Weltweites Computerchaos: IT-Störung legt Flughäfen, Banken und Kliniken lahm

Weltweite IT-Ausfälle - Flugverkehr am BER eingestellt
Christoph Soeder/dpaComputerprobleme führen weltweit zu weitreichenden Störungen. In Deutschland mussten unter anderem die Flughäfen Berlin und Hamburg zu Ferienbeginn zeitweise den Betrieb einstellen. Auch in anderen Ländern wurde laut Medienberichten neben dem Luftverkehr auch der Betrieb von Banken und Krankenhäusern gestört.
Medienberichten zufolge wurde als Auslöser ein Fehler in einem Programm-Update der IT-Sicherheitsfirma Crowdstrike vermutet. Unter anderem führte ein Energieunternehmen in Australien die Probleme darauf zurück. Crowdstrike sprach in einer Mitteilung an die Kunden von Problemen, wie die Technologie-Website „The Verge“ schrieb.
Der Fehler bei Crowdstrike habe wiederum Software von Microsoft gestört, berichteten Medien wie der Finanzdienst Bloomberg. Der Software-Riese meldete zuvor Probleme mit seinem Cloud-Service 365.
Universitätsklinikum sagt Operationen ab
In den USA stoppte die Luftfahrtaufsicht FAA Flüge von Airlines wie United, American und Delta. Der europäische Billigflieger Ryanair sprach ebenfalls von Problemen. In Norddeutschland sagte das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Operationen ab.
Mit der Konzentration in der Software-Industrie passiert es immer wieder, dass zahlreiche Unternehmen von Problemen bei einzelnen Anbietern getroffen werden. So war zum Beispiel eine Cyberattacke auf den amerikanischen IT-Dienstleister Kaseya im Jahr 2021 bis nach Schweden zu spüren, wo die Supermarkt-Kette Coop fast alle Läden schließen musste.
Netzwerk-Störung: Stadt Pforzheim nur schwer erreichbar
Wegen Computer-Problemen ist die Pforzheimer Stadtverwaltung derzeit nur eingeschränkt erreichbar. Als Grund nannte die Stadt auf ihrer Internetseite eine Netzwerkstörung. Besonders betroffen von der Störung seien das Bürgerzentrum, die Ausländerbehörde und die KfZ-Zulassungsbehörde. Sowohl der E-Mail-Verkehr als auch die Telefonanlage seien gestört.
Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) sagte auf der Plattform Instagram: „Weltweit gibt es momentan eine echt große IT-Störung, auch wir haben extreme Netzwerkprobleme.“ Der Tag werde heute etwas sportlicher werden als sonst, so Boch.

Verzögerungen am Flughäfen Stuttgart
Bernd Weißbrod/dpaVerzögerungen an Flughäfen im Südwesten
Weil die Check-In-Systeme nicht funktionieren müssen Passagiere am Stuttgarter Flughafen und am Baden-Airpark längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Flugausfälle gibt es derzeit keine.
Australien beruft Krisensitzung ein
Die australische Regierung hat eine Krisensitzung einberufen. „Die australische Regierung arbeitet bei diesen sich entwickelnden Ausfällen eng mit dem National Cyber
Security Coordinator zusammen“, zitierte die Zeitung „Sydney Morning Herald“ einen Regierungssprecher.
Was ist alles betroffen?
Am sichtbarsten waren zunächst die Probleme im Luftverkehr. So musste der Flughafen in Berlin ausgerechnet zu Beginn der Ferienzeit den Betrieb aussetzen. Auch in Hamburg war der Flugverkehr massiv gestört. In den USA stoppte die Luftfahrtaufsicht FAA Flüge von Airlines wie United, American und Delta. In Norddeutschland sagten mehreren Kliniken geplante Operationen ab. In Großbritannien war ein System zur Buchung von Arztterminen im Gesundheitsdienst NHS lahmgelegt. Aber auch der britische Fernsehsender Sky News und die Londoner Börse London Stock Exchange kämpften mit Problemen.
Wo überall gibt es Störungen?
Probleme wurden neben Deutschland unter anderem aus den USA, Indien und Australien gemeldet.
War es eine Cyberattacke?
Nach ersten Erkenntnissen gibt es keine Hinweise darauf.
