Wal in der Ostsee aktuell: So ist die Lage heute

Ein Schlauchboot der Polizei fährt am Montag, 30.03.2026, an den Wal heran. Der Buckelwal liegt am Morgen noch immer in der Wismarer Bucht.
Philip Dulian/dpaDas Drama um den Buckelwal in der Ostsee geht weiter. Nachdem sich das Tier nach Tagen auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand selbst befreien konnte, ist es nun erneut in flachem Wasser vor Wismar in eine schwierige Lage geraten.
Buckelwal in der Ostsee: So ist die Lage vor Wismar aktuell
Nach Angaben der Wasserschutzpolizei liegt der Wal weiterhin in der Wismarer Bucht und hat sich nicht von der Stelle bewegt. Gleichzeitig ist der Wasserstand gesunken, was die Lage zusätzlich erschwert. Zwar atmet das Tier weiterhin, zeigt jedoch nur noch wenige Reaktionen und wirkt geschwächt. Bereits zuvor hatten Fachleute eine reduzierte Atemfrequenz festgestellt. Greenpeace-Expertin Franziska Saalmann erklärte, die Überlebenschancen hätten sich nicht verbessert. Der Ernährungszustand des Wals ist allerdings weiterhin gut, wie Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover am Wochenende sagte. Buckelwale könnten wochenlang ohne Nahrung auskommen.
In der Nacht wurde der Wal durchgehend überwacht, ein Schichtsystem stellte sicher, dass er nicht unbeobachtet bleibt. Am Morgen machten sich Beamte der Wasserschutzpolizei gemeinsam mit Meeresbiologen ein Bild von der Lage. Wie es weitergeht, ob der Wal weiter Ruhe bekommt oder für einen Aufbruch aus eigenem Antrieb angestupst werden soll, hängt von der aktuellen Einschätzung vor Ort ab.
Derzeit sind keine weiteren Rettungsmaßnahmen geplant. Experten gehen davon aus, dass sich das Tier grundsätzlich noch selbst bewegen kann. Der Direktor des Deutschen Meeresmuseums bezeichnete die Situation daher nicht als klassische Strandung, sondern als sogenanntes „Leibaufsetzen“ in flachem Wasser.
Um zusätzlichen Stress zu vermeiden, haben die Behörden ein Sperrgebiet von 500 Metern rund um den Wal eingerichtet. Weder Boote noch Schiffe dürfen sich nähern. Dennoch hatten sich am Wochenende zahlreiche Schaulustige versammelt, um einen Blick auf das Tier zu werfen.
Erleichterung von kurzer Dauer
Der Buckelwal ist seit Anfang März immer wieder an der Ostseeküste unterwegs. Zunächst wurde er im Hafen von Wismar gesichtet, später in der Lübecker Bucht und bei Steinbeck. Zwischenzeitlich hatte sich das Tier in einem Netz verfangen, aus dem es teilweise befreit wurde.
Vor Timmendorfer Strand strandete der Wal schließlich auf einer Sandbank, wo eine umfangreiche Rettungsaktion begann. In der Nacht zu Freitag gelang es ihm, sich durch eine von Baggern freigelegte Rinne selbst zu befreien. Bereits am Samstag wurde der Wal allerdings erneut in der Wismarer Bucht entdeckt.
Dort konnte er sich zwar zwischenzeitlich noch einmal selbst freischwimmen, blieb jedoch wenig später erneut in flachem Wasser an einer etwa zwei Meter tiefen Stelle liegen. Augenscheinlich regungslos lag er am Sonntag dort, nur gelegentlich stieß er eine Wasserfontäne in die Luft.
Größe und Gewicht des Buckelwals
Joseph Schnitzler vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) erklärte gegenüber der dpa, das Tier sei vermutlich zwischen 12 und 15 Meter lang. Das Gewicht wird demnach auf etwa 15 Tonnen geschätzt. Eine genaue Altersbestimmung ist schwierig, unter anderem wegen Hautveränderungen, die im Zuge der Strandung aufgetreten sind.
Wismar: Was macht der Buckelwal in der Ostsee?
Experten vermuten, dass große Wale wie Buckelwale in die Ostsee gelangen, wenn sie auf der Suche nach Nahrung Fischschwärmen folgen und sich dabei verirren. Zusätzlich kann Unterwasserlärm ihre Orientierung stören. Vor allem jüngere Tiere erkunden häufiger neue Gebiete und geraten dadurch leichter in flache Bereiche. Nach Einschätzung von Sven Biertümpfel von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd handelt es sich vermutlich um ein junges männliches Tier, da Bullen eher weite Wanderungen unternehmen als Weibchen.
Die Ostsee ist kein natürlicher Lebensraum für große Wale, der Salzgehalt ist Experten zufolge dort nicht hoch genug. Heimisch sind dort lediglich Schweinswale, deren Bestände jedoch als bedroht gelten. Buckelwale hingegen gehören zu den größten Meeressäugern und können bis zu 15 Meter lang und rund 35 Tonnen schwer werden. Immer wieder werden einzelne Tiere in der Ostsee gesichtet, ein möglicher Grund ist laut Experten auch eine gewachsene Population. Viele Tiere finden später wieder den Weg zurück in die Nordsee. Strandungen bleiben selten, stellen aber aufgrund des enormen Gewichts und der Stressanfälligkeit der Tiere eine große Herausforderung für Rettungsteams dar.
Mit Material der dpa und AFP
