Flamingos zu sehen? Das hättest du schneller und günstiger in Deutschland haben können und das in freier Natur! Aber der Reihe nach.
Mitten im Münsterland, im Naturschutzgebiet Zwillbrocker Venn, lebt und brütet die nördlichste Flamingo-Kolonie der Welt – ein authentisches Naturschauspiel weit entfernt von Zoo-Gehegen. Schon in den frühen 1980er Jahren siedelten sie sich hier an. Heute umfasst die Kolonie regelmäßig rund 50 bis 60 Vögel mit einem Rekord von nahezu 100 Exemplaren und über 20 Brutpaaren im Jahr 2025.
Ein außergewöhnlicher Lebenszyklus: Flamingos im Münsterland
Die Flamingos kehren jährlich zwischen Februar/März und September ins Venn zurück, um zwischen April und Juni zu brüten. Ihre Ankunft markiert den Eintritt in die Balzzeit. Im Mai oder Juni schlüpfen die ersten Jungvögel. Im Juli/August flügge geworden, bereiten sie sich mit der erwachsenen Kolonie auf den Abzug in die Winterquartiere vor, welche meist das Volkerakmeer oder IJsselmeer in den Niederlanden sind.
Vielfalt und Herkunft der Flamingos
In der Kolonie leben mehrere Flamingoarten: vor allem Chileflamingos, Rosa‑ und Kubaflamingos. Hybridbruten sind dokumentiert, etwa zwischen Rosa- und Kubaflamingo sowie Chile‑ und Rosa‑Formen. Laut vogelundnatur.de sind die genauen Ursprünge der Tiere ungeklärt. Wahrscheinlich handelt es sich um entlaufene Individuen aus Tierhaltungen oder Zoos. Rosa‑Flamingos könnten zusätzlich aus wildlebenden Populationen aus dem Mittelmeerraum stammen.
Warum das Venn zum Flamingo-Magnet wird
Das Zwillbrocker Venn bietet den Flamingos ideale Bedingungen. Rund um die Flamingoinsel gibt es flaches Gewässer mit reichlich Plankton und bietet somit ausreichend Nahrung für die Kolonie. Es werden mittlerweile sogar Schutzmaßnahmen getroffen, wie die Errichtung eines Elektrozaunes, der Füchse von den Nestern fernhält.
Bisher konnten auch keine negativen Folgen für die umliegende Natur festgestellt werden. Somit schaden die exotischen Vögel auch nicht unserem Ökosystem.
Hier kann man die Flamingos im Münsterland sehen
Es gibt einen 6 Kilometer langen Rundweg, der durch den Zwillbrocker Venn führt. Es befinden sich Infotafeln, Bänke, überdachte Hütten und Aussichtstürme entlang des Weges. Es wird empfohlen, ein Fernglas mitzunehmen, da die Flamingos geschützt werden und somit etwas weiter weg sind.
Es werden auch Touren von der Biologische Station Zwillbrock angeboten. Weitere Informationen zu den Flamingos und den Tourangeboten findet man auf der Homepage der Biologische Station Zwillbrock.