Wetterextreme
: El Nino 2026 - Was bedeutet er für Deutschland?

Im Pazifik entwickelt sich ein außergewöhnlich starkes Wetterphänomen. Welche Folgen das für Deutschland haben könnte.
Von
Matthias Kemter
Stuttgart
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Schneebedeckte Fahrräder im dichten Schneetreiben: ARCHIV - Wer wegen winterlicher Straßenverhältnisse nicht zur Arbeit erscheint, erhält für die ausgefallene Zeit keinen Lohn: Das Wegerisiko liegt bei den Beschäftigten. (zu dpa: «Winterchaos auf dem Arbeitsweg: Was für Beschäftigte gilt») Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

El Niño 2026 könnte das Wetter in Deutschland beeinflussen. Lesen Sie, warum Meteorologen eher indirekte Folgen erwarten und was das für den Winter 2026/27 bedeuten könnte.

Rolf Vennenbernd/dpa-tmn/dpa

Im Pazifik bahnt sich nach aktuellen Prognosen eines der stärksten El-Nino-Ereignisse seit Beginn der Aufzeichnungen an. Seinen Höhepunkt könnte das Ereignis im Spätherbst oder Frühwinter 2026 erreichen. Auch wenn die direkten Auswirkungen vor allem im Pazifikraum, in Amerika, Asien, Australien und Teilen Afrikas deutlich stärker ausfallen, rückt das Thema auch in Deutschland in den Fokus.

Wie El Niño das Wettergeschehen verändert

Ein El Nino entsteht, wenn die Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlichen Pazifik deutlich über dem Normalwert liegen, während andere Bereiche des tropischen Pazifiks vergleichsweise kühler ausfallen. Dadurch verschieben sich Niederschlagszonen und Gewitteraktivität. Über dem zentralen und östlichen Pazifik bilden sich vermehrt hochreichende Gewitterwolken, bei deren Entstehung große Mengen latenter Wärme in die Atmosphäre gelangen. Diese zusätzliche Wärme kann die tropische Zirkulation verändern und über großräumige atmosphärische Prozesse auch Wetterabläufe in höheren Breiten beeinflussen.

Warum Deutschland nur indirekt betroffen ist

Für Deutschland und Europa ist das Signal eines starken El Nino deutlich schwächer als für Regionen rund um den Pazifik. Die Auswirkungen zeigen sich vor allem indirekt über Veränderungen der atmosphärischen Zirkulation. Dazu zählen mögliche Verschiebungen bei Lage und Stärke des Jetstreams, die im Winterhalbjahr das Wetter in Europa mitprägen können. Je stärker ein El-Nino-Ereignis ausfällt, desto größer kann grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit solcher Wechselwirkungen sein. Zugleich ist der Zusammenhang laut DWD nicht linear und von Ereignis zu Ereignis unterschiedlich.

Was im Winter 2026/27 möglich ist

Studien deuten darauf hin, dass ein starkes El-Nino-Ereignis im Verlauf des Winters die Wahrscheinlichkeit für Veränderungen des stratosphärischen Polarwirbels erhöhen kann. Bei früheren Ereignissen trat zudem häufiger eine negative Phase der Nordatlantischen Oszillation auf. Eine solche Konstellation kann Kaltlufteinbrüche nach Europa begünstigen und damit auch das Wetter in Deutschland beeinflussen. Gleichzeitig warnt der DWD, daraus direkt auf einen kalten Winter zu schließen. Ein starkes El Nino allein reicht dafür nicht aus. Ob es tatsächlich zu einer markanten Störung des Polarwirbels kommt, hängt auch von weiteren Faktoren ab, wie zum Beispiel die Quasi-Biennale-Oszillation, die arktische Meereisbedeckung, die solare Aktivität und die regionalen Meeresoberflächentemperaturen im Atlantik.

Zunächst oft mild und nass

Interessant ist, dass Beobachtungen vergangener El-Nino-Ereignisse im Frühwinter oft eher auf mildes und niederschlagsreiches Wetter in Mittel- und Westeuropa hindeuten. Ursache kann eine verstärkte Westwindzirkulation sein. Dabei gelangt vergleichsweise milde und feuchte Atlantikluft nach Europa. Auch Deutschland kann von diesem Muster erfasst werden, vor allem in der frühen Phase des Winters. Allerdings ist auch dieses Szenario nicht verlässlich bei jedem El-Nino-Ereignis zu beobachten. Intensität und räumliche Ausdehnung unterscheiden sich von Fall zu Fall. Deshalb kann ein ähnlich starkes Ereignis in verschiedenen Jahrzehnten unterschiedlich auf Europa und damit auch auf Deutschland wirken.

Was sich daraus für Deutschland ableiten lässt

Für Deutschland bedeutet El Nino 2026 nach derzeitigem Stand vor allem eines. Die Wahrscheinlichkeit bestimmter Wetterlagen im Winterhalbjahr könnte sich verschieben, eine eindeutige Vorhersage ist daraus aber nicht ableitbar. Möglich sind zunächst mildere und feuchtere Witterungsphasen. Ebenso können sich später Konstellationen entwickeln, die Kaltlufteinbrüche begünstigen. Wie stark dieser Einfluss tatsächlich ausfällt, ist aktuell noch nicht adäquat prognostizierbar. Damit bleibt El Nino 2026 für Deutschland ein wichtiges Klimasignal, aber kein verlässlicher Winterfahrplan. Wer wissen will, ob der Winter mild, nass oder kalt ausfällt, muss neben dem Pazifik auch die weiteren großräumigen Wetter- und Meeresbedingungen im Blick behalten.