Wal Ostsee aktuell: So ist die Lage heute, am 10. April

Die Lage des in der Ostsee festsitzenden Buckelwals hat sich auch am 10. April 2026 nicht verändert. Der Wal lebt und liegt weiterhin an derselben Stelle vor der Insel Poel. (Foto vom Vortag, 9.4.2026)
Marcus Golejewski/dpaNachdem sich der Wal nach Tagen auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand und mehreren Rettungsaktionen befreien konnte, liegt er seit dem 31. März erneut in flachem Wasser vor Wismar. Wie steht es um den Wal heute?
Wal in der Ostsee aktuell: Wie geht es ihm heute, am 10.04.2026?
Der vor der Insel Poel in der Ostsee festsitzende Buckelwal hat die Nacht auf Freitag, den 10. April 2026, laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) überlebt und atmet weiterhin. Sein Zustand ist unverändert, allerdings zeigte das Tier in der Nacht leichte Bewegungen.
Nach Angaben des Umweltministeriums hat sich an der Lage des Wals seit mehr als einer Woche nichts geändert. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) bezeichnete den Wal zuletzt als „schwerstkrank“. Ein deutliches Anzeichen dafür sei, dass er kaum noch auf Annäherungen von Booten reagiere, erklärte Bianca König von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC). Nach Einschätzung von Experten wird der Buckelwal im flachen Wasser vor Wismar voraussichtlich sterben. Wie lange dieser Prozess noch andauern wird, ist jedoch unklar. Weitere Rettungsmaßnahmen sind nicht geplant, eine Befreiung aus eigener Kraft gilt als ausgeschlossen.
Das Hauptproblem für den Buckelwal ist nach Einschätzung von Fachleuten sein enormes Gewicht in Kombination mit dem flachen Wasser. Ohne ausreichenden Auftrieb drückt die eigene Masse zunehmend auf die Organe, was zu Organversagen und einem Kreislaufkollaps führen kann. Zusätzlich verschlechtert sich der Zustand durch Hautschäden: Der geringe Salzgehalt des Ostseewassers greift die Haut an, es entstehen Blasen und offene Stellen, die von Möwen angepickt werden. In der Folge können sich Bakterien und Pilze ausbreiten und den geschwächten Organismus weiter belasten.
Rettungsversuche eingestellt
Die Hoffnungen auf eine Rettung des vor Wismar gestrandeten Buckelwals haben sich diese Woche zerschlagen. Nach zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen erklärten Experten auf der Insel Poel, dass weder eine Lebendbergung möglich sei noch das Tier sich aus eigener Kraft befreien könne.
Fachleute des Instituts für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (ITAW) raten dringend von einem Rettungsversuch ab. Der Zustand der Haut habe sich zuletzt deutlich verschlechtert, erklärte Expertin Stephanie Groß. Die Oberfläche reiße bereits ein. Beim Anheben mit Gurten bestehe die Gefahr, die Haut großflächig abzuziehen.
Zudem gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der Wal bereits innere Schäden erlitten hat. Ein Transport würde enormen Stress verursachen und das Tier vermutlich töten. Auch ein zuletzt diskutierter Einsatz eines Spezial-Katamarans aus Dänemark wurde daher verworfen.
Ostsee: Zu niedriger Wasserstand
Auch eine Selbstrettung gilt als ausgeschlossen. Der Wal liegt in einer Mulde im weichen Meeresboden, große Teile seines Körpers ragen aus dem Wasser. Laut Experten müsste der Wasserstand deutlich höher sein, damit sich das Tier freischwimmen könnte. Zudem fehle dem Wal aufgrund seines schlechten Zustands die notwendige Kraft.
Einschläfern oder Tötung keine Option
Auch ein gezieltes Töten, um dem Wal weiteres Leid zu ersparen, wurde geprüft. Die zuständigen Behörden verwarfen diese Option jedoch. Methoden wie Erschießen oder Giftstoffe würden Experten zufolge teils erhebliche Risiken bergen, dass sie nicht sofort wirken und das Tier zusätzlich leiden würde. Die wohl effektivste Methode mit einem Sprengsatz wurde unter anderem aus ethischen Gründen verworfen.
Spätere Bergung vorbereitet
Für die Zeit nach dem Tod des Wals gibt es bereits konkrete Pläne. Ein Bergungskonzept befindet sich laut Umweltministerium in der finalen Abstimmung. Die Vorbereitung würde etwa zwei Tage dauern, die eigentliche Bergung einen weiteren Tag. Spezialisierte Unternehmen aus Deutschland und Dänemark stehen bereit, um das Tier mit Schiffen und Hebetechnik zu bergen.
Mit Material der dpa
