Wenn Monogamie nicht reicht
: Warum viele nach mehr suchen

Zahlreiche Menschen in Deutschland stellen Monogamie infrage. Doch was steckt wirklich hinter dem Wunsch nach einer offenen Beziehung?
Von
David Hahn
Berlin
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3D Isometrische flache konzeptionelle Illustration von Polyamorie, nicht monogame Beziehungbr3D Isometric Flat Conceptual Illustration of Polyamory, Nonmonogamous Relationship 3D Isometric Flat Conceptual Illustration of Polyamory, Nonmonogamous Relationship 3D Isometric Flat Conceptual Illustration of Polyamory, Nonmonogamous Relationship Copyright: xZoonar.com/AnastasiiaxTorianykx 22905222

Weshalb sehnen sich Menschen nach offenen Beziehungen?

IMAGO/Zoonar

Offene Beziehungen polarisieren. Für die einen ist das Konzept ein No-Go, für andere das ehrlichste Modell der Liebe. Eine Umfrage von Civey im Auftrag von watson zeigt: Das Beziehungsmodell findet dabei nicht nur bei Jüngeren Anklang. Auch bis in das hohe Alter können sich viele Deutsche vorstellen, in einer festen Partnerschaft einvernehmlich auch mit anderen zu schlafen. Welcher Wunsch steckt dahinter?

Partnerschaft und Beziehung: Mehrheit für Monogamie

Rund 72 Prozent der Befragten gaben an, sich eine offene Beziehung nicht vorstellen zu können. Die große Mehrheit in Deutschland hält somit an der klassischen Zweierbeziehung fest. 18 Prozent hingegen ziehen sie als eine mögliche Alternative zur Monogamie in Betracht, weitere 10 Prozent sind unentschieden. Damit zeigt sich: Die klassische Partnerschaft ist zwar weiterhin der Standard, aber es gibt einen Anteil, der sich nach mehr Freiheit sehnt. Ein Unterschied zeigt sich zwischen den Geschlechtern: 22 Prozent der Männer könnten sich laut der Umfrage eine offene Beziehung vorstellen, aber nur 14 Prozent der Frauen.

Junge Menschen experimentierfreudiger

Besonders stark ausgeprägt ist die Offenheit laut der Umfrage bei den 18- bis 29-Jährigen: 26 Prozent dieser Altersgruppe können sich vorstellen, in einer offenen Beziehung zu leben. Bei älteren Befragten sinkt der Anteil leicht. Allerdings findet das Beziehungsmodell auch dort Anklang. 16-19 Prozent der 30-64-jährigen würden gegebenenfalls eine offene Beziehung in Betracht ziehen. Bei 15 Prozent der Befragten Ü65 stoßen offene Beziehungen auf Interesse. Auch beim Beziehungsstatus zeigen sich Unterschiede: Ledige und Geschiedene sind mit 23 Prozent offenen Beziehungen gegenüber aufgeschlossener als Verheiratete oder Verwitwete (15 Prozent).

Warum Menschen offene Beziehungen wollen

Die Motive für offene Beziehungen sind vielschichtig. In der Umfrage von Civey bekamen vor allem die folgenden Auswahlmöglichkeiten die größte Zustimmung:

  • 32 Prozent nannten die Lust auf Neues.
  • 28 Prozent wollen sich sexuell ausprobieren.
  • 11 Prozent verstehen sich als polyamorös.
  • Ganze 39 Prozent verwiesen jedoch auf andere Gründe und 20 Prozent gaben an, sie wüssten sich es nicht bzw. trafen dazu keine Aussage.

Warum viele bei Monogamie bleiben

Bei der Frage nach den Gründen gegen eine offene Beziehung sagten 59 Prozent, sie seien in ihrer monogamen Beziehung glücklich. Weitere 5 Prozent nannten Partner:innen, die nicht offen dafür wären, oder schlicht Unsicherheit, da sich 2 Prozent der Befragten nicht trauen würde. 25 Prozent verwiesen auf andere Gründe an und 19 Prozent machten keine Angabe oder wussten nicht warum.