Trendgewürz MSG: Warum wir jetzt wieder mit Glutamat kochen dürfen

MSG-Gewürz, also reines Mononatriumglutamat, trendet im Netz. Warum wir plötzlich wieder mit Glutamat kochen und welcher große Irrtum hinter dem Chinarestaurant-Syndrom steckt. (Symbolbild)
Jens Büttner/dpa- MSG-Gewürz, reines Mononatriumglutamat, ist wieder im Trend.
- Lange galt es als ungesund, aber Studien widerlegten dieses Chinarestaurant-Syndrom.
- Glutamat verstärkt den Umami-Geschmack und kommt natürlich in vielen Lebensmitteln vor.
- TikTok-Rezepte mit MSG werden populär, besonders durch Influencer wie Logan Moffitt.
- Glutamat kann selbstgekochtes Essen schmackhafter und gesünder machen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mononatriumglutamat (MNG) oder kurz Glutamat wurde lange für diverse schlechte Dinge verantwortlich gemacht. Allen voran das sogenannte Chinarestaurant-Syndrom mit Herzrasen, Nacken- und Kopfschmerzen, aber auch Übergewicht wurde dem Geschmacksverstärker zugeschrieben. Heute weiß man: Dahinter steckt ein großer Irrtum, der durch Studien widerlegt werden konnte.
Alles Wichtige zu Mononatriumglutamat und dem Trendgewürz MSG in der Übersicht.
Was ist Glutamat eigentlich?
Glutamat ist eine Sammelbezeichnung für die L-Glutaminsäure und ihre Salze. Als zugelassener Lebensmittelzusatz werden die verschiedenen Varianten unter den E-Nummern 620 bis 625 geführt.
Wie schmeckt MSG?
Das weiße Pulver Mononatriumglutamat (engl. Monosodium Glutamate, kurz MSG) bedient die fünfte Hauptgeschmacksrichtung Umami. Weitere Geschmacksrichtungen, die wir dank der Rezeptoren auf unserer Zunge wahrnehmen können, sind süß, sauer, salzig und bitter. MSG-Gewürz oder -Pulver schmeckt selbst aber nach fast nichts. Dennoch verstärkt es Aromen in richtung herzhaft und sorgt so beim Würzen dafür, dass Speisen deftiger und intensiver schmecken.
Natürliches Glutamat befindet sich übrigens in Form von Glutaminsäure in vielen Lebensmitteln, darunter getrocknete Tomaten, gereifter Käse wie z.B. Parmesan, Pilzen, Erbsen, Sardellen, Fleisch und sogar in Algen. Aus Algen wurde Glutamat erstmals 1908 von einem japanischen Wissenschaftler isoliert.
MSG-Gewürz trendet immer wieder auf TikTok
Wer nicht der „Gen Z“ angehört und damit älter als 29 ist, kennt ihn noch: Den großen Aufschrei, wenn in einem Fertiggericht der Lebensmittelzusatzstoff Mononatriumglutamat auf der Zutatenliste zu finden war. Glutamat galt lange als DIE böse Zutat und wer sie freiwillig zu sich nahm, nicht selten als lebensmüde.
Asiatische Restaurants im ganzen Land sahen sich über Jahrzehnte dazu gezwungen, einen Hinweis auf ihre Speisekarten zu drucken, dass sie auf Glutamat verzichten.
Und plötzlich trenden auf TikTok Rezepte mit MSG-Gewürz als Zutat und niemand stört sich daran. Der berühmte Gurkensalat des kanadischen TikTokers Logan Moffitt sorgte im Sommer letzten Jahres sogar dafür, dass das Gemüse auf Island nicht mehr zu bekommen war. Wie selbstverständlich nutzt Moffitt in seinem Rezept MSG-Pulver, also Glutamat, als Gewürz.
MSG-Gewürz und Glutamat: Der Irrtum um das Chinarestaurant-Syndrom
Der Begriff Chinarestaurant-Syndrom wurde Ende der 1960-er Jahre erstmals in einem Leserbrief im „New England Journal of Medicine“ beschrieben. Dort berichtete ein Arzt vom Syndrom und beschrieb die Symptome, die er angeblich bei sich selbst beobachtet hatte, immer wenn er in einem asiatischen Restaurant essen gewesen war. Unter anderen waren das Hitzewallungen, Kratzen im Hals, Kopf- und Gliederschmerzen und Herzrasen.
Mehrere Mediziner berichteten schließlich in weiteren Leserbriefen von ähnlichen Beobachtungen an sich selbst. Belegt war all das nicht, dennoch fand das Chinarestaurant-Syndrom seinen Weg in die Medien. Es folgten Studien, deren Studiendesign nicht dafür ausgelegt war, die tatsächliche Wirkung von Glutamat auf den Körper zu belegen, wenn man es in geringen Mengen über das Essen zu sich nimmt. Andere Studien bestanden nur aus Befragungen oder waren nicht verblindet.
Die Wissensschafts-YouTuberin und Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim (alias MAITHINK X) hat die gesamte Geschichte rund um den Leserbrief und die Studienlage detailliert in einem Video erklärt und maßgeblich dafür gesorgt, dass MSG bzw. Glutamat heute wieder küchentauglich ist.
Heute weiß man zudem, dass der Leserbriefbereich des renommierten Medizinjournals zur damaligen Zeit oft für Witze genutzt wurde. Man vermutet sogar, dass es den Arzt und Verfasser des ersten Leserbriefes namens „Robert Ho Man Kwok“ gar nicht gibt, sondern dass dahinter ein Arzt steckt, der den Brief als Witz geschrieben hat und davon ausgegangen war, dass alle den Witz sofort erkennen.
Fazit: Warum Glutamat im Essen sogar hilfreich sein kann
Auf Glutamat im Essen zu achten ergibt immer dann Sinn, wenn es um Fertiggerichte geht. Denn die enthalten neben dem Geschmacksverstärker oft auch zu viel Salz, Zucker und Fett, was leicht zu Übergewicht führen kann.
Wer aber selbst kocht, kann mit dem MSG-Gewürz die eigenen Rezepte bedenkenlos auf ein neues Level heben. Dabei kann Glutamat sogar beim Abnehmen helfen: Denn wenn ein Gericht mit reichlich frischem Gemüse, Vollkornprodukten und allgemein frischen Zutaten dank MSG so richtig lecker schmeckt, isst man es natürlich viel lieber und verzichtet im Zweifel auch eher auf ungesunde Fertiggerichte oder Snacks.
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