Vermisster Arian
: Suche wird eingestellt - Wie geht es jetzt weiter?

Hunderte Einsatzkräfte waren mit Drohnen, Booten, Pferden und sogar einem Kampfjet bisher erfolglos im Einsatz. Nun fährt die Polizei die Suchmaßnahmen zurück.
Von
David Hahn
Hamburg
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Sechsjähriger aus Bremervörde weiter vermisst: 29.04.2024, Niedersachsen, Kranenburg: Ein Sonarboot der Polizei fährt während der Suche nach einem vermissten Jungen auf der Oste. Der sechs Jahre alte Arian aus Elm bleibt auch am nach einer Woche vermisst. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Sonarboot der Polizei fährt während der Suche nach einem vermissten Jungen auf der Oste. Der sechs Jahre alte Arian aus Elm bleibt auch am nach einer Woche vermisst. Die Suche wird nun am Dienstag eingestellt.

Daniel Bockwoldt/dpa

Seit einer Woche wird Arian, der autistisch ist, vermisst. Seitdem haben Hunderte Einsatzkräfte den Heimatort des Jungen, Bremervörde-Elm, und das Umland durchkämmt. Eine Überwachungskamera zeigte, wie der Junge nach seinem Verschwinden aus dem Elternhaus wahrscheinlich in Richtung eines Waldes lief. Es war der Beginn einer dramatischen Suchaktion. Jetzt soll die Suche am Dienstag beendet werden, wie die Deutsche Presse Agentur (dpa) berichtet. Wie plant die Polizei weiter vorzugehen?

Suche nach Arian wird eingestellt

Die Ermittler stellen die aktive Suche nach dem sechs Jahre alten Arian aus Bremervörde im Norden Niedersachsens am Dienstag ein. Das kündigte ein Polizeisprecher an. Seit dem 22. April hatten Hunderte Einsatzkräfte und Freiwillige nach dem autistischen Jungen gesucht.

Die bisher größte Suchaktion am Wochenende, auf der so viele Hoffnungen ruhten, blieb ohne Erfolg. Die Ermittler fanden nach eigenen Angaben zwar Fußspuren. Aber ob sie tatsächlich von Arian stammen, blieb zunächst unklar. Hunde konnten keine Fährte zu ihm aufnehmen, auch Taucher und Drohnen spürten den Sechsjährigen nicht auf.

Über 2000 Einsatzkräfte suchten nach Arian

Mehr als 2000 Einsatzkräfte verschiedener Organisationen beteiligten sich am Wochenende bei der Suche in Bremervörde–Elm und im Umland. Der Heimatort des Jungen liegt im Landkreis Rotenburg (Wümme) zwischen Bremerhaven und Hamburg.

Das Suchgebiet, das bisher auf das Umfeld von Elm konzentriert war, wurde am Sonntag ausgeweitet. Eine 1,5 Kilometer lange Menschenkette durchkämmte das Gebiet nördlich des Wohnorts. Die Suche dauerte bis zum Einbruch der Dunkelheit, rund 15 Quadratkilometer wurden abgegrast. Zusätzlich waren erneut Boote und erstmals auch eine Reiterstaffel unterwegs. „Eine derart große Suchmaßnahme habe ich zuvor noch nicht geleitet“, hatte Jörg Wesemann, Gesamteinsatzleiter der Polizei Rotenburg, am Wochenende gesagt. Zeitweise waren auch ein Tornado–Flieger, ein Amphibienfahrzeug und Helikopter im Einsatz.

Einsatzkräfte suchten in ihrer Freizeit

Der Sprecher sagte, es hätten sich rund 50 Polizisten freiwillig zum Dienst gemeldet, Bereitschaftspolizisten seien nicht im Einsatz gewesen. Dazu kommen Helfer der Deutschen Lebens–Rettungs–Gesellschaft, des Deutschen Roten Kreuzes und des Technischen Hilfswerks. Eine Sprecherin des Landeskommandos Niedersachsen der Bundeswehr sagte, tagsüber beteiligten sich gegenwärtig rund 400 Objektschützer und Logistiker an der Suche. Nachts seien etwa 60 Soldaten im Einsatz gewesen.

Der Polizeisprecher sagte, es gebe keine Hinweise auf einen Kriminalfall. Einen etwaigen Wolfsangriff, in der Gegend gibt es Wölfe, schloss der Sprecher aus. Ein Wolfsberater des Landkreises Rotenburg hält das ebenfalls für unwahrscheinlich. Wolfgang Albrecht sagte, Gefahr bestehe nur in Sonderfällen, etwa wenn ein Wolf sich angegriffen fühle.

Speziell abgestimmte Suche nach dem autistischen Jungen

Die Einsatzkräfte bemühten sich, sich in den autistischen Jungen hinzuversetzen und die Suche auf seine Bedürfnisse abzustimmen. Sie hatten in Abstimmung mit der „Fachberatung Autismus“ versucht, den Jungen mit Kinderliedern, Luftballons und Feuerwerk anzulocken — ohne Erfolg. Seit der Nacht zum Samstag wurde wieder still nach ihm gesucht.

Einer Expertin zufolge könnte er als Autist nicht auf Rufe reagieren. Es könne sein, dass Arian anders als Altersgenossen keine Angst etwa vor dem dunklen Wald habe. „Vielleicht ist sein Autismus ja ein Vorteil, es macht auch was mit uns als Einsatzkräfte“, sagte der Polizeisprecher. „Wir versuchen da positiv zu denken.“

Wie hoch sind die Überlebenschancen?

Die Überlebenschancen seien von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich, betonte der Polizeisprecher. Es gebe vergleichbare Fälle von vermissten Kindern, die auch nach mehr als einer Woche lebend gefunden wurden. Ein Beispiel sei ein tagelang vermisster Achtjähriger aus Oldenburg. Vor zwei Jahren hatte sich das geistig behinderte Kind in einem Kanalsystem verirrt. Ein Spaziergänger hatte nach acht Tagen Suche ein leises Wimmern aus einem Kanaldeckel gehört — nur wenige Hundert Meter vom Elternhaus des Kindes entfernt. Der Junge wurde unverletzt gerettet.

Wie geht es nun weiter?

Die Polizei wird ab Dienstag nicht mehr proaktiv flächendeckend suchen, sondern bei neuen Hinweisen Suchaktionen durchführen. Für Arian richtete Polizeidirektor Jörg Wesemann eine eigene Ermittlungsgruppe „EG Arian“ ein, die sich ab sofort um den Vermisstenfall kümmert.

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