True Crime aus Rheinland-Pfalz: Für 53 Jahre unschuldig im Gefängnis?

Die lange Haftzeit, von 53 Jahren und die umstrittenen Umstände des Prozesses von Klaus Bräunig werfen weiterhin Fragen zur Gerechtigkeit und den Beweismethoden auf. Ist er unschuldig?
Bernd Weißbrod/Symbolbild/dpaKlaus Bräunig, verurteilt für den Doppelmord an einer Mainzer Kinderärztin und ihrer Tochter im Jahr 1970, bestreitet seit Jahrzehnten seine Schuld. Trotz neuer Hinweise und eines Antrags auf Wiederaufnahme des Verfahrens bleibt seine Verurteilung umstritten.
Was ist passiert?
Vom 12. auf den 13. April 1970 wurden die Mainzer Kinderärztin Margot Geimer und ihre 17-jährige Tochter Dorothee im eigenen Haus brutal ermordet. Der Täter hinterließ keine Spuren, trotz des extrem grausamen Tathergangs. Wenige Monate nach dem Verbrechen nahm die Polizei den damals 26-jährigen Klaus Bräunig fest. Er geriet ins Visier der Beamten, nachdem er Studentinnen voyeuristisch beobachtet hatte. Daraufhin wurde der junge Bräunig mehrere Tage hintereinander ohne Anwalt und stundenlang verhört. Laut seiner Aussage gestand er die Tat unter dem Druck der ErmittlerInnen. Später widerrief er das Geständnis, gestand die Tat jedoch noch zweimal erneut, nur um auch diese Geständnisse wieder zurückzunehmen.
Lebenslange Freiheitsstrafe
1972 wird Klaus Bräunig, damals Ende 20, zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Die Tatsache, dass er den Mord dreimal gestand, ist ausschlaggebend für das Gerichtsurteil. Bräunig wird allerdings eine verminderte Intelligenz nachgewiesen, er kann weder gut lesen noch schreiben und machte widersprüchliche Aussagen zu der Tat. Zudem stellte sich heraus, dass es sich bei dem Mord an Margot und Dorothee um keinen Sexualdelikt handelt.
Carolin Arnemann ist Rechtsanwältin und widmete sich seinem Fall, nachdem er bereits über 50 Jahre im Gefängnis gesessen hatte, denn eins ist klar: Viele Fragen rund um den Tathergang und die Beweislage blieben ungeklärt. Doch das Gericht hielt an der Verurteilung fest. Was geschah wirklich in der Aprilnacht 1970 und warum musste Klaus Bräunig so lange in Haft bleiben?
Freiheit nach 53 Jahren im Gefängnis
Am 20.08.2023, nach 53 Jahren im Gefängnis und mehreren abgelehnten Bewährungsanträgen setzt sich seine Anwältin, Carolin Arnemann, bis vor das Bundesverfassungsgericht durch. Ein Gericht in Koblenz setzt schließlich die Strafe zur Bewährung aus, da keine Gefahr mehr von Bräunig ausgehe. Schafft er es, seine Unschuld zu beweisen?
Mehr dazu in der Folge: „52 Jahre unschuldig im Knast?“ des ARD Crime Time Podcasts
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Der True-Crime-Podcast „ARD Crime Time – Der True-Crime-Podcast“ wird zweimal pro Monat veröffentlicht und von den Hosts Anne Eichhorn, Felix Gebhardt und Mattis Kießing moderiert.