Erdbeben vor Russland
: Japan und Hawaii heben Tsunami-Warnung auf – Vulkan in Russland ausgebrochen

Eines der stärksten Erdbeben der Geschichte hat Tsunami-Warnungen für den gesamten Pazifikraum ausgelöst. Die aktuelle Lage im Überblick.
Von
Nicole Züge
Berlin
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Erdbeben vor Russlands Ostküste - Tsunami-Warnungen Japan

Tsunami-Alarm nach Erdbeben vor Russland: In einigen Staaten gibt es aktuell aber erste, vorsichtige Tsunami-Entwarnungen.

Muneyoshi Someya/Kyodo News/AP/dpa

Tsunami-Alarm im gesamten Pazifikraum! Aufgrund eines Erdbebens mit der Stärke 8,8 in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (30. Juli 2025) vor der russischen Halbinsel Kamtschatka war der gesamte Pazifik-Raum zur potenziellen Gefahrenzone geworden. Zur Stunde schwächen einige Länder ihre Tsunami-Warnstufen ab.

Laut dem geophysikalischen Dienst der Russischen Akademie der Wissenschaften handelte es sich um das stärkste Erdbeben in der russischen Region Kamtschatka seit 1952. Damals hatte ein Beben der Stärke 9,0 an etwa derselben Stelle einen zerstörerischen Tsunami im gesamten Pazifikraum ausgelöst.

Erdbeben vor Kamtschatka: Karte zeigt zahlreiche Nachbeben

Das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam gab die Stärke des Mega-Bebens vor Russland nach Angaben von Nachrichtenagenturen zunächst mit 7,8 an, die USGS, eine Behörde der USA, ging von einer Stärke von 8,8 aus. Der letzte Wert gilt mittlerweile als gesichert.

Nach Angaben russischer Behörden soll es das stärkste Erdbeben in der russischen Region Kamtschatka seit 1952 gewesen sein. Damals hatte ein Beben der Stärke 9,0 an etwa derselben Stelle einen zerstörerischen Tsunami im gesamten Pazifikraum ausgelöst, der auch Hawaii traf und Schäden von über einer Million US-Dollar verursachte. Genaue Zahlen zu damaligen Todesfällen sind nicht bekannt, Schätzungen gehen von mindestens 10.000 aus.

Das Erdbeben hatte zahlreiche Nachbeben zur Folge. Eines davon hatte die Stärke 6,9, ein anderes die Stärke 6,3. Die Nachbeben sind auch auf Karten der USGS verzeichnet:

Aktuelle Erdbeben vor Kamtschatka

Aktuelle Erdbeben vor Kamtschatka

Screenshot USGS

Tsunami-Alarm im Pazifik: So ist die Lage auf Hawaii und in Japan

Im US-Bundesstaat Hawaii wurde am Mittwochmittag (30.7.) die Evakuierungsanordnung für flutgefährdete Küstengebiete aufgehoben. Zuvor hatte das Pazifik-Warnzentrum seine anfängliche Warnung auf einen einfachen Hinweis herabgestuft und erklärt, die durch das Erdbeben erzeugten Wellen stellten keine Gefahr mehr dar. In den Stunden zuvor erreichten örtlich bis zu 1,50 Meter hohe Wellen die Küste der Inselgruppe. Größere Schäden soll es glücklicherweise aber nicht gegeben haben. Da es für viele Teile der Küste keine Messwerte gäbe, könne die endgültige Lage aber erst beurteilt werden, wenn es wieder hell wird.

Wegen der Tsunami-Warnung für die Hawaii-Inselgruppe im Pazifik gibt es aktuell keine Flüge von und nach Maui. Alle Flüge seien für heute Abend gestrichen worden, sagte Gouverneur Josh Green in einer Pressekonferenz. Etwa 200 Menschen hätten in einem Terminal Zuflucht gefunden.

Auch Japan ist das Schlimmste überstanden. Die japanische Wetterbehörde stufte ihre Tsunami-Warnungen am frühen Nachmittag auf die niedrigste Stufe herab. Die Bewohner entlang der Pazifikküste sollen jedoch bis auf Weiteres vorsichtig bleiben. Stellenweise waren Flutwellen von bis zu 1,30 Meter Höhe registriert worden. Mehr als zwei Millionen Menschen waren aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu begeben.

