Nach dem Tod von sechs jungen deutschen Skiurlaubern in Südtirol ermitteln die Behörden zu den Umständen des Unfalls und zur Geschwindigkeit des betrunkenen Fahrers.

Nur eine Woche nach einem schweren Lawinenunglück in Südtirol, bei dem drei Deutsche ums Leben kamen, hatte es in der Region der Südtiroler Alpen einen weiteren dramatischen Unfall mit Toten gegeben. Ein Auto ist in dem Ort Luttach in eine Reisegruppe gefahren und hat mindestens sechs Menschen aus Deutschland tödlich verletzt. Der Ort Luttach liegt im Ahrntal. Das Dorf ist bekannt bei Jugendgruppen aus Deutschland, die im Winter zum Skifahren kommen.

Das Auto sei gegen 1 Uhr nachts in der Nähe von Bruneck in die Gruppe gefahren - der italienische Nachrichtensender Rai nennt 1.15 Uhr als Zeitpunkt. Die Polizei geht aktuell von einem Unfall aus. Mehrere Menschen wurden verletzt, mindestens drei von ihnen schwer. Sie kamen in Krankenhäuser der Region. Eine Frau sei, so schreibt die „Bild“ mit einem Schädel-Hirn-Trauma per Hubschrauber in ein Krankenhaus nach Innsbruck in Österreich geflogen worden.

Trauer und Bestürzung in Italien und Deutschland

Nach der Alkoholfahrt des Südtirolers gab es viele Trauerbekundungen in Deutschland und Italien. Das Lokal in Steinhaus, wo die Reisegruppe zuletzt gefeiert hatte, kündigte an, die Disco bleibe am Abend danach geschlossen. Der italienische Regierungschef Giuseppe Conte übermittelte den Angehörigen in einer Erklärung sein Beileid. In Luttach kamen bis spät Menschen an den Unglücksort und stellten Grablichter auf.

Der Reiseveranstalter Semesterende Skireisen als Teil der Outdoor Travelers GmbH aus Aachen äußerte sich im Internet bestürzt, dass sich der schreckliche Unfall bei einer seiner Touren ereignet hatte.

Polizei ermittelt Hergang des Unfalls in Luttach/Südtirol

Die Polizei ermittelt weiter den Hergang des Unglücks, hieß es beim Landeskommando der Carabinieri. Dem Bild-Bericht zufolge sollen die jungen Menschen nach einem Disco-Besuch auf Höhe des Hotels Tiroler Hof ausgestiegen sein, um zu ihrer nicht weit entfernten Ferien-Unterkunft zu gehen, als das Auto heranrauschte.

Medien: Unfallfahrer von Luttach war betrunken

Wie die Bild-Zeitung unter Berufung auf die italienische Nachrichtenagentur Ansa weiter schreibt, soll der Fahrer des Unfallfahrzeuges von Luttach betrunken gewesen sein. In dem Bericht heißt es zudem, dass es sich um einen „27 Jahre alten Einheimischen“ handele. Ansa berichtete demnach, dass der Mann „einen sehr hohen Alkoholgehalt im Blut gehabt“ habe. Der Mann aus Kiens sei im Krankenhaus für weitere Untersuchungen. Dort seien 1,9 Promille festgestellt worden, berichtete die Deutsche Presse-Agentur am Sonntagmittag. Zudem werde der Fahrer auf Drogen hin untersucht.

Die italienische Nachrichtenagentur hatte am Sonntagmorgen (gegen 9.30 Uhr) berichtet, dass der Mann festgenommen worden sein soll. Ihm wird dem Bericht zufolge Tötung im Straßenverkehr vorgeworfen. Das könne, so Bild unter Berufung auf den italienischen Nachrichtensender Rai, bis zu zwölf Jahre Haft, mindestens aber sechs bedeuten.

Vier Opfer des Unfalls stammen aus NRW, eines aus Baden-Württemberg

Die Identifizierung gestaltete sich über den Tag hinweg schwierig. In der Gruppe hätten sich nicht alle untereinander gekannt und nicht alle hätten Dokumente bei sei gehabt, hieß es bei der Polizei. Mitarbeiter des deutschen Generalkonsulats in Mailand unterstützten die Behörden, die mit der Identifizierung der Verunglückten befasst sind, teilte das Auswärtige Amt am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP mit. Sie würden auch bei der Betreuung der Betroffenen helfen.

