• Am 01.11.2021 ist Weltvegantag.
  • Das Angebot an rein pflanzlichen Produkten ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, nicht nur im Supermarkt.
  • Auch mehr und mehr Gaststätten springen auf den Trend „vegan“ auf.
  • Der Hersteller „Veganz“ hat eine repräsentative Umfrage zum Veganismus veröffentlicht – mit klaren Ergebnissen.
Im klassischen Wirtshaus besteht die Speisekarte meist zu 90 Prozent aus Fleischgerichten. Rippchen, Fleischwurst, Leberknödelsuppe – so sieht auch das Menü des Frankfurter Apfelweinlokals „Zum Eichkatzerl“ aus. Das Lokal macht erstmal einen sehr traditionellen Eindruck. Bis zu Seite 4, die unter verschiedenen Fleischgerichten auch ein „Veganes Frankfurter Schnitzel mit Grüner Soße und Bratkartoffeln“ aufführt. Solche rein pflanzlichen Lebensmittel suchte man bis vor wenigen Jahren in den alteingesessenen Gaststätten im Frankfurter Süden noch vergebens.
Was vor ein paar Jahren undenkbar war, wird zum Trend. Aber nicht ohne Grund: Die repräsentative Veganz-Ernährungsstudie mit über 5.300 Teilnehmer:innen aus ganz Europa kommt zu bemerkenswerten Ergebnissen. Fast 40% aller befragten Personen in Deutschland will künftig ihren Konsum von tierischen Lebensmitteln aufgrund vermehrter Klimakatastrophen senken.

Veganismus fürs Klima: Umwelt-Katastrophen befeuern Trend

Klimakatastrophen stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit der jungen Generationen dar. Heute geborene Kinder könnten siebenmal mehr Hitzewellen erleben als 1960 Geborene. Die Festlegung drastischer Emissionsreduzierungen auf der diesjährigen Weltklimakonferenz in Schottland sowie politisches und persönliches Handeln sind für unsere Zukunft unerlässlich. Die Erderwärmung schreitet voran, Klimakatastrophen sind an der Tagesordnung und Millionen Menschen werden aufgrund der Klima- und Hungerkrise fliehen müssen. Diesen Tatsachen stellen sich die Teilnehmer der diesjährigen Weltklimakonferenz in Schottland.

Ernährung ändern: Studie zum Weltvegantag am 01.11.21

Unsere tägliche Ernährung kann deutlich den Klimawandel beeinflussen, daher veröffentlicht Veganz pünktlich zum 1.11.2021 am Weltvegantag zum dritten Mal in Folge den Veganz Ernährungsreport, der die Ernährungsgewohnheiten Europas in den Blick nimmt.
In der aktuellen Studie wurde vor allem unter die Lupe genommen, inwiefern die vermehrten Klimakrisen in sechs europäischen Ländern für eine Veränderung im Konsumverhalten gesorgt haben und wie sich der flexitarische Trend innerhalb eines Jahres gewandelt hat. Der Report-Auszug für Deutschland zeigt bereits: Mit einer Zustimmung von 54,1% möchte mehr als die Hälfte der Nicht-Veganer:innen künftig weniger tierische Produkte verzehren. 93% der Flexitarier:innen und 70% der Omnivoren haben bereits vegetarische und vegane Ersatzprodukte probiert. Klimafreundliche Ernährung ist einer der größten Hebel der Konsumenten direkt ihre Emissionen zu beeinflussen und der Report zeigt, dass der Klimawandel unsere Ernährungskultur bereits heute grundlegend verändert.

Sojaschnitzel – vegane Alternativen im Wirtshaus

Das „Eichkatzerl“ existiert mindestens seit 140 Jahren, wie Junior-Chef Robin Böhm sagt. Seit etwa eineinhalb Jahren wartet das Lokal demnach auch mit knusprig panierten Schnitzeln aus Sojamehl auf – mit zunehmendem Erfolg. Etwa ein Viertel aller bestellter Schnitzel bestehe inzwischen aus Soja. Dazu hat Küchenchefin Claudia Voigt eine pflanzliche Variante der traditionellen Frankfurter Grünen Soße kreiert. Die werde auch gern von Menschen bestellt, die keine Milch verdauen könnten, erzählt sie.

Vegan im Trend bei jungen Menschen – Restaurants bieten pflanzliche Alternativen

Es sei zu beobachten, dass das Angebot vermehrt junge Menschen anziehe. „Ich finde das gut, damit die Apfelwein-Tradition weiterlebt“, sagt der Juniorchef. Er hatte sich ein Jahr lang vegan ernährt, das gab den Ausschlag für das Angebot im „Eichkatzerl“. Zusammen mit immer wiederkehrenden Nachfragen nach Pflanzenkost. Menschen, die sich ums Tierwohl sorgten, sollten nicht außen vor bleiben, findet Böhm.
Auch anderswo in Deutschland gibt es inzwischen auch in Traditionsgaststätten Veganes. „Die gastronomischen Betriebe in Deutschland stellen fest, dass die Nachfrage nach vegetarischen beziehungsweise veganen Gerichten steigt“, sagt die Sprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Stefanie Heckel. Entsprechende Angebote fänden sich nicht nur auf den Standard-Speisekarten, vegetarische/vegane Gänge hätten es bis zu Gala- oder Dinnerveranstaltungen als Alternative zu Fisch- oder Fleischgerichten geschafft. Darauf habe man auch bei der Ausbildung zur Köchin oder zum Koch reagiert: Die Zubereitung pflanzlicher Lebensmittel soll dabei künftig einen größeren Anteil einnehmen. Der Markt wachse, allerdings auf kleinem Niveau. „Fleischfreie Produkte sind lange noch nicht Mainstream. Zudem lässt sich ja auch beobachten, dass Burger-, Steak- und andere Fleischkonzepte weiterhin boomen“, sagt Heckel.

Zehn Prozent der Deutschen sind vegetarisch, zwei Prozent vegan – gegen Tierleid und für Klimaschutz

Laut dem Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums 2021 bezeichnen sich zehn Prozent der Bundesbürger als vegetarisch und zwei Prozent als vegan. Die Anteile hätten sich im Vorjahresvergleich verdoppelt. Am Weltvegantag am 1. November weisen Organisationen und Initiativen weltweit mit Aktionen auf die Vorteile und Gründe rein pflanzlicher Ernährung hin, wie Vermeidung von Tierleid und Klimaschutz. Die wachsende Beliebtheit von Fleisch- und Milchalternativen geht nach Einschätzung der Organisation ProVeg (ehemals Vegetarierbund) vor allem auf Menschen zurück, die den Konsum tierischer Lebensmittel reduzieren, sogenannte Flexitarier. Hierzu zählten rund 40 Prozent der Bundesbürger.