Den wichtigsten Festtag feiern viele Juden jede Woche einmal, den Schabbat. Er beginnt am Freitagabend und endet am Samstagabend. Der Samstag ist nach jüdischem Kalender der siebte Tag der Woche und nach Gottes Weisung aufgrund der Schöpfung ein heiliger Ruhetag.
Wann beginnen die jüdischen Feiertage 2022? Was ist erlaubt und was ist verboten? Alle Infos rund um Beginn, Dauer, Ende, Kalender. Die Fest- und Feiertage im Überblick:

Rosch haSchana - Neujahr

Datum: 26. bis 27. September 2022
Am jüdischen Neujahrsfest wird zwei Tage lang der Beginn des neuen Jahres und zugleich der Jahrestag der göttlichen Schöpfung der Welt gefeiert. An Rosch haSchana versammeln sich viele Juden zum Gebet in der Synagoge. Als Symbol der Reinheit gehen einige weiß gekleidet. Höhepunkt des Gebets ist das Blasen des Schofars, des Widderhorns.
Traditionell gibt es an Rosch haSchana viele symbolische Speisen, die für gute Wünsche und Segen für das neue Jahr stehen. es gibt runde Hefezöpfe die den Jahreskreislauf symbolisieren. Typisch sind auch in Honig getauchte Apfelschnitze sowie Granatäpfel. Die Menschen wünschen sich ein "gutes und süßes neues Jahr".

Jom Kippur - Versöhnungstag

Datum: 5. Oktober 2022
Jom Kippur ist der höchste und heiligste Feiertag im jüdischen Kalender. Der Feiertag ist ein strenger Fastentag. Von Sonnenuntergang bis zum Einbruch der Dunkelheit am nächsten Tag wird weder gegessen noch getrunken. Auch die Verrichtung jeglicher Arbeit ist verboten. Selbst das Betätigen elektrischer Geräte ist wie am Schabbat verboten. Nach Einbruch der Dunkelheit endet der Feiertag mit dem "Ne'ila"-Gebet, der "Besiegelung" des göttlichen Urteils. Danach gibt es ein gemeinsames Fastenbrechen, das "Anbeißen".
Die Tora ist der erste Teil des Tanach, der hebräischen Bibel. Sie besteht aus fünf Büchern.
Die Tora ist der erste Teil des Tanach, der hebräischen Bibel. Sie besteht aus fünf Büchern.
© Foto: Pixabay

Sukkot – Laubhüttenfest

Datum: 10. – 17. Oktober 2022
Am Laubhüttenfest, wird sieben Tage lang im Herbst gefeiert. er soll an den Auszug der Juden aus Ägypten erinnern. Alle Mahlzeiten werden in einer Laubhütte eingenommen, der sogenannten Sukka. Diese Hütte hat kein festes Dach, es ist nur mit Zweigen oder Stroh bedeckt. Zusammen mit den Kindern wird die Hütte mit Früchten dekoriert. Sukkot ist ein Erntefest. Daran erinnert "arba'at ha-minim", ein besonderer Strauß, der aus Palmblättern, Myrte, Weidenzweigen und der Zitrusfrucht Etrog besteht. Dieser Strauß wird in alle Himmelsrichtungen geschüttelt. Ein Zeichen Gott für die Ernte zu danken.
Am Sukkot werden die traditionelle Laubhütte mit Zweigen und Früchten geschmückt.
Am Sukkot werden die traditionelle Laubhütte mit Zweigen und Früchten geschmückt.
© Foto: Jens Büttner / DPA

Schmini Azeret

Datum: 17. Oktober 2022
Am 8. Tag von Sukkot wird ein Schlussfest gefeiert, der Schmini Azeret. Er markiert den Beginn des Winters.

Simchat Torah

Datum: 18. Oktober 2022
Die Feiertagssaison endet mit dem Freudenfest Simchat Tora. Gefeiert wird, dass der Lesezyklus der Tora abgeschlossen ist, man also die fünf Bücher Moses' während der Morgengebete am Schabbat einmal ganz durchgelesen hat – und sofort wieder von Anfang beginnt. Dieser Übergang ist Anlass für eine ausgelassene Feier in der Synagoge: Alle Torarollen werden aus dem "Aron haKodesch", dem Schrein, genommen und tanzend und singend durch die Synagoge und manchmal auch im Freien getragen. Traditionell nehmen viele Kinder daran teil und werden mit reichlich Süßigkeiten beschenkt.

