Unternehmen distanzieren sich
: Influencerin setzte Kaninchen im Wald aus

Nach dem Bekanntwerden eines Vorfalls mit ausgesetzten Kaninchen ziehen mehrere Unternehmen Konsequenzen und beenden die Zusammenarbeit mit der Influencerin Alicia Vosgrau.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Kaninchen: ARCHIV - 03.04.2020, Hessen, Hünfelden: Ein Kaninchen-Junges der Rasse Zwergwidder schaut neugierig aus dem Stall hinaus.  (zu dpa: «Kaninchen verbringt Nacht auf Wittenberger Polizeirevier») Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Kaninchen-Junges schaut neugierig aus dem Stall hinaus. (Symbolbild)

Frank Rumpenhorst/dpa

Mehrere Unternehmen haben die Zusammenarbeit mit der Influencerin Alicia Vosgrau („aliciasmumlife“) beendet, nachdem bekannt geworden war, dass sie im vergangenen Sommer vier Kaninchen in einem Wald in Schleswig-Holstein ausgesetzt hatte. Darüber berichten unter anderem die „Bild“-Zeitung und der „Spiegel“.

Der Windelhersteller Pampers bestätigte auf Anfrage des „Spiegel“, dass die Kooperation mit der Influencerin nicht fortgesetzt wird. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung aus einer Antwort des Unternehmens an eine Instagram-Nutzerin zitiert. Darin heißt es, ein respektvoller Umgang mit Menschen und Tieren sei ein zentraler Bestandteil der Unternehmenswerte, man habe sich daher in Abstimmung mit der Influencerin gegen eine weitere Zusammenarbeit entschieden.

Auch andere Firmen zogen sich laut Medienberichten zurück. L’Oréal Deutschland erklärte der „Bild“-Zeitung zufolge, dass mit der Marke Vichy bereits seit Oktober keine aktive Partnerschaft mehr bestehe. Eine Sprecherin betonte demnach, das Wohl und der Schutz von Tieren seien von größter Bedeutung.

Der Reiseanbieter HolidayCheck teilte der Zeitung mit, ein verantwortungsvoller Umgang mit Tieren sei nicht verhandelbar, weshalb eine weitere Zusammenarbeit nicht infrage komme.

Vorfall wurde Monate später öffentlich

Auslöser für die Distanzierungen ist ein Vorfall aus dem August, der erst Anfang Dezember größere öffentliche Aufmerksamkeit erhielt. Spaziergänger hatten im Rantzauer Forst bei Hamburg vier ausgesetzte Kaninchen entdeckt. Nach Angaben eines Tierheims aus Henstedt-Ulzburg konnten drei Tiere lebend aufgenommen werden, ein Kaninchen war bereits tot.

In einem Instagram-Beitrag des Tierheims wurde später darauf hingewiesen, dass die Tiere in Videos auf den Social-Media-Kanälen von Alicia Vosgrau wiedererkannt worden seien.

Die Influencerin, die auf Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube Einblicke in ihr Familienleben gibt, räumte den Vorfall ein. Nach übereinstimmenden Medienberichten hatte sie in einem inzwischen gelöschten Statement auf Instagram erklärt, sie habe sich nach der Geburt ihres dritten Kindes in einem „totalen Ausnahmezustand“ befunden und sei überfordert gewesen. Das Aussetzen der Tiere bereue sie zutiefst, wird sie unter anderem vom „Hamburger Abendblatt“ und von RTL zitiert.

Ermittlungen und Kritik von Tierschützern

Der Fall könnte auch rechtliche Folgen haben. Das Tierheim erstattete Anzeige, die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt. Ein Sprecher der Behörde sagte der „Bild“-Zeitung, der Vorgang werde derzeit von der zuständigen Polizeidienststelle im Hinblick auf mögliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz geprüft.

Auch Tierschutzorganisationen äußerten sich kritisch. PETA forderte laut „Hamburger Morgenpost“, ein mögliches Tierhalteverbot zu prüfen, und appellierte an die Familie, vorhandene Haustiere in fachkundige Hände zu geben, solange dies nicht geklärt sei. Die Familie hat einen Hund.

Reichweitenverluste in sozialen Netzwerken

Parallel zum öffentlichen Protest kam es zu deutlichen Reaktionen in den sozialen Netzwerken. Nach Daten der Social-Media-Analyseplattform „Nindo“ verlor Alicia Vosgrau im vergangenen Monat rund 20.000 Follower auf Instagram und mehr als 30.000 auf TikTok. Trotz der Verluste erreicht sie dort weiterhin ein großes Publikum mit rund 1,5 Millionen Followern.