Verurteilter katholischer Priester
: Klares Votum bei Bürgerentscheid – Ein Dorf steht zu seinem Kinderschänder

In Eslarn/Oberpfalz stimmen die Bürger dafür, eine Straße weiter nach einem verurteilten Priester, der mehrere Jungen vergewaltigte, zu nennen – er habe ja auch „viel Gutes geleistet“.
Von
Patrick Guyton
Regensburg
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Symbolfoto

ARCHIV - SYMBOLFOTO - Eine Statue der Justitia hält in Bamberg (Bayern) eine Waage in ihrer Hand, aufgenommen am 09.09.2014. Am Landgericht Regensburg beginnt am 16.10.2017 der Mordprozess gegen einen 42-jährigen Mann, der seine Lebensgefährtin brutal erschlagen haben soll. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Statue der Justitia hält in Bamberg (Bayern): Dass ein verurteilter Kinderschänder geehrt wird, stört in einem Dorf in der Oberpfalz die Mehrheit nicht.

David-Wolfgang Ebener/dpa
  • Bürger in Eslarn stimmten mit 57,6 % dafür, eine Straße weiter nach Georg Zimmermann zu benennen.
  • Zimmermann war ein verurteilter Priester, der mehrere Jungen vergewaltigte.
  • Gemeinderat wollte die Straße umbenennen; Bürgerentscheid verhinderte dies.
  • Gegner der Umbenennung betonten, Zimmermann habe auch Gutes geleistet.
  • Bürgermeister Gäbl äußerte Schwierigkeiten, da die Mehrheit den Täter ehrt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der am 17. Januar 1984 in Eslarn in der Oberpfalz verstorbene Georg Zimmermann war katholischer Priester, Kirchenmusiker, Direktor bei den Regensburger Domspatzen, Musikschulgründer. Und er war ein verurteilter Kinder-Vergewaltiger, der für einen Teil seiner Taten zu 20 Monaten Haft verurteilt worden war und im Gefängnis gesessen hatte. Die Bürger der Marktgemeinde Eslarn hält dies nicht davon ab, sich aktiv hinter Zimmermann zu stellen. Der war dort einst eine prominente Figur.

Mit großer Mehrheit hatte der Gemeinderat eigentlich beschlossen, die Georg-Zimmermann-Straße umzubenennen. Das passte einigen in dem 2800-Einwohner-Ort nicht, sie initiierten einen Bürgerentscheid. Mit 57,6 Prozent der Stimmen entschied die Bevölkerung nun, dass die Straße den Namen des Täters behält – 778 Stimmen waren dafür, 582 dagegen. Bürgermeister Reiner Gäbl (SPD) wird zitiert, es sei schwierig, „ein Bürgermeisteramt auszuüben in einer Gemeinde, in der die Mehrheit möchte, dass ein verurteilter Sexualstraftäter weiter geehrt wird“.

Namensänderung hätte Behördengänge verursacht

Die Fakten haben nicht geholfen – dass sich bisher neun Männer als Betroffene beim Bistum Regensburg gemeldet haben. Dass es sich in Wahrheit um weitaus mehr Fälle handeln dürfte. Dass Zimmermann vor und nach seiner Haftstrafe Jungen vergewaltigt hatte. Dass ein Betroffener in einer Veranstaltung äußerst erschütternd erzählte, was ihm widerfahren ist. Dass diese Menschen ihr Leben lang gezeichnet sind.

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Die Gegner der Umbenennung meinten, dass das sehr lange her sei, dass Zimmermann viel Gutes geleistet habe, und was das eigentlich das Regensburger Bistum angehe. Auch sollten Bürger schikaniert werden – wenn der Straßenname geändert worden wäre, hätten sie schließlich ihren Personalausweis und die KfZ-Zulassung mit der neuen Adresse beantragen müssen.