Chanukka - Lichterfest

Datum: 19. bis 26. Dezember 2022
Chanukka bedeutet übersetzt "Weihung", das steht für die Wiedereinweihung des Tempels nach dem Sieg der Makkabäer über die Hellenen. Gefeiert wird auch das überlieferte Wunder, dass das Öl im Tempel in Jerusalem ausreichte, um den Leuchter acht Tage lang anzuzünden, obwohl sich dort nur noch ein Kännchen koscheres Öl für einen Tag befand.
An Chanukka steht zuhause der Leuchter direkt am Fenster, dass er von draußen gesehen und dadurch das Wunder verkündet wird.
An Chanukka steht zuhause der Leuchter direkt am Fenster, dass er von draußen gesehen und dadurch das Wunder verkündet wird.
© Foto: Oded Balilty / DPA
Acht Tage lang werden abends die Kerzen des Chanukka-Leuchters angezündet; jeden Tag eine Kerze mehr. Am letzten Tag leuchten alle acht Kerzen und zusätzlich der Schamasch, die sogenannte Diener-Kerze, mit der die anderen angezündet werden. Traditionell werden fettige Speisen wie frittierte Kartoffelpuffer und Krapfen gegessen. Kinder bekommen Schokoladenmünzen geschenkt und spielen mit dem sogenannten Dreidel oder Trendl. Das ist ein Kreisel, der auf vier Seiten mit hebräischen Buchstaben markiert ist, die den Satz "Ein großes Wunder geschah dort" ergeben (Nes gadol haja scham – Nun, Gimel, Hej, Schin).

Tu biSchvat -Neujahrsfest der Bäume und Sträucher

Datum: 17. Januar 2022
Tu biSchvat bedeutet übersetzt „der 15. Schevat“. In moderner Zeit werden an diesem Tag Bäume angepflanzt. Es ist Brauch, an diesem Tag eine Frucht zu essen, die man in diesem Jahr bisher noch nicht verzehrt hat.

Purim - Freudenfest

Datum: 17. März 2022
An Purim wird mit einem Freudenfest die Errettung der Juden in Persien durch die Königin Esther gefeiert. In der Megillat Esther, der Esther-Rolle, ist die Geschichte festgehalten. Diese Geschichte wird an Purim jedes Jahr in der Synagoge vorgelesen. Traditionell kommen Kinder und Erwachsene in bunten Verkleidungen und es wird ausgelassen gefeiert. Wenn immer der Name des Bösewichts Haman während der Lesung fällt, wird mit Rasseln Lärm gemacht, um den Namen zu übertönen. An Purim wird außerdem reichlich Alkohol getrunken, denn das Gebot sagt, dass man trinken soll, bis man nicht mehr zwischen Haman (dem Bösen) und Mordechai (dem Guten) unterscheiden kann. Neben vielen Süßigkeiten isst man traditionell "Osnei Haman" oder Hamantaschen, süße Teigtaschen, die mit Mohn, Schokolade oder Früchten gefüllt sind.

Pessach - Auszug aus Ägypten

Datum: 16. bis 23. April 2022
Pessach, auch Passa, Passah oder Pascha genannt, gehört zu den wichtigsten Festen des Judentums. Das Fest erinnert an den Auszug aus Ägypten, also die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei, von der das 2. Buch Mose im Tanach erzählt.
Pessach beginnt mit dem Sederabend, bei dem die Geschichte vom Auszug aus Ägypten gelesen und ein Festmahl genossen wird. Der Abend wird meist gemeinsam mit Familie und Freunden zuhause gefeiert, vorher wird auch in der Synagoge gebetet. Auf dem Sederteller liegen symbolische Speisen wie bittere Kräuter und Charoset, eine Paste aus Nüssen und Früchten. Zum Ritus gehört es, vier Gläser Wein zu trinken und bestimmte Speisen in Salzwasser zu tauchen. Die Haggada-Lesung endet meist spät in der Nacht mit traditionellen Liedern.

Schavuot - neuerlicher Empfang der Zehn Gebote

Datum: 4. bis 6. Juni 2022
Das Wochenfest Shavuot erinnert an die göttliche Offenbarung und die Übergabe der Zehn Gebote an das Volk Israel am Berg Sinai. Eine Tradition ist es, das Zuhause oder die Synagoge mit frischem Grün zu schmücken. Traditionell ist eine lange Lernnacht bis zum Morgengrauen. Juden auf der ganzen Welt bleiben in der ersten Feiertagsnacht wach, um gemeinsam zu lernen und sich wie die biblischen Juden in der Wüste auf die Offenbarung geistig vorzubereiten, dabei sind sie weiß gekleidet. Das Lernen endet mit dem Morgengebet bei Einbruch des Tages. Gegessen werden zu Shavuot vor allem Speisen aus Milchprodukten wie Käsekuchen, Blinis oder Aufläufe mit Käse.