Überschwemmung in Brasilien
: In den Städten geht die Angst um

Bei den Überschwemmungen in Brasilien sind bisher mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen. Das Hochwasser birgt für die Bevölkerung gleich mehrere Gefahren.
Von
David Hahn
Porto Alegre
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Überschwemmung

In nur zehn Tagen ist in der Regionalhauptstadt Porto Alegre des Bundesstaates Rio Grande do Sul so viel Regen gefallen wie sonst in drei Monaten.

Carlos Macedo/AP/dpa

Im Süden Brasiliens ist zu den schwersten Überschwemmungen seit Jahrzehnten gekommen. Hunderttausende Menschen mussten nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Das Hochwasser birgt für die Bevölkerung neben den Überschwemmungen noch weitere Gefahren.

Überschwemmung in Brasilien: Tote, Verletzte und Vermisste

Bei den schweren Überschwemmungen im Süden Brasiliens sind bislang 113 Menschen infolge des Unwetters ums Leben gekommen, wie der örtliche Zivilschutz am Freitag mitteilte. Nach Angaben des Zivilschutzes wurden 756 Menschen verletzt und 146 weitere noch immer vermisst. Von dem Hochwasser seien mehr als 1,9 Millionen Menschen in 435 Ortschaften der Region betroffen. Über 400 000 Menschen hätten ihre Häuser verlassen und bei Angehörigen oder in Notunterkünften Schutz gesucht.

Verbreitung von Krankheitserregern und Trinkwasserprobleme

Überschwemmungen in Brasilien: 05.05.2024, Brasilien, Scharlau: Ein Mitglied eines Rettungsteams (r) bei der Evakuierung von Menschen in Scharlau, Sao Leopoldo, im Bundesstaat Rio Grande do Sul. Bei Überschwemmungen nach tagelangem Regen ist die Zahl der Toten im Süden Brasiliens weiter gestiegen. Foto: ---/XinHua/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Mitglied eines Rettungsteams (r) bei der Evakuierung von Menschen in Scharlau, Sao Leopoldo, im Bundesstaat Rio Grande do Sul

---/XinHua/dpa

Zahlreiche Gemeinden im Katastrophengebiet waren von der Strom– und Wasserversorgung abgeschnitten. Auch die Telefon– und Internetverbindungen wurden in vielen Ortschaften unterbrochen. Die Luftwaffe brachte Hilfsgüter in die Region, darunter Medizin, Wasseraufbereitungsanlagen und Lebensmittel. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen werde Zelte, Feldküchen, solarbetriebene Lampen und Hygieneartikel bereitstellen, sagte ein UNHCR–Sprecher am Freitag in Genf. In der vom Hochwasser betroffenen Region leben auch etwa 41 000 Flüchtlinge und Migranten aus Venezuela und Haiti.

Im Kampf gegen die Fluten waren Tausende Feuerwehrleute und Katastrophenschützer im Einsatz. Rettungskräfte versuchen gegen die Zeit anzukämpfen und Vermisste vor den Überschwemmungen oder Schlammlawinen zu retten. Insgesamt brachten die Einsatzkräfte nach Angaben des Zivilschutzes bereits über 70 000 Menschen und fast 1000 Tiere in Sicherheit. Mehrere Staudämme drohen derzeit zu brechen. Über eine Million Menschen sind zudem aktuell von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten. Durch das Hochwasser besteht weiterhin die Verbreitung von Krankheitserregern. In den überschwemmten Gebieten ist man jedoch auch wegen Menschen besorgt, welche die Notsituation verbrecherisch ausnutzen könnten.

Gefahr durch Einbrüche und Plünderungen

Aus Angst vor Einbrüchen und Plünderungen trauten sich viele Einwohner nicht, ihre Häuser zu verlassen. „Die vergangenen Tage waren sehr beängstigend. Ich kann die ganze Nacht nicht schlafen. Vor dem Haus gehen seltsame Gestalten um“, sagte eine 27–jährige Anwohnerin dem Portal „UOL“. Um Menschen aufzufinden, die von der Außenwelt abgeschnitten worden seien, setze die Luftwaffe auch Drohnen ein, berichtete die brasilianische Nachrichtenseite „G1“.

Sorge vor weiteren Überschwemmungen

Der brasilianische Wetterdienst Inmet sagte bis Sonntag weitere starke Regenfälle für die Region voraus. Der Zivilschutz von Rio Grande do Sul gab für einen großen Teil des Bundesstaates eine Warnung vor starkem Regen und heftigem Wind mit Geschwindigkeiten von mehr als 90 Kilometern pro Stunde heraus. Es bestand auch die Gefahr von Gewittern und Hagelschlag.

„Die Regenfälle in Rio Grande do Sul haben alle Rekorde gebrochen. Die Daten zeigen, dass es in weniger als 15 Tagen im ganzen Bundesstaat so viel geregnet hat wie in fünf Monaten zuvor, und es wird eine neue Kaltfront mit noch mehr Regen prognostiziert“, sagte der Meteorologe Carlos Nobre der staatlichen Nachrichtenagentur Agência Brasil. „Es wird zwar nicht so viel regnen wie in der letzten Woche, aber die Pegelstände der Flüsse werden hoch bleiben, und die Menschen in den niedrig gelegenen Gebieten werden weiterhin mit Überschwemmungen zu kämpfen haben.“

Wetter in Brasilien zwischen den Extremen

Brasilien litt zuletzt immer wieder unter extremen Witterungsbedingungen. Ende vergangenen Jahres beispielsweise ächzte das eigentlich feuchte Amazonasgebiet unter einer Jahrhundertdürre und extremer Hitze. Die Pegelstände vieler Flüsse sanken dramatisch, viele Tiere verendeten.

Extreme Wetterereignisse wie die Überschwemmungen im Süden von Brasilien kommen zwar von Natur aus immer mal wieder vor. Nach Einschätzung von Wissenschaftlern erhöht sich durch den Klimawandel allerdings sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität. „Der Klimawandel — aufgrund der globalen Erwärmung durch Treibhausgase, die wir in die Atmosphäre freisetzen — ist der Grund dafür, dass extreme Ereignisse immer häufiger auftreten und Rekorde brechen“, sagte der brasilianische Meteorologe Nobre.

Quellen:

  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: FAQ Hochwasser