True Crime
: Lkw-Fahrer ermordet junge Anhalterin

Im Sommer 2018 wurde eine 28-jährige Studentin und Aktivistin aus Amberg Opfer eines Gewaltverbrechens. Der Fall erregte bundesweit Aufsehen und wurde später von Rechtsextremisten politisch instrumentalisiert.
Von
Rose Abbas Mohammad
München
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Prozess wegen vierfachen Mordes

Eine junge Aktivistin wird Opfer eines Femizids. Die Familie und Freunde der 28-Jährigen versuchen alles, um den Fall zu lösen, doch stoßen auf immer größer werdende Hürden.

Focke Strangmann/dpa

Helena ist 28 Jahre alt, als sie ermordet wird. Freunde und Familie setzen alles daran, um den Fall aufzuklären, doch die Polizei erschwert die Suche nach der jungen Frau. Was ist im Sommer 2018 wirklich passiert? *

Was ist passiert?

Am 14. Juni 2018 macht sich die 28-jährige Helena auf den Weg von Leipzig in ihre Heimatstadt Amberg, um den Geburtstag ihres Vaters zu feiern. An der Autobahnraststätte Schkeuditz sucht sie nach einer Mitfahrgelegenheit und spricht den marokkanischen Fernfahrer Mohammed an, der sie in seinem blauen Lkw mitnimmt. Während der Fahrt meldet sich Helena um19:44 Uhr bei ihren Freunden und schreibt ihnen, dass sie mit einem „marokkanischen Trucker“ unterwegs sei. Gegen 19:47 Uhr halten sie an einem Autohof bei Berg/Bad Steben, um eine Kaffeepause zu machen. Anschließend fahren sie weiter. Als jedoch Mohammed um etwa 21:03 Uhr unerwartet am Rastplatz Sperbes in Oberfranken anhält, wundert sich Helena, denn sie befinden sich nur noch etwa 20 Kilometer von ihrer Heimatstadt entfernt.

Später wird sich herausstellen, dass Mohammed den Stopp nutzen wollte, um sich Helena sexuell anzunähern. Helena weist ihn zurück, wodurch sich Mohammed gekränkt fühlt und sie mit einem 40 cm langen Radmutterschlüssel erschlägt. Als er bemerkt, dass sie noch am Leben ist, schlägt er abermals auf sie ein, bis sie schließlich ihren Verletzungen erliegt. Er fesselt sie anschließend mit Kabelbindern und versteckt die Leiche im Inneren seines Lkws. Nach einer 72-stündigen Fahrt legt er sie am 18. Juni 2018 an einer Tankstelle ab, überschüttete sie mit Benzin und setzt sie in Brand.

Am 19. Juni 2018 konnte ihr Mörder dank der Hilfe von Freunden und Familie in Südspanien festgenommen werden.

Wer ist der Täter?

Der zum Tatzeitpunkt 41-jährige Täter war verheiratet und Vater von drei Töchtern und einem Sohn. Er stammt ursprünglich aus Marokko und erhielt im Sommer 2018 den Auftrag, für eine Spedition Maschinenzubehör in Europa nach Marokko zu transportieren. Am 18. September 2019 wird Mohammed zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes in Tatmehrheit mit gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Rechtsextremisten instrumentalisieren die Tat

Seit Bekanntwerden der Herkunft des Täters wurde der Fall von Rechtsextremisten instrumentalisiert. Kurz nach den Medienberichten erhielten Helenas Angehörige Hassnachrichten und Morddrohungen, in denen ihnen vorgeworfen wurde, durch ihr Engagement gegen Ausländerfeindlichkeit, Mitschuld an Helenas Tod zu tragen.

Mehr dazu in Folge 153: „Per Anhalter in den Tod“ des Podcasts „Mordlust“.

True Crime: Mordlust – Der Podcast

Der True-Crime-Podcast „Mordlust – Verbrechen und ihre Hintergründe“ wird von den Journalistinnen Paulina Krasa und Laura Wohlers moderiert. Wöchentlich erzählen sie ihren ZuhörerInnen einen wahren Kriminalfall aus Deutschland. Dabei ordnen sie das Geschehen ein und diskutieren die juristischen, psychologischen und gesellschaftlichen Aspekte. Die beiden suchen nach Erklärungen und sprechen auch mit ExpertInnen über die Taten.

*Alle hier erwähnten Namen entsprechen nicht den realen Personen. Diese Änderung wurde vom Podcast „Mordlust“ vorgenommen.