Moskwa
: Angriff oder Unglück? – Warum sank das russische Schiff im Schwarzen Meer?

Ein großes russisches Kriegsschiff ist im Schwarzen Meer gesunken. Was war der Grund für den Untergang der „Moskwa“? Bewaffnung, Besatzung, Bedeutung - Alle Infos zum Kriegsschiff und dem Untergang gibt es hier.
Von
Daniel Steiger mit Agenturen
Kiew
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Schwerer Schlag für Russland im Krieg gegen die Ukraine. Das russische Kriegsschiff „Moskwa“ ist im Schwarzen Meer gesunken. Über die Ursache des Untergangs wird gestritten.

dpa

Wurde es im Ukraine-Krieg versenkt oder gab es auf dem Kriegsschiff ein Unglück? Das russische Kriegsschiff „Moskwa“ („Moskau“) - ein Stolz der Marine - ist am 15.4.2022 im Schwarzen Meer gesunken. Der Raketenkreuzer war zuvor stark beschädigt worden. Uneinigkeit herrscht nach wie vor über die Ursache des Unglücks.

  • Warum ist die „Moskwa“ gesunken?
  • Gab es beim Untergang der „Moskwa“ Tote?
  • Größe, Bewaffnung, Bedeutung der „Moskwa“
  • Reaktionen über den Untergang der „Moskwa“

Hier gibt es alle Infos zum Untergang des russischen Kriegsschiffs:

Länge, Indienststellung, Besatzung - Die „Moskwa“ in Zahlen und Fakten

Es war der ganze Stolz der russischen Marine und Ausdruck der Dominanz ihrer Schwarzmeerflotte - nun ist das Flaggschiff „Moskwa“ im Krieg gegen die Ukraine gesunken. Der Kreuzer war für Russland nicht nur operativ von großer Bedeutung, sein Ende stellt auch einen herben symbolischen Verlust dar.

  • Schiffstyp: Raketenkreuzer
  • Stapellauf: 27. Juli 1979
  • Indienststellung: 7. Februar 1982
  • Länge: 187 Meter
  • Breite: 20,8 Meter
  • Tiefgang: 7,90 Meter
  • Besatzung: 610 Mann
  • Höchstgeschwindigkeit: 32 Knoten

Bewaffnung der Moskwa

Das Kriegsschiff war mit 16 Seezielflugkörpern vom Typ Basalt/Wulkan – der Marineversion der Langstreckenraketen vom Typ S-300 – und Osa-Kurzstreckenraketen ausgerüstet. Es verfügte zudem über Raketenwerfer und Torpedos. Außerdem verfügte die Moskwa über einen Helikopterlandeplatz beispielsweise für einen U-Boot-Jagdhubschraiber der Marke Kamow Ka-27.

Warum ist die „Moskwa“ gesunken?

Über den Grund für den Untergang der „Moskwa“ gibt es unterschiedliche Versionen. Das Kriegsschiff ist im Schwarzen Meer gesunken, wie auch Moskau nach längerem Hin und Her bestätigte. Die Ukraine reklamiert, es versenkt zu haben - was Russland bestreitet. Moskau erklärte, an Bord sei nach einem Brand zunächst Munition explodiert. Dann sei das angeschlagene und evakuierte Schiff abgeschleppt worden, jedoch während eines Sturms untergegangen.

An dieser Darstellung haben zumindest einige internationale Militärexperten ihre Zweifel: Der Wind in der Region um Sewastopol, wohin das Schiff mutmaßlich gebracht werden sollte, sei am Donnerstag gar nicht besonders stark gewesen, berichtete etwa der US-Sender CNN unter Berufung auf einen früheren General. Sewastopol auf der 2014 annektierten Halbinsel Krim ist der Hauptstandort der russischen Schwarzmeerflotte.

Die US-Regierung hat Angaben aus Kiew gestützt, wonach die „Moskwa“ Ziel von ukrainischen Raketen war. „Wir können bestätigen, dass das russische Schiff 'Moskwa' von zwei ukrainischen Neptun-Raketen getroffen wurde“, sagte ein hochrangiger Beamter des Verteidigungsministeriums am Freitag in Washington. Am Donnerstag hatte sich das Ministerium mit einer Einschätzung noch zurückgehalten.

Gab es beim Untergang der „Moskwa“ Tote?

Bis Freitag gab das russische Verteidigungsministerium nicht bekannt, ob der Untergang der „Moskwa“ Todesopfer forderte. Aus Moskau hieß es zwar, die Besatzung sei nach einem Brand auf andere Schiffe der Schwarzmeerflotte in der Gegend gebracht worden. Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, hingegen sagte dem TV-Sender CNN, es sei „wahrscheinlich“, dass es bei dem Vorfall Tote und Verletzte gegeben habe. An Bord seien bis zu 500 Soldaten gewesen.

„Ich weiß nicht, wie viele sie runtergebracht haben. Wir haben Hinweise gesehen, dass es Rettungsboote gab und dass einige Matrosen das Schiff verlassen konnten“, sagte Kirby, ein pensionierter Konteradmiral der US-Marine. „Aber falls es von einer Rakete getroffen wurde - selbst falls es nur eine interne Explosion war, die Munition verbrannt hat, so wie es die Russen sagen - wird man wahrscheinlich an Bord Tote und Verletzte haben.“

Reaktionen zum Untergang der „Moskwa“

Im täglichen Briefing des russischen Verteidigungsministeriums war von der gesunkenen „Moskwa“ schon am Freitagmorgen keine Rede mehr. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte später am Tag lediglich, dass Präsident Wladimir Putin derzeit keinen Besuch in Sewastopol plane. Und die Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“ berichtete gar nicht über das Schiff.

Aus Kiew kam nach dem Untergang große Häme. „Wo ist Moskau? Gesunken“, schrieb der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowytsch bereits am Donnerstag. Und Verteidigungsminister Olexij Resnikow twitterte schadenfroh, die Ukraine habe nun eine neue Attraktion für Taucher im Schwarzen Meer zu bieten. Auch er selbst wolle zu dem Schiffswrack hinunter schwimmen - „nach unserem Sieg im Krieg“.