Wal Timmy aktuell: Explosionsgefahr steigt - so geht es jetzt weiter

Der tote Buckelwal „Timmy“ liegt vor der dänischen Insel Anholt.
Marcus Golejewski/dpaDer Tod des Buckelwals „Timmy“ beendet einen Fall, der in den vergangenen Wochen bundesweit Aufmerksamkeit ausgelöst hatte. Das Tier war mehrfach an den Küsten von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gestrandet und Anfang Mai von einer privaten Initiative mit großem Aufwand Richtung Nordsee transportiert worden. Tot wurde der Wal vor der dänischen Insel Anholt gefunden. Wie ist die Lage heute, am Donnerstag, 21.05.2026?
Wal Timmy aktuell: Explosionsgefahr steigt
Der Kadaver des Buckelwals „Timmy“ wird vorerst weiter vor der dänischen Insel Anholt liegenbleiben. Die Behörden hatten am Donnerstag versucht, das tote Tier zunächst in tieferes Wasser zu ziehen und anschließend zum Festland zu transportieren. Der etwa zwölf Meter lange Wal sollte von der Insel Anholt nach Grenaa in Jütland geschleppt werden, wo Tierärzte und Wissenschaftler eine Obduktion durchführen wollen. Der Versuch scheiterte jedoch. Der Wal steckt nun auf einer Sandbank fest. Die Aktion wurde daraufhin unterbrochen, während nach alternativen Möglichkeiten für den Transport gesucht wird. Ziel bleibt es, den Kadaver in den Hafen von Grenaa zu bringen, wo bessere Bedingungen für eine Obduktion und wissenschaftliche Untersuchungen bestehen. Ein neuer Transportversuch soll aber voraussichtlich frühestens nach Pfingsten stattfinden.
Der stark aufgeblähte Walkadaver liegt derzeit vor der beliebten Urlaubsinsel und sorgt bereits für Aufmerksamkeit. Bilder eines Livestreams zeigen das Tier umringt von Möwen im flachen Wasser. Sollte der Wal dort bleiben, könnte dies laut Umweltbehörde sowohl Anwohner als auch Touristen erheblich belästigen, besonders mit Blick auf das sonnige Pfingstwochenende. Zudem wächst bei steigenden Temperaturen die Gefahr, dass der Kadaver durch die entstehenden Gase explodiert.
GPS-Sender bestätigt Identität von „Timmy“
Zunächst war unklar gewesen, ob es sich bei dem toten Tier tatsächlich um „Timmy“ handelt. Gewissheit brachte schließlich ein GPS-Sender, den die private Initiative vor der Freilassung am Wal angebracht hatte. Eine Tierärztin der Initiative fand den Tracker gemeinsam mit dänischen Tauchern am Tier. Die Seriennummer stimmte mit den Daten des Senders überein.
Das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern bemüht sich nun darum, die Daten des Trackers auszuwerten. Dadurch könnten möglicherweise Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie lange der Wal nach seiner Freilassung noch lebte und wo er sich zuletzt aufgehalten hatte. Karin Walter-Mommert, eine der Geldgeberinnen für die vorhergehende Bergung von der deutschen Küste, habe dem Ministerium laut der dpa die Möglichkeit einer entsprechenden Auswertung zugesagt.
Der Buckelwal war am 2. Mai rund 70 Kilometer vor Skagen in der Nordsee freigelassen worden. Danach blieb zunächst unklar, wo sich das Tier aufhielt. Das Schweriner Umweltministerium erklärte später, entgegen ursprünglicher Ankündigungen keine Standortdaten erhalten zu haben.
Wissenschaftler hatten geringe Überlebenschancen gesehen
Die Internationale Walfangkommission (IWC), das Deutsche Meeresmuseum und weitere Fachleute hatten die Rettungsaktion kritisch bewertet. Nach ihrer Einschätzung war der Wal schwer geschwächt und möglicherweise krank. Einige Experten gingen davon aus, dass das Tier mutmaßlich wiederholt strandete, um in Ruhe sterben zu können.
Trotz dieser Warnungen hielten die Unternehmer Walter Gunz und Karin Walter-Mommert an der Rettungsaktion fest. Nach dem Transport kam es später zu Streit zwischen Initiative, Behörden und beteiligter Reederei über Verantwortung und Ablauf der Freilassung.
Thilo Maack von Greenpeace sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Mit diesem Todfund findet jetzt diese zum Teil absurde Geschichte ein Ende. Die Lehre, die daraus gezogen werden kann, ist, dass es wirklich Sinn macht, auf die Wissenschaft zu hören und von dem Einzelschicksal des bemitleidenswerten Tieres Aufmerksamkeit auf ein größeres Problem zu lenken“ - nämlich den unzähligen Walen und Delfinen, die qualvoll als Beifang in Fischereinetzen verenden.
Wale stark bedroht - Forscher spricht von „Exodus“
Der Walforscher und Mitgründer des gemeinnützigen Wal- und Delfinschutzvereins „M.E.E.R.“, Fabian Ritter, sieht das genauso und betont im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: „Was da stattfindet in unseren Meeren, ist ein Exodus, der es von den getöteten Tieren oder sterbenden Tieren gesehen von der Anzahl her ganz locker mit der Walfang-Ära aufnehmen kann. Also das sind größere Opferzahlen als zu den höchsten Zeiten des brutalen Walfangs.“ Die Ursachen - vor allem die Fischerei und ihre Methoden - zu überdenken, sei daher das Gebot der Zeit.
Neben Fischerei bedrohen vor allem Müll in den Meeren und die Klimakrise mit steigenden Meeres-Temperaturen die Wale, wie die Organisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) erklärt: Dadurch änderten sich Lebensräume, und Tiere müssten ihr Verhalten anpassen, was sie teils schwächer und anfälliger für Krankheiten oder andere Probleme mache.
Mit Material der dpa und AFP