Mit Entsetzen haben die Menschen in Luttach den Unfall aufgefasst am Sonntag.
© Foto: Lino Mirgeler/dpa

In einer weiteren Meldung der Deutschen-Presse-Agentur hieß es zunächst, dass es sich bei den Opfern des schweren Verkehrsunglücks in Südtirol um junge Menschen aus Norddeutschland handele. Später berichtete die selbe Nachrichtenagentur, dass vier der Opfer aus Nordrhein-Westfalen - konkret aus Köln, Wuppertal und Dortmund - stammten. In einer früheren Version war auch Remscheid als Herkunftsort eines der Opfer genannt worden.

Am Abend wurde zudem bekannt, dass ein Todesopfer in Hamburg, wohnte, aber aus Baden-Württemberg stamme. Die Person sei in der Hansestadt aber gemeldet gewesen, sagte ein Sprecher des Lagezentrums der Polizei am Sonntag in Hamburg. Das sechste Opfer soll aus Niedersachsen stammen

Laut DPA waren die Opfer zwischen 20 und 25 Jahre alt. Zuvor hatte es zum Alter unterschiedliche Angaben gegeben, wonach die Opfer 20 und 21 oder anderen Berichten zufolge 22 und 23 Jahre alt gewesen sein sollen. Die Toten müssen noch abschließend identifiziert werden.

Opfer des Unfalls in den Südtiroler Alpen sollen Studenten sein

Die Gruppe habe nach einem Abend in einem Lokal und einer Disko an einem Reisebus in Luttach gestanden, als das Auto in die Gruppe gerast sei, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

„Dieses schreckliche Unglück macht mich fassungslos und unendlich traurig“, schrieb NRW-Ministerpräsident Laschet auf Twitter. „Dieser Tag ist ein trauriger Tag für unser ganzes Land.“ Die jungen Menschen „wollten gemeinsam eine gute Zeit erleben - und wurden von einer Sekunde auf die andere aus dem Leben gerissen oder schwer verletzt“, schrieb er.

Der Münchner Merkur konkretisierte in einem Bericht, dass es sich bei den jungen Opfern um Studenten gehandelt habe. Der Bericht wiederum bezog sich auf Rai Südtirol. Der „Merkur“ berichtete darüber hinaus, dass es sich bei der Straße in Luttach, an der sich der Unfall ereignete, um eine „Raserstrecke“ handeln solle. Die Unterkunft lag ganz in der Nähe der Unfallstelle. Die Ermittler gehen von einem Unfall und nicht von einer absichtlichen Tat aus.

Die Feuerwehr sperrte gemeinsam mit der Polizei und Rettungskräften die Straße nach dem Unfall in der Südtiroler Gemeinde Luttach.
© Foto: Freiwillige Feuerwehr Luttach/dpa

160 Rettungskräfte nach Unfall in Luttach im Einsatz

160 Einsatzkräfte waren nach dem Unfall in Luttach zufolge im Einsatz - darunter viele von der Freiwilligen Feuerwehr Luttach. Am Morgen sollte es eine Pressekonferenz in dem Ort geben. Diese soll Rai News zufolge um 8.30 Uhr stattfinden. Die Gegend liegt in Italien an der österreichischen Grenze und ist als Ski- und Wintersportgebiet bekannt.

Im Ahrntal leben rund 6600 Menschen, die nächstgrößeren Orte in der Umgebung sind Bruneck und Brixen auf italienischer sowie Mayrhofen auf österreichischer Seite. Das Tal zieht sich parallel zur Grenze der beiden Länder in Ost-West-Richtung. Insbesondere in Costa Molini und Steinhaus sind größere Liftanlagen für das Skigebiet errichtet. Luttach selbst ist ein Dorf der Gemeinde Ahrntal, die etwas mehr als 1000 Einwohner hat. Kiens, der Ort, aus dem der vermeintliche Todesfahrer stammt, liegt etwa 30 Kilometer von Luttach entfernt.

Rettungskräfte bauten nach dem Unfall in Luttach in Südtirol schnell Zelte auf und waren mit rund 160 Personen im Einsatz.
© Foto: Freiwillige Feuerwehr Luttach/dpa

Auch in der Touristenregion herrschte Entsetzen: „Das neue Jahr beginnt mit dieser schrecklichen Tragödie“, sagte der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher auf einer Pressekonferenz in Luttach. „Wir sind alle geschockt.“

Lawinenunglücke in Südtirol und der Schweiz am vergangenen Wochenende

Erst vergangenes Wochenende kamen bei einem Lawinenunglück im Schnalstal in Südtirol drei Deutsche ums Leben. Zudem war ein Mann aus Baden-Württemberg in der Schweiz im Gebiet der Lauchernalp von einer Lawine überrascht worden und gestorben.