True Crime NRW
: Der Holzklotz-Mord – Mutter stirbt bei heimtückischem Angriff

Im Jahr 2008 ist eine Familie auf der A29 unterwegs, als jemand absichtlich einen Holzklotz von der Autobahnbrücke wirft und das Leben der Mutter beendet.
Von
Rose Abbas Mohammad
Telgte
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Ein Rettungswagen fährt über eine Autobahn in Niedersachsen. (zu dpa: „Lkw durchbricht Mittelschutzplanke — Sperrung der A29 nahe Oldenburg»)

2008 stirbt eine junge Mutter durch einen von der Autobahnbrücke geworfenen Holzklotz.

Julian Stratenschulte/dpa

Am 23. März 2008 verliert eine junge Mutter auf der A29 ihr Leben, als ein Holzklotz von einer Autobahnbrücke auf das Auto ihrer Familie geworfen wird. Die absichtliche Tat hinterlässt eine große Trauer und wirft viele Fragen nach dem Täter auf.

Was ist passiert?

Valentin, seine Frau Masha und ihre beiden Kinder, neun und sieben Jahre alt, sind am Ostersonntag 2008 auf der A29 unterwegs. Von Wilhemshaven aus fahren sie in Richtung Heimat, ins nordrhein-westfälische Telgte. Die Familie plant am nächsten Tag ein großes Familientreffen anlässlich der Osterfeiertage.*

Nach 42 Kilometern auf der Autobahn ertönt ein lauter Knall. Valentin begreift im ersten Moment nicht, was geschehen ist. Sofort bringt er das Auto zum Stehen und schaut nach seinen Kindern. Diese stehen unter Schock, sind aber unverletzt. Als er sich seiner Frau Masha zuwendet, bemerkt er, dass sie reglos ist. Ein schwerer Holzklotz liegt auf ihrem Schoß und hat ein großes Loch in die Windschutzscheibe gerissen.

Kurz darauf treffen Rettungswagen und Polizei ein, aber jede Hilfe kommt zu spät. Sie erlitt einen Schädelbruch und ihre Halsschlagader wurde durch den Aufprall zerrissen. Masha, nur 33 Jahre alt, stirbt noch vor Ort an ihren schweren Verletzungen.

Die ErmittlerInnen finden schnell heraus, dass der sechs Kilogramm schwere Pappelklotz absichtlich von einer Brücke auf die Autobahn geworfen wurde. Doch die drängenden Fragen bleiben: Wer konnte zu einer solchen Tat fähig sein? Wer hat dieses Verbrechen zu verantworten?

Wer ist der Täter?

Ein zum Tatzeitpunkt 30-jähriger und arbeitsloser Mann aus Rastede wurde am 20. Mai 2008 festgenommen, nachdem ein Haftbefehl wegen Mordes und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr erlassen wurde. Zuvor hatte er sich am 05. April als Zeuge gemeldet und erklärt, dass er den Holzklotz auf einem Radweg an die Seite gestellt habe, weshalb seine Fingerabdrücke darauf zu finden seien. Schließlich gesteht der 30-Jährige die Tat offiziell, widerruft sie aber kurze Zeit später wieder.

Am 20. Mai 2009, nach 30 Verhandlungstagen, verurteile das Landgericht Oldenburg den Mann zu lebenslanger Haft wegen Mordes, dreifachen versuchten Mordes und vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Was war das Motiv des Mannes? Warum musste eine junge Mutter so sinnlos sterben?

Mehr dazu in Folge 125: „Gemein und gefährlich“ des Podcasts „Mordlust“.

Wartende Medienvertreter bestimmen am Dienstag (04.11.2008) zum Auftakt des sogenannten "Holzklotz-Prozesses" das Bild vor dem Landgericht Oldenburg. Angeklagt ist ein 30 Jahre alter Mann aus Rastede, dem vorgeworfen wird am Ostersonntag einen sechs Kilogramm schweren Holzklotz von einer Autobahnbrücke auf die A29 bei Oldenburg geworfen zu haben. Der Klotz durchschlug die Windschutzscheibe eines PKW und tötete die Beifahrerin vor den Augen ihrer Familie. Der mutmaßliche Täter ist wegen Mordes aus Heimtücke und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr angeklagt. Foto: Ingo Wagner dpa/lni +++ dpa-Bildfunk +++

Wartende Medienvertreter am Dienstag 04.11.2008 zum Auftakt des sogenannten "Holzklotz-Prozesses" vor dem Landgericht Oldenburg.

Ingo Wagner/ dpa

True Crime: Mordlust – Der Podcast

Der True-Crime-Podcast „Mordlust – Verbrechen und ihre Hintergründe“ wird von den Journalistinnen Paulina Krasa und Laura Wohlers moderiert. Wöchentlich erzählen sie ihren ZuhörerInnen einen wahren Kriminalfall aus Deutschland. Dabei ordnen sie das Geschehen ein und diskutieren die juristischen, psychologischen und gesellschaftlichen Aspekte. Die beiden suchen nach Erklärungen und sprechen auch mit ExpertInnen über die Taten.

*Alle hier erwähnten Namen entsprechen nicht den realen Personen. Diese Änderung wurde vom Podcast „Mordlust“ vorgenommen.