Tradition, Teamgeist und Tüv-Prüfung: Maibaum-Bräuche von Brüssel bis zur Zugspitze

Der Maibaum auf der Zugspitze.
Peter Lehner/dpa- Traditionelles Maibaum-Aufstellen am 1. Mai; Vorbereitung in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland und Norden.
- Maibaumprüfung auf Brüchigkeit und Standfestigkeit; maximal fünf Jahre Standzeit.
- Vorbereitung: Baum im Wald suchen, Rinde entfernen, bemalen; Aufstellen oft mit Muskelkraft, manchmal Kran.
- Maibaum-Diebstahl als Ritual; Wachen verhindern Klau durch Handauflegen.
- Maibäume als Symbole der Dorfgemeinschaft; auch in Brüssel und auf der Zugspitze.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Schlaflose Nächte gehören vor dem 1. Mai zur Tradition: Bevor neue Maibäume aufgestellt werden, wird in vielen Orten rund um die Uhr Wache gehalten. Der Diebstahl des Baums im Nachbardorf ist Teil des Rituals. Nicht nur in Bayern, sondern auch in Baden-Württemberg, im Rheinland und auch im Norden laufen derzeit letzte Vorbereitungen für das Maibaum-Aufstellen.
«Maibaum-Tüv“ prüft auf Brüchigkeit
Zuerst einmal lockt das Dorffest, mit dem das Aufstellen des neuen Baums begangen wird. Gefeiert wird das meist traditionell mit Tracht, Blasmusik, reichlich Essen und Trinken und manchmal mit dem Tanz in den Mai. Es gibt aber auch versicherungsrechtliche Gründe. Auch der Maibaum wird mit der Zeit brüchig. Der „Maibaum-Tüv“ prüft akribisch. Ist die Standfestigkeit nicht mehr gegeben, muss der Baum weg.
Die Bäume müssen gemäß bayerischer Bauordnung regelmäßig sachkundig untersucht werden. Etwa ab dem zweiten Jahr muss in der Regel ein bestellter Sachverständiger ran; die Industrie- und Handelskammer hält entsprechende Verzeichnisse bereit. Als maximale Standzeit gelten fünf Jahre.
Wie wird der Baum hergerichtet und aufgestellt?
Die Vorbereitungen zum Aufstellen dauern teils Wochen. Schon Monate vorher wird manchmal im Wald nach einem passenden Baum gesucht, 20 bis 30 Meter sollte er hoch sein. Ist er gefällt, muss der Stamm von der Rinde befreit werden. Teils bleibt er naturbelassen, oft aber wird er mit weiß-blauen Ringeln bemalt. Aufgestellt wird nach der traditionellen Art mit Muskelkraft, mithilfe von Stangen. Zwar gibt es genügend Frauen, die zupacken könnten und auch wollten, aber das Aufstellen ist bis heute eine Männerdomäne.

Maibaum wird mithilfe von Stangen aufgestellt.
Felix Hörhager/dpaRutscht der Baum ab, drohen schwere Verletzungen. Immer öfter übernimmt auch deshalb ein Kran das Aufstellen - oder er sichert zumindest die nicht ungefährliche Prozedur.
Was bringt Handauflegen?
Hilft hier nicht gegen Leiden, sondern gegen Diebstahl. An geheimen Orten wachen vor dem 1. Mai Tag und Nacht Einheimische über den neuen Stamm. Der Maibaum-Klau durch Diebe aus dem Nachbarort ist ein Höhepunkt des Brauchs. Er bringt Lösegeld in Form von Bier und Brotzeit - und auch Respekt.
Legt aber ein Wachhabender die Hand auf den Baum, darf der Baum nicht mitgenommen werden. Ohnehin müssen die „Täter“ mit schwerem Gerät anrücken, die Bäume wiegen viele Hundert Kilogramm. Gelungen ist der Diebstahl erst, wenn der Baum über die Ortsgrenze gebracht ist.
Diebe nutzen inzwischen moderne Hilfsmittel und schauen schon mal in Google Earth nach großen Hallen, in denen ein Baum liegen könnte. Wache halten im Homeoffice per Videokamera ist möglich - aber nicht im Sinne der Tradition. Zumal dann die schützende Hand fehlt, die den Klau verhindert
Woher stammt der Maibaum-Brauch?
Manche vermuten, dass der Brauch auf die Fruchtbarkeitsrituale und Baummysterien der Kelten zurückgeht. Allerdings ist nicht belegt, ob das wirklich zum heutigen Maibaum führte.
Einen Zusammenhang sehen manche auch mit den Liebesmaien: Unverheiratete Männer stellen vor dem Haus der Angebeteten kleinere Bäume, etwa Birken auf, die mit bunten Bändchen geschmückt werden. Schriftliche Quellen für den Maibaum-Brauch soll es seit der Barockzeit geben.
Maibaum-Boom
Nicht nur in vielen Orten Bayerns, sondern auch in Baden-Württemberg, im Rheinland und auch im Norden laufen derzeit letzte Vorbereitungen für das Fest. Das Aufstellen galt früher als Zeichen der Dorfgemeinschaft und sollte deren Zusammenhalt festigen. Derzeit ist Brauchtum en vogue - manches Dorf hat schon zwei Bäume. Maibäume stehen vor Schulen gen Himmel, vor Bauwägen, die die Dorfjugend als Treffpunkt aufstellt, auf Bergen, die gemeinhin Gipfelkreuze zieren, und auch in Brüssel.
Zugspitz- und Brüssel-Maibaum
Den Brüsseler Maibaum gibt es seit 2008, damals war Markus Söder Europaminister. Zehn Jahre später, in seinem ersten Jahr als Ministerpräsident, wurde medienwirksam „sein“ Baum für Brüssel geklaut. Auch dieses Jahr wird in der Bayerischen Vertretung in Brüssel ein Baum aufgestellt - allerdings erst am 20. Mai.
Deutschlands höchstgelegener Maibaum steht übrigens an der Zugspitze. Dort wurde auch heuer ein Baum aufgestellt - ein wenig zu früh, er steht schon. Er ist laut Bayerischer Zugspitzbahn 80 Jahre alt und 18 Meter lang - länger geht nicht, denn er muss auf den Transportwagen der Zahnradbahn passen.
Was geschieht mit dem alten Baum?
Manchmal wird daraus eine Gartenbank, aber manchmal wird der Stamm auch in Scheiben geschnitten und als Brotzeitbrettl versteigert. Oder er wird, sofern nicht bemalt, zu Brennholz verarbeitet und verheizt.