Wodurch kam es dann zu den Störungen?
Eine eindeutige Antwort darauf gab es zunächst nicht. In den ersten Stunden tasteten sich IT-Experten nur allmählich zur Ursache des Problems vor. Ein zentrale Theorie: Ein Auslöser könnte ein Fehler in einem Programm-Update der IT-Sicherheitsfirma Crowdstrike gewesen sein. Das wiederum habe Software unter anderem des Software-Riesen Microsoft gestört. Das jüngste Update werde gerade wieder zurückgenommen, sagte ein Crowdstrike-Sprecher dem US-Sender CNBC.
Wie lange wird es noch dauern?
Nach einigen Stunden gab es erste Zeichen, dass sich die Lage normalisiert.
Was macht Crowdstrike?
Die amerikanische Firma spielt eine zentrale Rolle beim Schutz gegen IT-Bedrohungen und sichert unter anderem Websites ab. Eines ihrer Produkte mit dem Namen Falcon dient dazu, bösartige Aktivitäten im Datenverkehr zu entdecken. Laut Medienberichten könnte ein fehlerhaftes Falcon-Update die Störungen ausgelöst haben.
Wie groß ist der finanzielle Schaden durch die Ausfälle?
Das dürfte sich erst nach Wochen oder Monaten abschätzen lassen. Denn neben den sofortigen Kosten könnten auch spätere Nachforderungen durch betroffene Kunden noch eine Rolle spielen. Die Aktie von Crowdstrike bekam die Probleme im vorbörslichen Handel mit einem Minus von zeitweise mehr als 20 Prozent zu spüren.
Wie kann es dazu kommen, dass Probleme bei einem Anbieter auf so breiter Front zu spüren sein können?
Ein Grund ist die Konzentration in der Tech-Industrie. Ein Service-Anbieter bedient oft tausende Unternehmen. Probleme bei ihm schlagen dann auf breiter Front durch. So haben in der Vergangenheit Fehler von IT-Sicherheitsfirmen schon Dutzende Websites auf einmal lahmgelegt.
Crowdstrike-Chef: Problem erkannt und behoben
Die weltweiten Computerprobleme haben den Luftverkehr schwer gestört. Die IT-Firma, die sie ausgelöst haben dürfte, gibt nun erste Entwarnung.
Der Fehler habe in einer Aktualisierung der Crowdstrike-Software für Windows-Computer gesteckt, schrieb Kurtz. Das Problem sei erkannt und behoben worden. Es seien keine Cyberattacke und auch kein Sicherheitsvorfall gewesen.
Scholz kündigt Erklärung der Sicherheitsbehörden an
Bundeskanzler Olaf Scholz hat eine Erklärung der Sicherheitsbehörden zu den weltweiten Computerproblemen angekündigt. „Es wird von den Sicherheitsinstitutionen Deutschlands in enger Abstimmung mit denen vieler anderer Länder der Welt dazu etwas gesagt werden“, sagte Scholz bei einer Pressekonferenz in Belgrad. „Da kann man auch beruhigt drauf warten.“ Er selbst habe derzeit „nichts Aktuelles“ zu den Problemen zu sagen.
Systeme laufen teilweise wieder
Auch große bayerische Konzerne sind von den weltweiten Computerproblemen betroffen. Auf Anfrage bestätigten dies Allianz, Siemens und BMW. Teilweise laufen Systeme aber bereits wieder.
Sprecher: Weltweite IT-Ausfälle treffen kritische Infrastruktur in Deutschland
Der Sprecher sagte, von den weltweiten IT-Ausfällen in zahlreichen Branchen seien auch Unternehmen in Deutschland betroffen, darunter Betreiber kritischer Infrastruktur. Zur kritischen Infrastruktur zählen unter anderem Energieversorger, Verkehr, die öffentliche Verwaltung, Krankenhäuser, Trinkwasser und Telekommunikation.
Betroffen waren am Freitag auch einige deutsche Kommunalverwaltungen. Ausfälle in Bundesbehörden habe es nicht gegeben, sagte ein BSI-Sprecher. Auch im Bundestag lief alles rund. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte, die Bundeswehr sei als Nutzerin der zivilen Infrastruktur des Flughafens Berlin Brandenburg nur indirekt betroffen.
