Unwetter Unwetterschäden: Was Betroffene nun wissen müssen

Unwetterwarnung bei der Bahn
Unwetterwarnung bei der Bahn © Foto: Patrick Seeger
Ulm / SWP/AFP 04.01.2018
Umgekippte Bäume, abgedeckte Dächer: Ein Sturm verursacht viele Schäden. Was Haus- und Autobesitzer nun wissen müssen.

Ein Baum kracht in das eigene Auto, ein Sturm deckt die Ziegeln des Daches ab, Starkregen flutet das Haus: Immer wieder wird der Südwesten von schweren Unwettern heimgesucht. Zurückbleiben oft veritable Schäden – und die Frage: Was tun? Was übernimmt die Versicherung? Wofür lohnt überhaupt eine Versicherung? Und wie muss ich mich an sie wenden? Wir haben Fakten zusammengetragen, was Haus- und Autobesitzer nun wissen müssen.

Schäden sofort melden.
Eine wichtige Information vorab: Schäden müssen dem Versicherer umgehend gemeldet werden, teilt der Bund der Versicherten in einem Informationsblatt mit. Zur Dokumentierung sollten Fotos gemacht und eine genaue Aufstellung der beschädigten Gegenstände erstellt werden. Zeugen können demnach hilfreich sein, von der Bestellung eines eigenen Gutachters hingegen wird abgeraten.

Die Versicherten sind verpflichtet, alles zu unterlassen, was die Feststellung des Schadens durch die Versicherung erschweren könnte, ansonsten droht der Verlust des Versicherungsschutzes, schreibt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg auf ihrer Homepage.

Wann springt die Versicherung ein?
Für Sturmschäden haften beispielsweise Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherungen. Wichtig zu wissen allerdings: Stürmisch finden die Gesellschaften es erst ab Windstärke 8. Das entspricht einer Windgeschwindigkeit ab 62 Stundenkilometern, teilen die Verbraucherschützer in Baden-Württemberg mit. Wurde zum Beispiel Hausrat zum Spielball des Sturms, sind diese Schäden durch die Hausratversicherung nur abgedeckt, wenn sie während der Böen in einem Gebäude untergebracht waren und beschädigt wurden. Ausnahmen: Antennen und Markisen. Die Verbraucherschützer verweisen zudem darauf, dass im Fall von Gefriergut, das durch längeren Stromausfall infolge des Sturms verdorben ist, die Policen einiger Hausratversicherer einen zusätzlichen Schutz enthalten.

Bricht ein Hausdach unter Schneelast ein, steht man finanziell nur mit einem zusätzlich zur Gebäude- respektive Hausratversicherung abgeschlossenen Schutz gegen Elementarschäden gut da.

Das gilt ebenfalls für Schäden durch Dauerregen. Denn: Gebäudeversicherungen haften nicht für Schäden durch eindringendes Wasser. Die Police deckt noch einige weitere Schäden ab: Überschwemmung (aber nicht durch Sturmflut und manchmal nicht durch Rückstau)zum Beispiel, aber auch Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch sowie Schneedruck und Lawinen. Wichtig: Häufig wird in diesen Verträgen eine Selbstbeteiligung vereinbart. Nach Informationen der Verbraucherschützer in Stuttgart meist in Höhe von etwa zehn Prozent der Schadenssumme.

Was passiert bei Schäden am Auto?
Hat der Sturm Dachziegel auf ein parkendes Auto geschleudert, ist die Teilkasko des Autohalters in der Zahlungspflicht, gibt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bekannt. Versichert sei allerdings meist nicht der Neupreis des Fahrzeugs, sondern in der Regel nur der Wert, den es zum Zeitpunkt der Schadensmeldung noch hat – der sogenannte Zeitwert. Zudem wichtig zu wissen: Auch hier wird oft eine im Vertrag festgeschriebene Selbstbeteiligung von der Entschädigungssumme abgezogen.

Komplizierter ist es hingegen bei umgestürzten Bäumen: Stürzt ein Baum auf ein Fahrzeug, tritt die Teilkaskoversicherung für den Schaden ein. Hingegen haftet die Vollkaskoversicherung, wenn ein Baum auf die Fahrspur stürzt und ein Fahrzeug auffährt. Ist ein nachweislich morscher Baum umgestürzt und hat Haus oder Auto beschädigt, muss der Baumbesitzer oder seine Haftpflichtversicherung für den Schaden aufkommen. Dieser Nachweis ist allerdings schwierig zu führen. Schlimmer noch: Ist ein gesunder Baum umgefallen, gilt dies als „höhere Gewalt“ ‒ und der Eigentümer haftet nicht für den Schaden, teilen die Verbraucherschützer mit.

Bei der Kfz-Teilkaskoversicherung sind auch Schäden durch Überschwemmungen mitversichert.

Und wie sieht es mit Reisen aus?
Steht der Urlaub noch bevor, greift die Reiserücktrittsversicherung, bei der schon begonnenen Reise die Reiseabbruchversicherung (werden meist kombiniert angeboten), teilen die Verbraucherschützer in Baden-Württemberg mit. Voraussetzung allerdings: Der Schaden ist im Verhältnis zum Vermögen erheblich, oder um den Schaden festzustellen, ist die Anwesenheit des Versicherten erforderlich.

Was können Bahnreisende tun?
Stürme gelten als „höhere Gewalt“. Trotzdem stehen Bahnreisenden Erstattungen zu. Bei Verspätungen können sie sich den Fahrpreis teilweise erstatten lassen. So kann ein Fahrgast 25 Prozent des Fahrpreises zurückverlangen, wenn die Verspätung mehr als 60 Minuten beträgt. Bei mehr als zwei Stunden hat er Anspruch auf die Hälfte des gezahlten Fahrpreises.

Das geht auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes aus dem Jahr 2013 zurück. Allerdings hat die EU-Kommission im vergangenen Jahr versucht, daran zu rütteln. Insbesondere die Bahnunternehmen in Europa hatten sich vehement über das Urteil beschwert.

Und wie sieht es bei Fluggästen aus?
Ganz generell gilt im Flugverkehr: Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen – also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern nach vier Stunden. Auch bei einer absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann – und der Reisende ihn dann verpasst.

Weitere Informationen gibt es zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.