US-Präsident
: Trump begnadigt Kapitol-Stürmer – „QAnon-Schamane“ will Waffen kaufen

Sie stürmten 2021 gewaltsam das Kapitol – nun sind rund 1500 der Randalierer von US-Präsident Donald Trump begnadigt worden und auf freiem Fuß. Einige schwören nun Rache.
Von
Peter DeThier
Washington
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Eindringlinge auf dem Gang vor der Senatskammer im Kapitol in Washington.

06.01.2021, USA, Washington: Unterstützer von US-Präsident Trump stehen auf dem Gang vor der Senatskammer im Kapitol. Unter den Eindringlingen in das US-Kapitol am Mittwoch in Washington sind auch Anhänger der rechten «QAnon»-Verschwörungstheorie gewesen. Vor allem Aufnahmen eines Aktivisten mit nacktem Oberkörper und einer Fellmütze mit markanten Büffelhörnern kursieren im Netz. Der «Schamane» war mit anderen bis in den Sitzungssaal des Senats vorgedrungen. (zu dpa ««QAnon»-Anhänger bei Kongress-Sturm in vorderster Reihe vertreten») Foto: Manuel Balce Ceneta/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Randalierer auf dem Gang vor der Senatskammer im Kapitol in Washington: Rund 1500 Trump-Anhänger, die wegen des Sturms auf das Kapitol vom 6. Januar 2021 verurteilt worden waren, hat der neue US-Präsident nun begnadigt. Einige schworen Rache.

Manuel Balce Ceneta/AP/dpa
  • Trump begnadigt 1500 Randalierer vom 6. Januar 2021.
  • Einige von ihnen schwören Rache und planen Waffenkäufe.
  • Empörung in den USA über Trumps Entscheidung.
  • Ex-Kapitol-Polizisten fühlen sich betrogen; Angst um Sicherheit der Familien.
  • Neue Untersuchung soll Wahrheit über den Kapitol-Sturm aufdecken.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In den USA wächst die Empörung darüber, dass Präsident Donald Trump fast 1500 der Randalierer vom 6. Januar 2021 begnadigt hat, darunter auch Gewalttäter, die Polizisten schwer verletzt hatten. Unterdessen haben einige der freigelassenen Putschisten Rache geschworen und angekündigt, dass sie sich jetzt mit zusätzlichen Schusswaffen eindecken werden.

Vor der Inauguration hatte Vizepräsident JD Vance gesagt, dass es eine „Grauzone“ gebe zwischen Demonstranten, die an der Erstürmung des Kapitols beteiligt waren, aber keinen Schaden anrichteten. „Wer aber gewalttätige Verbrechen begangen hat, sollte keine Begnadigung erhalten“, sagte Vance. Als er am ersten Tag im Amt an die Differenzierung erinnert wurde, soll Trump US-Medienberichten zufolge gesagt haben. „Ich pfeife darauf, lassen wir sie alle gehen“.

Sämtliche der Randalierer, die in Justizvollzugsanstalten in einzelnen Staaten saßen, sind wieder auf freiem Fuß. Viele, die in dem Gefängnis der Hauptstadt Washington inhaftiert waren, müssen noch warten, bis die Begnadigungen von dem zuständigen Gericht bearbeitet werden. Einige der Befreiten blasen aber bereits zum Gegenangriff. Enrique Barrio, Chef der rechtsgerichteten Organisation „Proud Boys“, sagte in einem Interview, „dass mein Erfolg sich nun an unserer Rache messen wird“. Barrio forderte zu Vergeltungsschritten auf, gegen die Staatsanwälte, die ihn hinter Gitter brachten und gegen Zeugen, die angeblich Meineid begangen haben. Kash Patel, Trumps designierter FBI-Direktor, solle bei den entsprechenden Behörden „gründlich aufräumen“.

„Ich werde jetzt mehr verdammte Waffen kaufen!“

Rachegelüste regen sich offenbar auch in Stewart Rhodes, der vor seiner Inhaftierung Anführer der radikalen „Oathkeeper“-Milizen war. „Stewart organisiert schon wieder seine Truppen, er ist schlichtweg ein gefährlicher Typ“, sagt Tasha Adams, die sechs Jahre lang mit Rhodes verheiratet war. Jacob Angeli Chansley, auch wegen seiner Büffelhorn-Fellmütze als der „QAnon Schamane“ und als das Gesicht vom 6. Januar bekannt, ist schon seit Mai 2023 auf freiem Fuß. Trump begnadigte ihn nun rückwirkend. Daraufhin schrieb Chansley auf X:  „Ich werde jetzt mehr verdammte Waffen kaufen! Ich liebe Amerika!“.

Die zuständige Richterin nannte es „beängstigend“, dass Rhodes wieder ein freier Mann ist. Frühere Mitarbeiter der Kapitols-Polizei, die am 6. Januar im Einsatz waren, sagten, dass sie sich von ihrem Land betrogen fühlten und bangen nun um die Sicherheit ihrer Familien. Auch republikanische Kongressmitglieder, die am Tag des Putschversuchs die Krawalle hautnah miterlebten, waren über Trumps Entscheidung verblüfft. Keiner von ihnen wagte es aber, den Präsidenten direkt zu kritisieren. Sie wollen stattdessen Ermittlungen einleiten und feststellen, „was am 6. Januar 2021 wirklich geschehen ist“. Der neue Ausschuss solle die angebliche „ganze Wahrheit“ des Angriffs auf die US-Demokratie aufdecken, sagte der republikanische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson.

Hintergrund des Sturms auf das Kapitol war die Lüge Trumps, dass die Präsidentschaftswahl 2020 „gestohlen“ war. Der US-Präsident hat seine Niederlage nie eingestanden und Wahlfälschungen sowie eine Verschwörung der Demokraten dafür verantwortlich gemacht. Diese Legende prägt nun offenbar weiterhin seine politische Agenda, viele Amerikaner haben Angst vor einem juristischen Rachefeldzug.