Für Aufregung haben die Aussagen der Kultusministerien in der SÜDWEST PRESSE gesorgt, dass Schüler, die keine Präsenzwoche haben, in den Urlaub fahren dürfen. Entsprechende Anfragen von Eltern an die Schule und demnach von den Schulen an die Ministerien häuften sich. Weshalb in Bayern die entsprechende Antwort von der Homepage genommen haben.

Das gilt für Baden-Württemberg

Das Baden-Württembergischen Kultusministerium hat sich selbst korrigiert. Jetzt lautet die Antwort „Nein“, die Schüler dürften nicht verreisen. Wobei auch nach der Präzisierung nicht ganz klar ist, wo Schüler während der Online-Phase sein müssen. Es heißt nur: „Schüler müssen auch während der Fernlernphasen erreichbar sein.“ Der Fernunterricht sei nicht dazu gedacht, dass Familien verreisen, im Gegenteil sollten die Kinder zu Hause „die Phasen dafür nutzen, an den Fernlernangeboten der Schule teilzunehmen und in heimischer Arbeit Aufgaben zu bearbeiten, Lerninhalte zu wiederholen und zu üben.“

Das gilt für Bayern

Das Bayerische Kultusministerium hatte in seiner Antwort vom 9. Juni betont, dass „die Phasen des Lernens zu Hause keine Freizeit“ seien, der Schüler müsse demnach an den Fernlernangeboten teilnehmen. Wenn etwa eine Videokonferenz anberaumt sei, dann auch genau während dieser Zeit. Es bestehe aber „keine allgemeine Vorgabe, sich in den betreffenden Phasen des Schichtbetriebs zu den üblichen Unterrichtszeiten zu Hause aufzuhalten.“ Ob man also mit seinem Laptop daheim sitzt oder in der Ferienwohnung auf dem Balkon wäre demnach egal.
Klar ist, dass die Schulpflicht auch in Corona-Zeiten gilt. Nur Schüler, die zu Risikogruppen gehören oder mit Personen aus Risikogruppen zusammenleben, müssen in den Präsenzphasen nicht erscheinen, aber sie müssen Online-Lernangebote wahrnehmen, sofern es die technischen Voraussetzungen erlauben.

Sitzenbleiben oder nicht?

Die nächste Streitfrage ergibt sich in Sachen Sitzenbleiben. In Bayern will man „großzügig“ mit der Möglichkeit des Vorrückens auf Probe umgehen. Sitzenbleiben ist aber theoretisch möglich. Ob dies einer rechtlichen Prüfung standhalten würde, wenn es Eltern wirklich drauf anlegen, ist ungewiss. Seitens der Schulen hofft man auf Einsicht, dass sie im Sinne des Kindes entschieden und es nicht überfordert wird. Wer freiwillig wiederholt, bekommt das Jahr nicht auf die maximal mögliche Anzahl der Wiederholungen angerechnet. In Baden-Württemberg ist Wiederholen in diesem Jahr ausschließlich freiwillig.

Noten werden bis zu den Sommerferien nur wenige gemacht – vor allem mündliche in Hauptfächern. Arbeiten, die im Home-Schooling erstellt werden, dürfen eigentlich nicht benotet werden. Hier sieht die Realität oft anders aus, gerade bei Elftklässlern an Gymnasien, die Punkte fürs Abitur brauchen. Wenn Unterricht nur online stattfindet, etwa weil der Lehrer einer Risikogruppe angehört, behilft man sich gern mit benoteten Langzeitarbeiten.