Türkei: Lebensmittelvergiftung im Urlaub vermeiden - So schützt man sich

Worauf gilt es zu achten, um nicht an einer Lebensmittelvergiftung zu erkranken?
Ahmed Deeb/dpaZwei Kinder und ihre Mutter sind in der Türkei aus bisher ungeklärten Gründen gestorben. Der Vater wird derzeit auf der Intensivstation behandelt. Im Raum steht der Verdacht auf Lebensmittelvergiftung, wobei die Todesursache der drei verstorbenen Familienmitglieder derzeit noch ermittelt wird. Auch andere mögliche Hintergründe wären denkbar. Zum Beispiel wird aktuell auch in die Richtung von Pestiziden ermittelt, die in dem Hotel versprüht worden sein sollen. Der Verdacht auf eine Lebensmittelvergiftung und die mediale Berichterstattung rücken aktuell die Lebensmittelhygiene in der Türkei in den Fokus. Wie entstehen Lebensmittelvergiftungen und wie schützt man sich davor?
Lebensmittelvergiftung vs. Lebensmittelinfektion
Eine Lebensmittelvergiftung entsteht durch den Verzehr von Nahrungsmitteln, die mit giftproduzierenden Bakterien oder deren Toxinen verunreinigt sind. Im Gegensatz dazu lösen bei einer Lebensmittelinfektion die Erreger selbst die Krankheit aus. Beide führen zu ähnlichen Symptomen des Verdauungstrakts. Typische Auslöser für eine Lebensmittelvergiftung sind:
- Bakterielle Toxine: Bestimmte Bakterien, zum Beispiel Staphylococcus aureus, Clostridium perfringens oder Bacillus cereus, bilden Gifte, die schon vor dem Verzehr im Lebensmittel vorhanden sein können. Viele dieser Toxine entstehen, wenn Speisen nicht ausreichend gekühlt oder zu lange warmgehalten werden.
- Schimmelpilzgifte: Schimmelpilze können giftige Stoffe bilden, die zu schweren Vergiftungen führen können.
- Marine Biotoxine: Fische und Muscheln können sogenannte Algentoxine enthalten, die sich im Gewebe der Tiere anreichern. Einige dieser Biotoxine sind hitzestabil und werden durch Kochen nicht zerstört.
- Pflanzliche Gifte: Beispiel: Glykoalkaloide in grünen oder beschädigten Kartoffeln.
Wer besonders gefährdet ist
Eine Lebensmittelvergiftung kann jeden treffen. Bestimmte Gruppen sind jedoch besonders anfällig für schwere Verläufe: Säuglinge und Kinder, Schwangere, ältere Menschen oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Häufige Symptome einer Lebensmittelvergiftung
Typisch für eine Lebensmittelvergiftung sind: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall (mitunter blutig), Bauchkrämpfe, Fieber und Schüttelfrost. Die Beschwerden setzen oft wenige Stunden nach dem Essen ein und klingen in vielen Fällen innerhalb von ein bis drei Tagen ab.
Wann ärztliche Hilfe nötig ist
Medizinischer Rat sollte laut der Apotheken-Umschau eingeholt werden, wenn der Durchfall länger als drei Tage anhält, Durchfall blutig ist, anhaltendes Erbrechen auftritt, Fieber oder deutliche Schwäche bestehen, Betroffene zur Risikogruppe gehören oder Symptome von Lähmungen oder Sehstörungen auftreten (Verdacht auf Botulismus – sofort Notruf).
Wie man das Risiko für Lebensmittelvergiftungen verringert
Sowohl im eigenen Haushalt als auch unterwegs lassen sich Risiken deutlich reduzieren. Die wichtigsten Handlungsempfehlungen gibt es im Folgenden als Überblick:
1. Hände waschen
Gründliches und regelmäßiges Händewaschen nach jedem Toilettengang, vor und nach der Küchenarbeit sowie vor dem Essen ist unabdingbar.
2. Richtige Kühlung
- Verderbliche Lebensmittel stets im Kühlschrank lagern.
- Gekochte Speisen zügig abkühlen lassen und kalt stellen.
- Heißspeisen entweder über 60 Grad halten oder rasch abkühlen – der Bereich zwischen 7 und 60 Grad begünstigt Keimwachstum.
3. Saubere Küche
- Hände gründlich waschen vor dem Kochen, nach dem Kontakt mit rohem Fleisch, Fisch oder Eiern.
- Arbeitsflächen, Bretter und Messer sofort reinigen.
- Spüllappen und Schwämme regelmäßig wechseln.
4. Kreuzkontamination vermeiden
- Rohes Fleisch und Fisch getrennt von anderen Lebensmitteln verarbeiten.
- Eigene Schneidebretter für rohe tierische Produkte nutzen.
5. Lebensmittel ausreichend erhitzen
- Fleisch, Geflügel und Fisch vollständig durchgaren.
- Vorsicht bei Speisen, die lange warmgehalten wurden oder Ei enthalten (z. B. Feinkostsalate, Süßspeisen).
6. Verdorbene Lebensmittel konsequent entsorgen
- Ungewöhnlicher Geruch oder Geschmack: nicht essen.
- Aufgeblähte Konserven nicht öffnen, sondern entsorgen – sie können Botulismus-Bakterien enthalten.
Besondere Vorsicht auf Reisen
Was auf Reisen besonders gilt: In Ländern mit warmem Klima oder geringeren Hygienestandards steigt das Risiko für Lebensmittelvergiftungen. Es wird als Grundsatz empfohlen: „Koch es, schäle es oder lass es sein.“
Das bedeutet:
- Keine rohen Fisch- oder Fleischprodukte.
- Bestimmte Algen können Gifte bilden, die sich in Fischen, Muscheln und Schalentieren anreichern und auch durch Kochen nicht zerstört werden. Nach Algenblüten steigt das Risiko deutlich, bis hin zu schweren neurologischen Symptomen wie Lähmungen oder Atemversagen.
- Vorsicht bei Gerichten von Imbissständen oder aus Garküchen
- Obst und Gemüse nur verzehren, wenn es geschält oder gründlich gewaschen wurde.
Vorsicht bei Buffets, Eis oder Eiswürfeln. - Offene Getränken, oder Säfte, die schon länger stehen, nicht trinken
- Leitungswasser in Risikogebieten nicht trinken – auch nicht zum Zähneputzen.
