Verkehr Usbekische Wanderarbeiter verbrennen im Bus

Astana / Stefan Scholl 19.01.2018

Das schreckliche Unglück ist auf offener Trasse in der verschneiten westkasachischen Steppe passiert: Ein fahrender Reisebus fing am Vormittag nahe dem Dorf Kalibai Feuer und geriet sofort in Flammen. Von 57 Insassen kamen nach Angaben der Agentur Interfax 52 ums Leben, alle Bürger Usbekistans. Nur die zwei kasachischen Busfahrer und drei Passagiere konnten sich ins Freie retten. Sie trugen Brandwunden davon. Die kasachische Polizei ermittelt die Ursache der Katastrophe noch.

Die Reisenden waren von Schymkent im Südosten Kasachstans ins 2540 Kilometer entfernte russische Kasan unterwegs. „Es waren ganz offenbar Arbeitsmigranten, die sehr wenig Geld haben und deshalb statt Flugzeug oder Bahn einen billigeren Bus genommen haben“, sagt der Moskauer Zentralasienexperte Juri Solosubow unserer Zeitung.

Völlig überfrachtet

Nach Polizeiangaben soll der Brand durch einen Kurzschluss in einem Stromkabel des völlig überfrachteten Fahrzeugs entfacht worden sein. Mehrere russische und kasachische Medien zitieren andererseits einen vorbeifahrenden Fernfahrer, der sagt, die Passagiere hätten sich mit einer Lötlampe aufgewärmt, offenbar habe jemand einen Kanister mit Benzin umgestoßen, der auf die Lampe gefallen sei.

Sologub sagt, Fahrgäste erwärmten auch oft Mahlzeiten über Spiritusbrennern. Laut der Internetzeitung gazeta.ru befanden sich wahrscheinlich wirklich Treibstoffbehälter im Fahrzeug, um Tankkosten zu sparen. Außerdem sollen beide Seitentüren des Busses von Gepäckstücken oder anderen Gegenständen blockiert gewesen sein. 

Bei dem Bus handelte es sich nach Angaben des kasachischen Innenministeriums um einen deutschen Kässbohrer-Setra, 1989 in Ulm hergestellt. Die letzte amtliche genehmigte Laufzeit des Busses soll im Februar 2016 abgelaufen sein, auch war der Bus offenbar ohne Lizenz unterwegs. In Russland und in der GUS sind tausende in Westeuropa ausrangierte Reisebusse im Einsatz, eine Buskarte von Taschkent nach Moskau kosten nur ein Viertel so viel wie ein Zugticket.

Schon im Oktober waren laut BBC 17 Passagiere aus Usbekistan umgekommen, als ihr Bus auf einem Bahnübergang bei Wladimir stehenblieb und von einem Zug gerammt wurde.

Die usbekischen Behörden wollen eigene Ermittler nach Kasachstan schicken. Sologub aber hält es für äußerst unwahrscheinlich, dass Terroristen für die Katastrophe verantwortlich sind: „Das ist wohl eher der schreckliche Preis für sehr billige Arbeitskräfte.“

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