True Crime aus Baden-Württemberg
: Partnersuche endet tödlich

Ein Mann erschießt 1997 eine Heiratsvermittlerin. Seine langjährige, frustrierende Suche nach einer Partnerin endet in einem Gewaltakt.
Von
Rose Abbas Mohammad
Leonberg
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An official holds a starting pistol during the women's 400m final of the athletics event at the Paris 2024 Olympic Games at Stade de France in Saint-Denis, north of Paris, on August 9, 2024. (Photo by Kirill KUDRYAVTSEV / AFP)

1997 wurde in Leonberg eine Partnervermittlerin von einem Kunden erschossen. Wieso kam es zu diesem grausamen Verbrechen?

KIRILL KUDRYAVTSEV/AFP

Im April 1997 ereignet sich in Leonberg ein aufsehenerregendes Verbrechen: Ein Mann erschießt die Inhaberin einer Partnervermittlungsagentur mit neun Schüssen. Was war das Motiv des Täters?

Was ist passiert?

Ein zum Tatzeitpunkt Mitte 30-jähriger Mann lebt seit seiner Jugend in der Region Ulm und ist seit Jahren auf der verzweifelten Suche nach einer Frau und Sexualpartnerin. Seit Jahren versucht er sein Glück und antwortet auf zahlreiche Zeitungsannoncen, doch Frauen, die ihn treffen, werden oft von seinem Verhalten und dem äußeren Erscheinungsbild abgeschreckt.

Frustriert über seine vergebliche Suche wendet er sich schließlich an Heiratsvermittlungsagenturen. Vor allem die Vermittlung von Frauen aus Osteuropa ziehen seine Aufmerksamkeit an.

Im Jahr 1997 zahlt der Täter 2800 Mark an eine Agentur in Leonberg für die Vermittlung einer ukrainischen Frau. Diese zeigt jedoch nach einem Treffen kein Interesse mehr und eröffnet ihm, dass sie Kinder habe und die Vermittlung auch davon Bescheid wüsste. Wütend fordert der Mann sein Geld zurück und zeigt die Agentur wegen Betruges an, da die Partnervermittlerin verschwiegen hatte, dass die Ukrainerin nicht kinderlos war – eine seiner zentralen Bedingungen.

Tage später eskaliert die Situation: Bei einer erneuten Konfrontation des Mannes gegenüber der 41-jährigen Partnervermittlerin zieht der Mann eine Pistole hervor. Die Frau flieht ins Treppenhaus der Agentur, doch er folgt ihr und feuert von hinten insgesamt neunmal auf ihren Rücken. Acht der Kugeln treffen sie und sie verblutet noch am Tatort. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer Hinrichtung.

Wer war der Täter?

Der Mann stammt aus einer deutschstämmigen Aussiedlerfamilie, die Anfang der 1970er Jahre aus der Sowjetunion in die Bundesrepublik Deutschland gekommen war. Trotz eines Hochschulabschlusses und einer abgeschlossenen Ausbildung konnte er sich beruflich nie richtig etablieren und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. Bereits als junger Erwachsener fiel er wegen eines Sexualdelikts auf. Damals hatte er eine Anhalterin mitgenommen und sexuell bedrängt, wofür er auch später verurteilt wurde. Trotz zahlreicher Versuche, eine Frau kennenzulernen, führten seine Bemühungen ins Leere.

Im Prozess wurde der Mann wegen Totschlags und Verstoßes gegen das Waffengesetz angeklagt. Trotz der Tatsache, dass es keine Zweifel an seiner Täterschaft gab, stellte sich im Prozess die Frage, ob er die Tat geplant oder im Affekt geschehen war.

Mehr dazu in der Folge: „Hinrichtung im Treppenhaus: Der Tod einer Partnervermittlerin.“ des Podcasts: „Akte Südwest – Der Kriminalpodcast der Südwest Presse“,

True Crime: Akte Südwest Podcast

Der True-Crime-Podcast „Akte Südwest – Der Kriminalpodcast der Südwest Presse“ wird einmal pro Monat veröffentlicht und berichtet über wahre Verbrechen in Baden-Württemberg.