Tsunami-Warnung bleibt in diesen Regionen bestehen

Die Marquesas-Inseln, die zu Französisch-Polynesien gehören, müssen sich hingegen auf eine mögliche Gefahr einstellen. Hier wird aktuell vor meterhohen Wellen gewarnt. Auf der Insel Nuka Hiva könnten sie eine Höhe zwischen 1,10 und vier Metern erreichen, erklärten die Behörden. Auch die Inseln Ua Huka und Hiva Oa seien voraussichtlich von den Folgen des Erdbebens betroffen.

In Chile evakuierten die Behörden die Küstengebiete des südamerikanischen Landes. In der Ortschaft Hanga Roa auf der zu Chile gehörenden Osterinsel im Pazifik sei die Küstenpromenade gesperrt worden, berichtete der Radiosender Cooperativa. Der Großteil der Bevölkerung lebe allerdings in höher gelegenen Gebieten, die als sicher gelten. Auf dem Festland erklärte der Katastrophenschutz die Alarmstufe Rot für den gesamten Küstenstreifen und forderte seine Regionaldirektionen dazu auf, die gefährdeten Gebiete zu evakuieren. Präsident Gabriel Boric rief die Bevölkerung zur Ruhe auf und bat darum, den offiziellen Anordnungen Folge zu leisten.

Auch Ecuador ordnete eine Evakuierung auf seinen Pazifikinseln an. Auf den Galapagos-Inseln sollen sich die Menschen in die eingerichteten Sicherheitszonen begeben.

Höchster aktiver Vulkan Eurasiens ausgebrochen

Wenige Stunden nach dem schweren Erdbeben ist auf Russlands fernöstlicher Halbinsel auch der höchste Vulkan ausgebrochen. Am Kegel des 4.750 Meter hohen Kljutschewskoj sei ein starkes Glühen zu beobachten, teilten Geophysiker von der Russischen Akademie der Wissenschaften mit. An einer Flanke laufe Lava herab, Explosionen seien zu hören.

Der Berg, auch bekannt als Kljutschewskaja Sopka, liegt etwa 400 Kilometer nördlich der Regionalhauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski. Er gilt als der höchste aktive Vulkan Eurasiens und gehört zum Pazifischen Feuerring. Die gesamte Region ist seismisch sehr aktiv.

Auswärtiges Amt warnt Deutsche vor Tsunami-Gefahr

Aktuell warnt das Auswärtige Amt (AA) deutsche Reisende in zahlreichen Ländern. Auf der Liste stehen aktuell diese Reiseländer: USA (insbesondere Bundesstaat Hawaii), Russland, (insbesondere Halbinsel Kamtschatka), Ecuador, Kiribati, Salomonen, Peru, Chile und Costa Rica und Indosien.

In den Reisehinweisen heißt es: „Bitte halten Sie sich von der Küste fern, begeben Sie sich in höhergelegene Gebiete, verfolgen Sie die internationalen, lokalen und sozialen Medien und folgen Sie den Anweisungen der örtlichen Behörden.“ Eine Karte zeigt die betroffenen Gebiete:

NOAA Tsunami-Warnkarte

Eine Tsunami-Warnkarte der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) zeigt die aktuellen Tsunami-Warnungen (rot; betroffen sind Hawaii und Kamschatka), Hinweise (orange; betroffen ist die Westküste der USA), Beobachtungen (gelb) und Bedrohungen (lila).

NOAA

Tsunami-Livestreams auf Hawaii beobachten die Lage

Das lokale Fernsehen auf Hawaii zeigt Live-Cams von Stränden, um mögliche Bewegungen zu beobachten:

Tsunami-Livestreams auch in Japan

Die japanischen Behörden stuften ihre Tsunami-Warnung am Vormittag (Ortszeit) zunächst hoch. Gegen 12 Uhr am Mittag des 30. Juli wurden die Warnungen für einige Teile der japanischen Pazifikküste wieder herabgestuft. 

An der Küste der nördlichen Präfektur Hokkaido sowie der Präfektur Iwate im Nordosten kamen am Mittwochvormittag deutscher Zeit Flutwellen mit einer Höhe von bis zu 1,30 Metern an.

Fukushima wurde evakuiert

Der Betreiber des zerstörten Kernkraftwerks Fukushima, Tepco, hat alle Arbeiter in Sicherheit gebracht. Die Kühlung der zerstörten Reaktoren blieb stabil, der Betrieb wurde vorsorglich gestoppt.

Mit Material von dpa.