Trabi 2.0: Warum der E-Trabant nie in Serie ging

Der „newTrabi“ sorgte 2009 bei der IAA für Aufsehen. Serienmäßig gebaut wurde das Auto allerdings nie.
Boris Roessler / dpa„Plastebomber“, „Gehhilfe“, „überdachte Zündkerze“ oder „Pappe“ – Kosenamen für die Automarke „Trabant“ gab es viele, Exemplare jedoch weniger. Bis zu zwölf Jahre mussten Kunden in der DDR warten, bis sie einen Trabi ihr Eigen nennen durften. 1991 rollte der letzte „Trabant“ in Zwickau vom Band.
Messebesucher wollten Trabi-Comeback
Knapp 20 Jahre später hätte die Kult-Marke beinahe ihre Wiedergeburt gefeiert. Zum 50. Geburtstag des „Trabant“ stellte der mittelfränkische Modellauto-Herstellers Herpa 2007 den „newTrabi“ (nT) im Maßstab 1:10 auf der IAA vor. 12.000 Messebesucher wurden befragt, ob sie sich ein Trabi-Comeback vorstellen könnten: Mehr als 90 Prozent sagten ja! Die Firma Herpa hatte sich daraufhin die Namensrechte gesichert.

Messebesucher bestaunen im Jahr 2007 das 1:10-Modell des "newTrabi".
dpa / Peter Endig2009 wurde der erste „newTrabi“ vorgestellt
Nils Poschwatta, damals Designer bei VW, wurde auf das ambitionierte Projekt aufmerksam. Mithilfe des sächsischen Karosseriebauers „Indykar“ baute er den Prototypen. Der „newTrabi“ war geboren! 2009 wurde das Konzeptfahrzeug auf der IAA vorgestellt. Zuschauer sahen einen hellblauen Trabi, der deutlich größer als sein DDR-Vorgänger war. Die typisch runden Frontscheinwerfer sowie die markanten Heckflossen erinnerten ans Original. Rechts neben dem Lenkrad, wo einst Aschenbecher und Radio eingebaut waren, hatte der „newTrabi“ laut „Spiegel“-Bericht USB- und Strom-Buchsen für Navigationsgeräte und MP3-Player.

Pressefotografen versammelten sich 2009 um den „newTrabi“.
Boris Roessler / dpaDer Trabi 2.0 war ein E-Auto
Das Besondere: Der „newTrabi“ war elektrisch. „Der neue Trabant soll den Trend zur Entkomplizierung und ökologischen Verantwortung unterstreichen – ohne auf Spaß, Emotion und Sicherheit zu verzichten“, heißt es bis heute auf der Webseite des Projekts. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 130 km/h – knapp höher als die des DDR-Originals.
„Mehr als hundert Interessenten“ – dennoch wurde der „newTrabi“ nie serienmäßig gebaut
Popularität, Nostalgie und der technische Fortschritt: Alles schien wie gemalt zu sein, dass einige „newTrabi“-Exemplare in den Folgejahren über die deutschen Straßen rollten. „Es gab damals mehr als hundert Interessenten“, wurde Geschäftsführer Roland Gerschewski in einem „Spiegel“-Bericht zitiert. Trotzdem wurde der „newTrabi“ nie in Serie produziert. Wie das Fachportal „Motorsport-Total.com“ berichtete, haben Investoren und die finanziellen Mittel gefehlt, um das Projekt groß zu machen. Möglicherweise sei das Timing unpassend gewesen: Unternehmen und Investoren hatten noch mit den Folgen der Finanzkrise von 2008 zu kämpfen, so der „Spiegel“. Der Modellauto-Hersteller Herpa hat dem Bericht zufolge die Nutzung der „Trabant“-Namensrechte 2019 verlängert.
Trabi-Doku in der ZDF-Mediathek
Die Doku-Reihe „Ein Tag in der DDR“ ist seit einigen Wochen in der ZDF-Mediathek abrufbar. In einer Episode dreht sich alles rund um das Thema Trabi. Die Macher erzählen die Geschichte des ehemaligen „Trabant“-Werksarbeiters Thomas B. Dieser klaute in den 80ern sage und schreibe 25 Fahrzeuge und verkaufte diese privat weiter.
ZDF: Weitere DDR-Doku am Dienstagabend
Zuschauer, die sich für die ehemalige DDR interessieren, kommen an diesem Dienstag (4. Juli, 20:15 Uhr) auf ihre Kosten. Das ZDF strahlt die letzte Episode der Doku-Reihe „Ein Tag in der DDR“ aus. Thematisiert wird die Geschichte von drei mutigen Freunde, die mithilfe einer Raupe die innerdeutsche Grenze durchbrachen und so aus der DDR flüchteten. Die Folge ist ab sofort in der ZDF-Mediathek abrufbar.
