Katastrophe von Kaprun: Flammeninferno in der Gletscherbahn

Bergungsarbeiter bei der Inspektion von Überresten der verbrannten Tunnel-Gletscherbahn am Kitzsteinhorn bei Kaprun. Am 11.11.2024 jährt sich der Seilbahnbrand von Kaprun mit 155 Toten zum vierundzwanzigsten mal.
picture alliance/dpa/epa apa | Franz NeumayrDie Katastrophe von Kaprun im Jahr 2000 kostete 155 Menschen das Leben und ließ viele Fragen offen. Bis heute zweifeln die Hinterbliebenen die gerichtlichen Freisprüche an und kämpfen um Gerechtigkeit.
Was ist passiert?
Am 11. November 2000 sind die Berggipfel der österreichischen Alpen bereits tief verschneit. Für viele Wintersportbegeisterte, darunter auch Hartmut, 51 Jahre alt, sein Sohn Patrick, 27 und dessen Verlobte Klara, beginnt der Tag wie ein gewöhnlicher Skiausflug.* Sie wollen das Kitzsteinhorn besteigen, ein verschneiter Gletscherberg, der das ganze Jahr über Schnee bietet. Ihre Reise führt sie zu Talstation der Gletscherbahn, welche sie den Berg hinaufbringen soll.
Die Gletscherbahn fährt durch einen fast drei Kilometer langen Tunnel, tief in den Berg hinein. Um 09:02 Uhr, als der Zug bereits gut 600 Meter im Tunnel zurückgelegt hatte, stehen die Fahrgäste dicht gedrängt in den Wagons. Plötzlich brechen Flammen am hinteren Ende der Bahn aus und breiten sich rasch in den Fahrgastraum aus. Die Bahn kommt abrupt zum Stehen, ausgelöst durch eine Notbremsung. Doch die Türen öffnen sich nicht.
Eine schicksalhafte Entscheidung
Der Oberpfälzer Hartmut schafft es, ein Fenster aufzubrechen und flieht mit anderen Freunden nach unten, entlang der Flammen und raus aus dem Todestunnel.
Die Zeit drängt für die Passagiere in der Bahn, denn die Flammen breiten sich schnell aus und hüllen die Wagons, samt dem Tunnel in ein Inferno. Alle, die sich im Gegensatz zu Hartmut dazu entscheiden, nach oben zu fliehen, weg von den Flammen, werden von diesen unglücklicherweise deutlich schneller eingeholt. Um 09:12 Uhr geht ein Notruf ein, und ein Großaufgebot an Einsatzfahrzeugen macht sich auf den Weg. Jedoch liegt das untere Ende des Tunnels zu tief, um für die Rettungskräfte zugänglich zu sein. Nur 23 Minuten nach dem Notruf wird die Rettung abgebrochen und die Menschen müssen ihrem Schicksal überlassen werden.
Hartmut liegt wenig später mit einer schweren Rauchgasvergiftung und anderen Verletzungen im Krankenhaus. Sein Sohn Patrick hat die Katastrophe überlebt, denn er hatte keinen Platz mehr in der Bahn bekommen – im Gegensatz zu seiner Verlobten Klara. Diese konnte sich nicht aus der Gletscherbahn befreien und kam ums Leben.
Am Ende diese Tragödie verlieren 155 Menschen ihr Leben. Was geschah in der Gletscherbahn von Kaprun? Wer trägt die Schuld an diesem Albtraum?
Wer sind die Schuldigen?
Im Strafverfahren zur Katastrophe von Kaprun wurden alle 16 Beschuldigten freigesprochen, da das Gericht zu dem Schluss kam, dass der Brand durch einen Defekt am Heizlüfter entstand und eine Verkettung unglücklicher Umstände zur Tragödie führte. Viele Hinterbliebene zweifeln jedoch bis heute die Urteile an und fordern Gerechtigkeit. Denn die Gutachter argumentieren, dass die Ursache eigentlich eine andere war.
Mehr dazu in Folge 147: „Höllenfahrt“ des Podcasts „Mordlust“.
True Crime: Mordlust – Der Podcast
Der True-Crime-Podcast „Mordlust – Verbrechen und ihre Hintergründe“ wird von den Journalistinnen Paulina Krasa und Laura Wohlers moderiert. Wöchentlich erzählen sie ihren ZuhörerInnen einen wahren Kriminalfall aus Deutschland. Dabei ordnen sie das Geschehen ein und diskutieren die juristischen, psychologischen und gesellschaftlichen Aspekte. Die beiden suchen nach Erklärungen und sprechen auch mit ExpertInnen über die Taten.
*Alle hier erwähnten Namen entsprechen nicht den realen Personen. Diese Änderung wurde vom Podcast „Mordlust“ vorgenommen.