Wal in der Ostsee: Wie „Timmy“ zum Internetphänomen „Hope“ wurde

KI-generiertes Bild von dem Wal in der Ostsee, der in bestimmten Internetblasen auf Facebook und TikTok auch Hope genannt wird. Dort kursieren auch Bilder von Jesus, der den Wal rettet. (Symbolbild von der Redaktion erstellt.)
KI-generiertSeit Wochen sorgt ein Wal in der Ostsee für Mitgefühl und mediale Aufmerksamkeit. Er strandete auf einer Sandbank vor dem Timmendorfer Strand und blieb zuletzt vor der Insel Poel stecken. Doch mittlerweile wurde der Buckelwal zu einem fragwürdigen Internetphänomen. Auf Facebook, aber auch auf der Plattform TikTok, kursieren wilde Verschwörungstheorien und bizarre KI-generierte Videos über den Wal. Was hat es damit auf sich?
Wie es dem Wal in der Ostsee geht
Der Buckelwal tauchte zunächst im März 2026 in Wismar auf und wurde seitdem immer wieder in den Küstenbereichen von Mecklenburg-Vorpommern und in der Lübecker Bucht gesichtet. Er strandete auf einer Sandbank vor dem Timmendorfer Strand, schwamm sich mehrfach frei, um dann wieder festzustecken. Aktuell befindet sich der Buckelwal vor der Insel Poel. Experten schätzen seine Überlebenschancen als gering ein: Das Tier ist stark geschwächt, so die Einschätzung der internationalen Walfangkommission (IWC). Weitere Versuche, den Wal wieder ins offene Wasser zu bringen oder zu bewegen, hätten geringe Erfolgsaussichten und könnten für zusätzliches Tierleid sorgen. Aktuell laufen noch immer Planungen für die Rettung des Wals. Eine private Rettungsinitiative plant, eine Rinne zu baggern, durch die der Wal in tieferes Wasser gelangen soll.
Wie Timmy zu seinem Namen kam und warum er auch Hope heißt
Der Wal in der Ostsee bekam den Namen „Timmy“, weil Komiker Hape Kerkeling ihn spontan in seiner Rolle als Horst Schlämmer so nannte, als er von einem Bild-Reporter gefragt wurde. Seitdem wird der Name immer wieder von Medien aufgegriffen. Auf sozialen Netzwerken wie Facebook und TikTok hat sich jedoch eine ganz eigene Blase von Fans des gestrandeten Wals gebildet. Dort ist der Name „Hope“ besonders beliebt, englisch für Hoffnung. Auf den ersten Blick steht die Bezeichnung für die Hoffnung, dass der Wal es doch noch lebend zurück ins offene Meer schafft. Doch wer genauer hinschaut, stößt auf abstruse Verschwörungstheorien darüber, dass Politiker und Wissenschaftler den Wal absichtlich sterben lassen würden.
Verschwörungstheorien und KI auf TikTok zum Wal in der Ostsee
Besonders skurril erscheinen KI-generierte Videos, die auf TikTok kursieren. Ein beliebtes Motiv sind Hunde, die auf einem Surfbrett oder einem Baumstamm neben dem Wal treiben, oder sogar mit ihm unter Wasser schwimmen, und die Zuschauenden um Hilfe und Spenden für einen weiteren Rettungsversuch bitten. Sogar Bilder eines KI-generierten Jesus, der den Buckelwal rettet, sind im Umlauf. In einem als KI-generierter Inhalt gekennzeichneten Video auf Tiktok singt eine junge Frau: „Während er noch atmet, sprechen sie schon von später, von Proben, von Zahlen, als wäre er nur ein leerer Körper. Ein Platz im Museum.“ Das Deutsche Meeresmuseum hatte angekündigt, mit Behörden vorsorglich Planungen für den Transport und die wissenschaftliche Obduktion vorzubereiten, für den Fall des Todes des stark geschwächten Wals.
Das Deutsche Meeresmuseum und Umweltorganisationen wie Greenpeace leiden derzeit unter einer Vielzahl wütender E-Mails. Fabian Ritter, Diplom-Meeresbiologe und Walforscher, berichtete in einem Interview mit dem NDR von heftigen Reaktionen im Netz, wütenden E-Mails und Kommentaren. Es kam sogar zu einem Betrugsfall auf TikTok, bei dem seine Unterschrift, jene von anderen Experten und die von Minister Backhaus auf gefälschten, KI-generierten Dokumenten genutzt wurden. Darin wurde um Spenden für eine weitere Rettung geworben.
Demonstrationen für den Buckelwal auf der Insel Poel
Nicht nur im Internet mobilisieren die Fans von Hope für weitere Rettungsversuche des Wals. Im Hafen von Poel gibt es regelmäßige Proteste vor Ort. Teilnehmende durchbrachen Absperrungen und die Polizei musste bereits Personen aus der Sperrzone entfernen. Mehrfach versuchten Menschen, zu dem Wal zu gelangen. Der NDR berichtet außerdem von Personen mit Verbindungen in die rechte Szene, die sich unter die Proteste mischen. Darunter Danny Hilse, Mitorganisator eines Protestbündnisses aus Rechtsextremen und radikalen Querdenkern, das vom Verfassungsschutz beobachtet wird.
