Andrij Melnyk war vom 19. Dezember 2014 bis 2022 Botschafter der Ukraine in Deutschland. Der Jurist und Politiker spricht fließend Deutsch und Englisch und war bereits zwischen 2007 und 2010 in Deutschland als Generalkonsul der Ukraine in Hamburg tätig.
Melnyk wurde seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine für seine scharfe Kritik an der Bundesregierung bekannt. Von der Bundesregierung forderte er weitere Waffenlieferungen und eine Flugverbotszone. Im Sommer geriet er wegen Äußerungen zum ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera in die Kritik. Ihm wird Verharmlosung des Holocaust vorgeworfen. Am 9. Juli 2022 wurde seine Entlassung bekannt. Jetzt ist er Vizeaußenminister der Ukraine in Kiew.
  • Wer ist Andrij Melnyk?
  • Was ist über seine Familie und seine Herkunft bekannt?
  • Was hat er über Stephan Bandera gesagt?
  • Andrij Melnyk aus Deutschland abberufen: Warum wurde er entlassen?
Hier ein Überblick über den Diplomaten.

Steckbrief Andrij Melnyk: Alter, Herkunft, Familie

Alle Fakten auf einen Blick:
  • Name: Andrij Jaroslawowytsch Melnyk
  • Geburtstag: 7. September 1975
  • Alter: 46
  • Geburtsort: Lwiw
  • Wohnort: Berlin
  • Ehe: Svitlana Melnyk
  • Kinder: zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter
  • Beruf: Jurist, Politiker und Diplomat

Andrij Melnyk auf Twitter

Seit dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, der am 24. Februar 2022 begann, ist Andrij Melnyk auf Twitter besonders bekannt geworden. Dort postet er über seinen Frust gegenüber der Bundesregierung und wirft ihr vor, zu wenig zu tun.

Andrij Melnyk - Entlassung und Rückkehr nach Kiew

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Botschafter seines Landes in Deutschland, Andrij Melnyk, im Sommer 2022 entlassen. Das ging aus einem von der Präsidentenkanzlei in Kiew am 9.07.2022 veröffentlichten Dekret hervor. Der Diplomat war zuletzt in die Kritik geraten wegen Äußerungen über den ukrainischen Nationalisten und Antisemiten Stepan Bandera. Zuvor war bekanntgeworden, dass Melnyk abberufen werden sollte. Melnyk wurde anschließend in Kiew Vizeaußenminister.

Melnyk: Kritik nach Äußerungen über Stephan Bandera

Melnyk geriet zuletzt mit umstrittenen Äußerungen über den früheren Nationalistenführer Stepan Bandera (1909-1959) unter Druck. Melnyk hatte Bandera in einem Interview in Schutz genommen und gesagt: „Bandera war kein Massenmörder von Juden und Polen.“ Dafür gebe es keine Belege. Scharfe Kritik an den Äußerungen kamen unter anderem aus Polen und von der israelischen Botschaft in Berlin. Das ukrainische Außenministerium hatte erklärt, Melnyk habe seine persönliche Position wiedergegeben, die nicht die Haltung des Ministeriums sei. Melnyk selbst hat den Vorwurf zurückgewiesen, er habe mit seinen Äußerungen über Bandera den Holocaust verharmlost. „Jeder, der mich kennt, weiß: immer habe ich den Holocaust auf das Schärfste verurteilt“, schrieb Melnyk am Dienstag auf Twitter. Die Vorwürfe gegen ihn seien „absurd“.
Bandera war während des Zweiten Weltkriegs Anführer des radikalen Flügels der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN). Nationalistische Partisanen aus dem Westen der Ukraine waren 1943 für ethnisch motivierte Vertreibungen verantwortlich, bei denen Zehntausende polnische und jüdische Zivilisten ermordet wurden. Bandera floh nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland, wo er 1959 von einem Agenten des sowjetischen Geheimdienstes KGB ermordet wurde.

Andrij Melnyk: Seine Rolle im Ukraine-Krieg

Drei Monate lang - seit Beginn des russischen Truppenaufmarschs an der ukrainischen Grenze - ist Andrij Melnyk unermüdlich durch die deutschen Talkshows gezogen und hat in ungewöhnlich scharfer Tonlage von der Bundesregierung Waffen für die Verteidigung seines Landes eingefordert. „Ich kann nicht verstehen: Wie kann man so kaltherzig und stur bleiben“, hatte er sich noch am Tag des Kriegsbeginns über Deutschland beklagt.
Seitdem der Krieg ausgebrochen ist, ist Melnyks Ton noch schärfer geworden. Beginnend mit dem Boykott eines Konzerts für sein Land im Schloss Bellevue ließ er kaum eine Gelegenheit aus, um in Interviews, Talkshows und per Twitter gegen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier - aber auch gegen die Bundesregierung oder den Bundestag - zu wettern. Im „Spiegel“ warf er Steinmeier vor, die deutsch-russischen Beziehungen seien für ihn offenbar das „goldene Kalb“. Und dem „Tagesspiegel“ sagte er: „Für Steinmeier war und bleibt das Verhältnis zu Russland etwas Fundamentales, ja Heiliges, egal was geschieht. Auch der Angriffskrieg spielt da keine große Rolle.“
Andrij Melnyk hat eine Aufarbeitung der deutschen Russlandpolitik gefordert. „Wenn diese außenpolitische Katastrophe der Bundesrepublik nicht aufgearbeitet wird (…) dann läuft man Gefahr, dass sich etwas Ähnliches wiederholt und dass man sich wieder in eine Abhängigkeit begibt“, sagte Melnyk im Interview der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“.
(mit Material von dpa und AFP)