Unwetter in Spanien
: Spanischer König Felipe wird als „Mörder“ beschimpft

Der Besuch des spanischen Königspaars in besonders schlimm getroffenen Orten um die Großstadt Valencia gerät außer Kontrolle: Wut entlädt sich. Und immer noch werden viele Menschen vermisst.
Von
afp/dpa
Paiporta
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King Felipe VI of Spain (L) talks with a person as angry residents heckle him during his visit to Paiporta, in the region of Valencia, eastern Spain, on November 3, 2024, in the aftermath of devastating deadly floods. A delegation led by Spain's king and prime minister was heckled today as it visited the Valencia region hit by deadly floods, with some screaming "assassins" and others throwing mud, according to AFP journalists on the scene. King Felipe VI and Queen Letizia visited the town of Paiporta, one of the most affected by the floods that have killed more than 200 people, alongside Prime Minister Pedro Sanchez and other officials. (Photo by Manaure Quintero / AFP)

König Felipe VI. inmitten wütender Bewohner der besonders schwer vom Unwetter getroffenen Stadt Paiporta.

Manaure Quintero/afp
  • Nach Überschwemmungen in Valencia wurde König Felipe VI. als „Mörder“ beschimpft.
  • Menschen in Paiporta warfen Schlamm und Gegenstände auf den König.
  • Besuche in Paiporta und Chiva; 217 Todesopfer, davon 213 in Valencia.
  • Kritik an der späten Warnung vor dem Unwetter; Trinkwasser und Lebensmittel fehlen.
  • Warnung vor weiteren starken Regenfällen in der Region Valencia und Almería.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Spaniens König Felipe VI. und Königin Letizia wollten eigentlich in den Unwettergebieten nahe der Mittelmeermetropole Valencia den Einwohnern zweier besonders stark verwüsteter Orte Trost spenden - und stießen auf blanke Wut. Fünf Tage nach der Katastrophe mit mindestens 217 Toten und nur schleppend angelaufener staatlicher Hilfe kam vielen der Akt von Solidarität offenbar zu spät. In dem ersten Ort Paiporta warfen aufgebrachte Einwohner sogar Schlamm in Richtung des Königspaars, das von Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez und dem Präsidenten der Region Valencia, Carlos Mazón, begleitet wurde.

Andere riefen „Mörder“ und „Rücktritt“ oder „Greift zur Schaufel und packt mit an“, wie in den TV-Übertragungen zu hören war. Das staatliche Fernsehen RTVE übertrug live und zeigte Königin Letizia, wie sie mit Schlammspuren im Gesicht und an den Händen, in den Haaren und der Kleidung sichtlich mitgenommen mit einer Frau sprach. Was Letizia vielleicht als Trost spendete, war nicht zu hören.

Auch König Felipe VI. versuchte, Anwohner zu trösten, umarmte auch zwei jüngere Bewohner, wie RTVE zeigte. Nach ersten Schlammwürfen setzte er seine Versuche fort, seine Sicherheitsleute spannten dafür einen Regenschirm auf, der ihn schützen sollte. Doch schließlich brachten sie ihn an einen sicheren Ort. Angesichts der äußerst angespannten Lage wurde der auch geplante Besuch des Ortes Chiva verschoben, wie RTVE berichtete.

So viel Regen wie sonst in einem Jahr

Am Dienstag waren im Osten und Süden Spaniens extreme Regenfällen niedergegangen. An manchen Orten regnete es so viel wie sonst in einem ganzen Jahr. Die Flutkatastrophe ist die schlimmste in Spanien seit Jahrzehnten.

Nach Angaben vom Sonntag wurden bereits 217 Todesopfer gefunden, davon 213 in der Region Valencia. Die Behörden rechnen mit weiteren Todesopfern, etwa in von den Flutwellen mitgerissenen Autos. In den Katastrophengebieten fehlt es außerdem an Trinkwasser und Lebensmitteln.

In Spanien gibt es seit den Unwettern harsche Kritik an Politik und Einsatzkräften. In vielen Orten fühlten sich die Menschen alleingelassen, weil in den ersten Stunden und Tagen nach den Unwettern keine staatliche Hilfe vor Ort war. Zudem gibt es Kritik, dass die Regionalregierung Valencia die Warnungen des Wetterdienstes Aemet zu spät an die Bevölkerung weitergegeben habe.

Weitere starke Regenfälle erwartet

Der Besuch des Königspaars wurde auch von der Gefahr weiterer schwerer Regenfälle überschattet. Die spanische Meteorologiebehörde Aemet veröffentlichte für die Region Valencia wegen neuer starker Regenfälle eine Warnung der zweithöchsten Stufe orange. Demnach könnten stellenweise 100 Liter Regen pro Quadratmeter fallen.

Für die Provinz Almería in der südspanischen Region Andalusien wurde gar Alarmstufe rot ausgerufen: Das bedeutet extreme Gefahr. Die bei Touristen beliebte Gegend muss demnach wegen heftiger Regenfälle mit Überschwemmungen rechnen.